Hamburg/Düsseldorf, 30. Januar 2017 – 120 Referenten, 20 Foren, 40 Stunden Programm - heute trifft sich die Sportbusiness-Branche auf dem SPOBIS im Congress Center Düsseldorf. Der zweitägige Kongress behandelt aktuelle Themen der Sportwirtschaftsbranche. In den Foren referieren unter anderem John Gleasure, Sven Hannawald, Klaus Filbry und Martin Kind. Auf der Hauptbühne sprechen Karl-Heinz Rummenigge, Hans-Joachim Watzke, Jean Todt und Nico Rosberg.

Fußball / Bundesliga
Park Lane: „Bundesliga ist ein Start-up“


Laut Thomas Rudy, Vice President der US-amerikanischen Park Lane Investment Bank, bietet die deutsche Bundesliga finanzstarken Investoren mehr Potenzial als die englische Premier League.
Rudy, dessen Investment Bank im europäischen Fußball unter anderem mit dem FC Liverpool und dem FC Chelsea zusammenarbeitet, sagte beim SPOBIS: „Das Potenzial ist für Investoren in der Bundesliga noch größer als es früher in der Premier League der Fall war.“
Allerdings wird laut dem Banker dieses Potenzial auch aufgrund der in Deutschland gültigen 50+1-Regel noch nicht abgerufen. „Die Bundesliga ist international noch ein Start-up. Viele andere europäische Clubs sind global gesehen bekannter“, sagte Rudy.

Fußball / Bundesliga
96-Präsident Kind: „Investoren stehen nicht Schlange“


Martin Kind, Präsident von Hannover 96, will beim Thema 50+1-Regel keine Ruhe geben und weiter für Veränderungen kämpfen. Auch zur Frage bezüglich ausländischer Investoren bei seinem Club äußerte sich Kind beim SPOBIS in Düsseldorf.
In der derzeitigen Ausgestaltung verstoße die Regel laut Kind gegen mehrere europäische Rechte und sei juristisch angreifbar. „Ich empfehle, dass es nicht so weit kommt, dass jemand gegen die 50+1-Regel klagt. Dann entscheidet ein Richter und man kann nichts mehr gestalten“, sagte der 96-Präsident, der seit Jahren daran arbeitet, die 50+1-Regel zu verändern, damit Investoren die Mehrheit der Gesellschaftsanteile an einem Bundesliga-Club übernehmen können.
Zuletzt hatte Kind einen Kompromiss mit den anderen Bundesliga-Clubs erreicht, wonach ein Investor nach einem Engagement über einen Zeitraum von 20 Jahren die Mehrheit der Gesellschaftsanteile übernehmen darf. Für Kind muss dieser Kompromiss aber weiter ausgearbeitet werden, Details seien noch nicht geklärt: „Ich bin dafür, dass man vor einer gerichtlichen Entscheidung die Änderungen selbst ausgestaltet.“

Kind: „Chinesisch wird bei uns nicht gesprochen“

Zu der überspitzt gestellten Frage, ob chinesische Investoren irgendwann oder schon bald Hannover 96 übernehmen werden, antwortete Kind: „In Hannover wollen wir mit regionalen Partnern arbeiten. Chinesisch wird bei uns nicht gesprochen, nein. Aber wir brauchen die richtigen Rahmenbedingungen. Dafür kämpfe ich.“ Und weiter: „So attraktiv ist der Fußballmarkt nun auch nicht. Investoren stehen nicht Schlange. Außer vielleicht bei Bayern München. Das hat dort im Ergebnis zu mehr Professionalität geführt – etwa im Marketing.“
Für den Hannover-96-Chef wird kein Weg an einer weiteren Änderung der 50+1-Regel vorbeigehen. Schon jetzt sei die Regel durch Beispiele aus der Praxis aufgeweicht worden: „Die 50+1-Regel führt wie alle anderen Regularien zu kreativen Umgehungstatbeständen, wie man am Beispiel RB Leipzig sieht.“

Sportmix / Motorsport
DTM-Chef-Zitzlsperger: „Trends lassen sich umkehren“


Florian Zitzlsperger hat sich beim SPOBIS 2017 zur Zukunft der DTM geäußert. Der ITR-Geschäftsführer kündigte einige Änderungen an.
Zitzlsperger sagte im Congress Center Düsseldorf: „Es gibt viele Herausforderungen für den Motorsport, so auch für die DTM.“ Die Tourenwagen-Serie hat mit sinkenden TV-Reichweiten zu kämpfen, die in der Saison 2016 beim übertragenden Sender ARD im Schnitt erstmals unterhalb von einer Million Zuschauer ab drei Jahren pro Rennen lagen.
Zitzlsperger glaubt hinsichtlich der TV-Quoten nicht, „dass es eine einfache Antwort darauf gibt“. Ohnehin: „Das geänderte Konsumverhalten ist nicht die alleinige Herausforderung für die DTM, sondern für den gesamten Motorsport“, so der ITR-Chef.
Künftig will Zitzlsperger das Produkt DTM aufwerten. Der DTM-Chef sagt: „Wir müssen den Fokus auf den Kern des Motorsports richten: den Sport und die Fans. Es gibt immer die Chance, dass sich Trends umkehren lassen.“

Das sportliche Format sei bei Veränderungen in der Zukunft die Basis für die Vermarktung in der DTM. Zudem will die DTM den Bereich Marketing und Medialisierung forcieren und dafür beispielsweise in integriertes Storytelling in Anbindung an TV-Broadcasting investieren und innovative Formate wie Scripted Reality und e-Gaming ausbauen.

Medien / Übertragungsrechte
Dazn schielt auf Champions-League-Rechte


Dazn-CCO John Gleasure hat beim SPOBIS 2017 über die Rechtestrategie der Perform-Tochter gesprochen. Ein Thema war auch der Preis und die Ausschreibung der UEFA Champions League.
In der Diskussion um den Stellenwert und die Wichtigkeit bestimmter Rechte ließ sich Gleasure nicht aus der Reserve locken: „Verschiedene Rechte spielen verschiedene Rollen. Es ist nicht nur ein Recht, das funktioniert, sondern verschiedene Rechte gemeinsam.“ Entscheidend seien „die unterschiedlichen Interessen des Publikums, die sich für verschiedene Sportarten interessieren. Es gibt Abonnenten, die wegen bestimmter Rechte ein Abo abschließen, andere wegen eines anderen Rechtes“.
Im DACH-Markt will sich Dazn mittelfristig laut Gleasure „gern breiter aufstellen“ und sein „Rechteportfolio erweitern“. Zielmarkt sei dabei aber nicht nur der deutschsprachige, sondern ein generelles internationales Wachstum. „Wir wollen in mehreren Märkten unser Angebot launchen“, sagte Gleasure.

Dazn und die UEFA Champions League

Auf die Frage, welches Recht sich Gleasure mit Blick auf den deutschen Markt noch für das Dazn-Portfolio wünschen würde, antwortete er: „Deutschland ist ein großer Fußballmarkt. Wir schauen daher genau auf diese Rechte.“
Bislang hat Dazn neben den Highlightclips der Fußballbundesliga unter anderem im Fußballbereich auch Live-Rechte der englischen Premier League, der spanischen La Liga, der italienischen Serie A und der französischen Ligue 1 in seinem Portfolio.
Von besonderem Interesse seien künftig auch die Übertragungsrechte der UEFA Champions League, die in diesem Jahr für den Zeitraum 2018/19 bis 2020/21 ausgeschrieben werden. Dazu Gleasure: „Es ist ein wichtiges Recht. Wir werden uns auch die Champions-League-Ausschreibung anschauen“.

Gleasure: „Der Preis ist ein sensibles Thema“

Der Frage, ob der derzeitige Preis von 9,99 Euro pro Monat auch künftig stabil bleiben wird, wich Gleasure aus und sagte: „Sag niemals nie. Wir glauben, dass der Preis ein sensibles Thema für unsere Kunden ist.“ Daher müsse Dazn auch weiterhin einen Preis anbieten, „den sich die Leute leisten können“. Auf einen konkreten Preis wollte er sich jedoch nicht festlegen.

Fußball / Bundesliga
Filbry: „Bekommen wöchentlich Anfragen aus China“


Werder Bremens Geschäftsführer Klaus Filbry hat auf dem SPOBIS in Düsseldorf bekräftigt, dass der Bundesligist von der Weser nicht um jeden Preis eine Partnerschaft mit einem Investor eingehen wird. An der Nachfrage liege es jedoch nicht.
„Wir bekommen wöchentlich Anfragen von chinesischen Investoren“, berichtete Filbry. Jedoch wolle man bei Werder Bremen vorsichtig bei der Auswahl und der Einbeziehung eines Investors vorgehen. „Ist das ein kultureller Fit? Passt das? Wenn ein Investor nichts dabei gewinnt, dann will er auch irgendwann sein Geld wieder zurückhaben. Wenn der Ball mal nicht über die Linie geht, ist schnell die Frage da, passt es da noch?“
Generell sei man in Bremen aber gegenüber Investoren sehr aufgeschlossen und habe eine grundlegende Analyse durchgeführt, was ein Investor mitbringen müsse. „Strategische Partnerschaft: ja. Finanzinvestoren: nein. Mäzenatentum: nein“, brachte es Filbry kurz und knapp auf den Punkt.
Es sei jedoch nicht einfach, einen passenden Partner zu finden. „Als Club können Sie am Ende keine Rendite versprechen. Auch deswegen stehen Investoren nicht Schlange. Dafür ist die Fußball-Branche zu volatil. Komplexe Mitbestimmungsstrukturen schränken direkten Einfluss ein. Das ist sehr vereinsgetrieben.“

Wie Hannover-96-Präsident Martin Kind ist Filbry davon überzeugt, dass die 50+1-Regel in den nächsten Jahren gravierend geändert wird. „Wir sind auch dafür, dass die 50+1-Regel aktiv gestaltet wird. Wir wollen aber, dass der Mutterverein Hauptgesellschafter bleibt. Wir stehen Veränderungen gegenüber offen, aber nicht um jeden Preis.“

Medien / Eurosport
Hannawald über Olympia: „Schraube sollte zurückgedreht werden“


Sven Hannawald hat die Entwicklung der Olympischen Spiele kritisiert. Beim SPOBIS in Düsseldorf äußerte sich der Skisprung-Olympiasieger und heutige Eurosport-TV-Experte zudem zum Vorteil der Wintersportarten gegenüber den Sommersportevents in Bezug auf die Fernsehpräsenz.
„Aktuell werden die Olympischen Spiele in der Öffentlichkeit nur mit Geld in Verbindung gebracht“, sagte Hannawald beim SPOBIS. „Ich hoffe, dass diese Schraube wieder zurückgedreht wird und der olympische Gedanke wieder in den Vordergrund rückt.“ Hannawald hatte einst die gescheiterte Bewerbung von München für die Olympischen Winterspiele 2022 selbst aktiv unterstützt.
Als TV-Experte arbeitet der 42-Jährige seit Herbst 2016 für Eurosport. Angesprochen auf die umfangreiche TV-Präsenz der Wintersportarten im Vergleich zu zahlreichen Sommersportarten sieht Hannawald einen Hauptgrund im Wetter: „Im Sommer ist es wärmer, die Leute liegen im Strand, gehen schwimmen und schauen weniger fernsehen. Die Wintersportarten haben wahrscheinlich den Vorteil, dass im Winter mehr Menschen gemütlich zuhause vor dem Fernseher sitzen.“

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