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  • „Ich hoffe, dass die Blase bald platzt“ – „ Werder Bremen braucht die Europa League“

    Andreas Herzog hat vieles im Weltfußball erlebt. Der Österreicher kennt die Bundesliga in Deutschland und seiner Heimat aus dem Effeff. Im exklusiven bwin-Interview erzählt er ausführlich, warum er dem Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten nackt in der Kabine begegnet ist und schildert seine ganz eigene Sicht der Dinge über seine Herzensvereine Rapid Wien, Werder Bremen und den Fußball an sich. Dabei nimmt er kein Blatt vor den Mund. – Nachfolgend Ausschnitte aus dem Interview, dass komplett auf www.bwin.de nachzulesen ist.


    Kürzlich kam das Gerücht auf, dass Sie Co-Trainer von Jürgen Klinsmann bei Arsenal London werden würden. Gibt es Gespräche mit dem Verein?

    Andreas Herzog:
    Nein, dem kann ich eine Absage erteilen. Jürgen Klinsmann war nur von Tottenham zum Derby eingeladen worden und hat mich gefragt, ob ich ihn begleiten möchte.

    Würden Sie grundsätzlich wieder als Co-Trainer unter Jürgen Klinsmann arbeiten?

    Herzog:
    Wir haben natürlich über die Zukunft gesprochen und es gibt viele Varianten. Ich kann mich da nicht festlegen.

    Zu Werder Bremen. War Mario Basler wirklich so ein wilder Hund auf und neben dem Platz?

    Herzog:
    Er hat auf alles gepfiffen. Mario war ein genialer Spieler und ein genialer Spieler benötigt gewisse Freiheiten. Natürlich hat er diese Freiheiten manchmal zu stark ausgenutzt, aber immer wenn es knapp war, und Rehhagel ihm die Leviten gelesen hat, hat er wieder die zwei entscheidenden Tore gemacht. Das zeigt, was für ein großartiger und wichtiger Spieler er war.

    Gibt es ähnliche Typen wie Basler auch heutzutage?

    Herzog:
    Das ist heute nicht mehr möglich. Heute sagt jeder in Interviews exakt dasselbe. Im Grunde genommen braucht man ja gar niemanden mehr interviewen. Wenn du sagst, was du denkst, zahlst du gleich eine Geldstrafe oder wirst auf den diversen Social Media Kanälen angegriffen. Fußball war früher ein Sport, heute ist es ein Business, in dem es um extrem viel Geld geht. Da kann man als Spieler heutzutage nicht mehr so viele Freiheiten und Spaß haben, wie wir es damals gewohnt waren.

    Um viel Geld geht es auch bei den Ablösesummen. Ist ein junger Spieler wie Kylian Mbappé 130 Millionen Euro wert?

    Herzog:
    Das ist ja ein Wahnsinn. Er ist ein exzellenter junger Spieler, genauso wie Dembélé vom BVB oder Dybala von Juventus Turin. Das ist die neue Generation der Superstars. Aber wenn man sieht, welche Summen für diese jungen unerfahrenen Spieler verlangt werden, dann müssten Messi und Ronaldo jeweils 500 Millionen kosten. Und das ist absurd, so kann es auch nicht weitergehen. Jetzt steigen noch die Chinesen und die Amerikaner ein. Ich hoffe, dass diese Blase zum Wohl des Fußballs irgendwann platzt, damit er wieder im Vordergrund steht.

    Werder Bremen spielt derzeit einen sehr schönen Fußball und hat eine beeindruckende Serie hingelegt. Welchen Anteil haben die drei Österreicher am Erfolg?

    Herzog:
    Einen sehr großen Anteil. Junuzovic ist einer der wichtigsten Spieler in der Mannschaft, Florian Grillitsch hat sich mehr oder weniger zum Stammspieler hochgearbeitet und auch Florian Kainz ist nach seinen Anlaufschwierigkeiten auf einem sehr guten Weg. Wenn er noch ein bisschen zulegt und nur annähernd so gut wie bei Rapid spielt, hat er sicher bald einen Stammplatz.

    Die Statistiken sprechen für ihn...

    Herzog:
    Jetzt ist auch die Mannschaft erfolgreich. Er ist sicher nicht zu Werder gegangen, um dort Joker zu sein. In Österreich war er einer der besten, und dann willst du auch bei Werder einen Stammplatz.

    Was hat Trainer Alexander Nouri am System geändert, dass es plötzlich wie geschmiert läuft?

    Herzog:
    Wichtig war die Stabilisierung der Defensive. Für offensiven Fußball war Bremen immer bekannt, aber wenn du im Schnitt drei Tore pro Spiel bekommst, stehst du zwangsläufig am unteren Ende der Tabelle. Serge Gnabry war ein exzellenter Kauf, Max Kruse ist jetzt im Frühjahr förmlich explodiert und Fin Bartels bildet mit Kruse ein kongeniales Duo. Das alles ist zum Großteil Verdienst von Trainer Alex Nouri und das ist sensationell.

    Kann jetzt bei Werder Bremen mit den jungen Spielern rund um Gnabry, Kainz etc. wieder etwas wachsen, um irgendwann an die erfolgreichen Zeiten anzuschließen?

    Herzog:
    Der Schlüssel dafür wird die Europa-League-Qualifikation sein. Dann wäre der Verein wieder attraktiver und sie hätten Zusatzeinnahmen. Um jemanden wie Max Kruse, der schon bei Gladbach und Wolfsburg war, und Zlatko Junuzovic, der verlängert hat, kann man sicher ein Team entwickeln. Serge Gnabry kann man sicher nicht halten, solche jungen Talente hat Werder immer schon verkaufen müssen und das wird auch in Zukunft so sein.

    Macht Florian Grillitsch den richtigen Schritt mit dem Wechsel nach Hoffenheim im Sommer?

    Herzog:
    Wenn Hoffenheim in die Champions League kommt, dann spielt er Champions League, dann ist es der richtige Schritt. Ich denke, dass er mit Julian Nagelsmann einen hochinteressanten Trainer hat. In Hoffenheim muss er jedoch wieder von Null anfangen, nachdem er sich in Bremen bereits einen Namen gemacht hatte. Ich gehe aber davon aus, dass er es auch dort schaffen wird.

    Sie hatten auch ein Intermezzo bei den Bayern 1995/96. Wie sehen Sie die Situation bei den Bayern? Der Kader ist überaltert, gegen Real ist man ausgeschieden, gegen den BVB im Pokal ebenso, am Ende steht „nur“ der Meistertitel. Ist das bei den Bayern zu wenig? 

    Herzog:
    Man hatte sicher die Hoffnung auf mehr Erfolg. Fakt ist aber, dass man gegen Real daheim zwar verloren, aber auswärts nach 90 Minuten in Unterzahl gewonnen hat. Eigentlich war Arturo Vidal mit dem verschossenen Elfmeter und der unnötigen roten Karte der Mann, der die Bayern ins Aus katapultiert hat. Wären diese beiden Situationen nicht passiert, hätte Bayern Real eliminiert. Als Trainer kommst du in München gleich unter Druck, wenn du nicht alles gewinnst. Man vergisst aber sehr leicht, dass die Bayern vorher alle Gegner abgeschossen haben: Den HSV, den BVB usw.

    Ist Carlo Ancelotti der richtige Trainer für den dringend notwendigen Umbruch im Sommer?

    Herzog:
    Er ist einer der erfolgreichsten Trainer aller Zeiten. Umbrüche hat er sehr erfolgreich bei allen Stationen vollzogen. Ribéry und Robben adäquat zu ersetzen, ist natürlich sehr schwer.

    Wen sollten die Bayern im Sommer holen?

    Herzog:
    Dembélé vom BVB, auch wenn die Dortmunder dann wieder sauer sind. Dembélé ist aber in Deutschland am Flügel gerade das Nonplusultra. Mbappé wäre ideal, die Bayern werden aber keine 130 Millionen zahlen. Wen sie unbedingt holen müssten, ist Alexis Sanchez. Der ist absolute Weltklasse und im Sommer verfügbar. Außerdem kann er überall spielen: Links, rechts und in der Spitze.

    Warum bekommt Joshua Kimmich als eines der größten deutschen Talente bei den Bayern keine Chance?

    Herzog:
    Das muss man Carlo Ancelotti fragen. In München wäre man aber gut beraten, wenn man Kimmich in der nächsten Saison wieder ins Team einbaut.

    Gilt das gleiche auch für Renato Sanches?  

    Herzog:
    Naja, er ist zwar mit 18 Jahren Europameister geworden, ich habe ihn aber schon im Sommer als nicht so reif gesehen. Zwar hatte er unglaubliche Momente, aber genauso viele unnötige Ballverluste und unüberlegte Aktionen. Wenn du als Verein einen so jungen Spieler für 40 Millionen holst, es auf seiner Position aber bessere Spieler gibt und er deswegen überhaupt nicht zum Einsatz kommt, verliert er offensichtlich vollkommen das Selbstvertrauen. Da ist jetzt eine komplett zerfahrene Situation entstanden, in der es vielleicht das Beste ist, wenn er irgendwo hingeht, wo er wieder spielt.

    Wie sehen Sie die österreichische Bundesliga im internationalen Vergleich?

    Herzog:
    Natürlich stehen England, Spanien, Deutschland etc. vor der österreichischen Liga. Danach gibt es aber nur noch die holländische und die portugiesische Liga, die vor unserer Liga steht. Wir machen uns in Österreich nur immer schlechter, als wir sind.

    Bei den Bayern hatten Sie eine berühmte Szene mit Oliver Kahn, in der er Sie von ihm heftig geschüttelt hat. Wie ist ihr Verhältnis heute?

    Herzog:
    Ganz normal. Wir haben uns damals danach gleich ausgesprochen und er war einer der wenigen, die mich überreden wollten, bei den Bayern zu bleiben, weil das zweite Jahr leichter werden würde. Ich war da aber bereits froh, wieder nach Bremen zurückgehen zu können.

    Lothar Matthäus hat einmal gesagt, dass nur Rapid Wien eine größere Schlangengrube als Bayern München ist.

    Herzog:
    Das kann ich nicht sagen. Matthäus hatte bei Bayern einen viel größeren Stellenwert als in Österreich. Die Erwartungen an ihn waren immens hoch, die Mannschaft war jedoch nicht gut und Erfolg gab es auch keinen. Da verstehe ich, dass er bei Rapid nicht glücklich war.

    Er hat behauptet, dass die Spieler und vor allem Sie gegen ihn waren?

    Herzog:
    Ich bin damals aus Deutschland zurückgekommen und bei der Austria hätte ich ein Vielfaches verdient. Ich bin aber Rapidler und deswegen war ein Wechsel dorthin klarerweise keine Option. Bei Rapid habe ich auf extrem hohe Siegesprämien gespielt, deswegen wäre es mir wurscht gewesen, wer Trainer ist. Ob Lothar Matthäus, Hans Krankl oder der Papst, ich wollte jedes Spiel gewinnen, ich war ja kein Feind von meinem eigenen Geld. Das stimmt also sicher nicht.

    Sie haben fünf Jahre unter Jürgen Klinsmann gearbeitet. Was macht ihn als Trainer und Person aus?

    Herzog:
    Das hat mir über fünf Jahre hinweg sehr viel Spaß gemacht, weil er ein echter Manager ist und rund um sich ein großes Spezialistenteam schart, die alle sehr befreit arbeiten dürfen. So etwas war ich in dieser Art und Weise noch nicht gewöhnt und das war definitiv eine wertvolle Erfahrung.

    Wie steht es um den amerikanischen Fußball im Vergleich zum europäischen?

    Herzog:
    Natürlich fehlt noch sehr viel zu den europäischen Spitzenligen, aber wenn die Amerikaner etwas in die Hand nehmen, hat das Hand und Fuß. Die Liga wird total professionell betreut und organisiert und auch die Trainingsmethoden sind den europäischen sehr ähnlich. Da merkt man natürlich die Einflüsse aus Europa.

    Was konnten Sie von Jürgen Klinsmann lernen?

    Herzog:
    Dass er als Deutscher gewohnt ist, zu gewinnen und dadurch mit einem unglaublichen Optimismus und Siegeswillen in jedes Spiel hineingeht, egal wie schwer es wird. Diese Mentalität, die er ausgestrahlt und den Spielern vermittelt hat, war oft ausschlaggebend, warum wir viele Spiele als Außenseiter gewonnen haben. Die WM 2014 ist das beste Beispiel. Da haben wir die Todesgruppe mit Weltmeister Deutschland, dem späteren Europameister Portugal und Ghana.

    Wie war das Gefühl, dem Vizepräsidenten der USA, Joe Biden, nackt in der Kabine zu begegnen?

    Herzog:
    Es waren ja auch einige Bodyguards da (lacht). Das war total irre. Ich war mit unserem Fitnesstrainer in der Trainerkabine duschen und wir wollten dann in der Kabine noch mit der Mannschaft feiern. Also sind wir noch nackt in die Kabine und auf einmal stehen da zehn Bodyguards gemeinsam mit Joe Biden und seiner Tochter. So schnell war ich noch nie wieder angezogen. (lacht)

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