Unterföhring, 27. Juli (pps) - Die russische Leichtathletin und Whistleblowerin Julia Stepanowa hat ihr Olympia-Startverbot durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) kritisiert. „Natürlich würde ich mir wünschen, dass sich das IOC auch für mich einsetzt und mich unterstützt. Aber es passiert das Gegenteil, ich werde bestraft“, sagte Stepanowa in einem exklusiven Interview mit Sky Sport News HD: „Ich bin enttäuscht, dass ich aufgrund einer Lüge nicht an den Spielen teilnehmen darf. Es ist enttäuschend, dass sich das IOC Lügen zunutze macht.“


Weitere Aussagen von Julia Stepanowa...

...zu vermeintlichen Lügen des IOC
„Vor unseren Enthüllungen hat mich das IOC gefragt, ob ich einverstanden wäre, unter russischer Flagge an den Olympischen Spielen teilzunehmen. Ich habe ja gesagt, ich wäre sehr glücklich darüber. Und nach meinen Veröffentlichungen hieß es dann, dass ich nicht für Russland starten wollen würde. Das stimmt nicht. Die russischen Leichtathleten wollten nicht mit mir in einer Mannschaft antreten. So ist es gewesen. Was das IOC jetzt verbreitet ist, dass ich nicht für Russland auflaufen wollte.“

...zur Unterstützung seitens des IAAF und IOC
„Der internationale Leichtathletikverband hat mir den Status als neutrale Athletin gewährt. Das bedeutet, dass ich meine Sportkarriere fortsetzen kann. Natürlich würde ich mir wünschen dass sich das IOC auch für mich einsetzt und mich unterstützt. Aber es passiert das Gegenteil, ich werde bestraft.“

...zu aktiven russischen Sportlern
„Ich kann nicht für alle Sportarten sprechen, sondern nur für die Leichtathletik. Da war ich selber Teil des Dopingsystems. Alle Sportler, die ich gesehen habe, waren nicht sauber.“

...speziell zu den Athleten Jelena Issinbajewa, Sergei Schubenkow und Marija Kutschenka
„Ich weiß nicht, wer von diesen Athleten gedopt ist und wer nicht. Aber ich hoffe sehr, dass es noch saubere Athleten gibt. Alle sauberen Athleten haben eine Anti-Doping-Erklärung unterzeichnet, damit sie an den Olympischen Spielen teilnehmen können. Danach wurden zwei doch überführt. Deswegen ist es schwierig, eine verlässliche Aussage darüber zu treffen, wer sauber ist und wer nicht. Ich will einfach dran glauben, dass es saubere Athleten gibt.“

...zum Traum von Olympia
„Ich habe schon immer davon geträumt, Olympiasiegerin zu werden, aber das IOC hat mich nicht zu Olympia zugelassen.“

...zu eventuell weiteren Doping-Enthüllern
„Als wir uns dazu entschlossen haben auszupacken, haben wir gehofft, dass es russische Sportler gibt, die uns unterstützen. Wir hoffen, dass wir Sportler mit ähnlichen Problemen dazu bewegen konnten, die Wahrheit zu erzählen.“


Weitere Aussagen von Witali Stepanow...

...zum Anti-Doping-Kampf
„Als alles anfing, wollten wir gegen das russische Dopingsystem kämpfen. Das System wird beherrscht von den korrupten Sportpolitikern. Wir wollten nie gegen unser Land kämpfen, sondern gegen diese korrupte Elite. Uns empört am meisten, dass es in Russland heißt, wir hätten diese Aufklärungsarbeit wegen finanzieller Interessen geleistet. Und wir hätten es gegen unser Land getan. Es ist genau umgekehrt: Wir wollen unserem Land helfen.“

...zur Enthüllungsarbeit
„Wir haben uns immer als kleine Menschen verstanden, die versuchen, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Wir haben die Wahrheit gesagt und sind sehr froh, dass wir große Aufmerksamkeit auf das Thema Doping bringen konnten. Wir hoffen, dass wir etwas erreichen konnten und sich alles zum Guten wendet.“

...zur Unterstützung im Anti-Doping-Kampf
„Es werden immer mehr Leute, die uns unterstützen. Es sind Menschen, die unser Vorhaben verstehen. Wir hatten diese Hoffnung von Anfang an und freuen uns über die Zustimmung. Am Anfang waren wir zu zweit und jetzt sind wir viele“

...zu eventuell weiteren Doping-Enthüllern
„Meiner Meinung nach müssen die Sportpolitiker mit der Wahrheit beginnen, damit die Sportler mitziehen.“

...zum Verlassen ihres Heimatlandes
„Wir haben Russland schon vor der Veröffentlichung des Films verlassen. Es war zu befürchten, dass uns eine negative Reaktion in der Heimat erwartet. Deshalb haben wir das Land verlassen und – wir sehen es jetzt – richtig gehandelt.“

...zur Auswanderung in die USA
„Wir fühlen uns hier sicher, da uns niemand erkennt. Wir hoffen, dass wir eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen und bleiben können.“

...zu Robert Hartings Aussage, dass Thomas Bach Teil des Dopingsystems ist
„Wir sind kleine Menschen und deshalb wollen wir keine großen Aussagen treffen. Was ich aber sagen kann: Wenn das IOC über eine Null-Toleranz-Politik in puncto Doping spricht, ist es nicht mehr als ein Lippenbekenntnis für die Öffentlichkeit.“

...zu Thomas Bachs Einladung, die Olympischen Spiele vor Ort zu verfolgen
„Wir haben die Einladung abgelehnt. Hätte Julia nicht die Wahrheit erzählt, wäre sie als Athletin dabei gewesen. Aber so ist alles anders gekommen.“


Das gesamte Video-Interview mit Julia Stepanowa und ihrem Ehemann Witali steht unter sky.de zur Verfügung.


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