• Sky Experte zum BVB: „Vereinsführung muss überdenken, wie sie die Mannschaft geführt hat“
  • Kramer zum Videobeweis: „Gestern hat er den Fußball ungerechter gemacht
  • DFB-Schiedsrichterchef Fröhlich: „Haben zwei Baustellen, müssen jetzt erstmal bei einer Linie bleiben“
  • RB-Geschäftsführer Mintzlaff zu Financial Fairplay: „Ich lehne mich da entspannt zurück“

    Unterföhring, 10. Dezember 2017 -
    In „Wontorra – der Fußball-Talk“ sprachen u.a. Oliver Mintzlaff, Geschäftsführer von RB Leipzig, DFB-Schiedsrichterchef Lutz Michael Fröhlich und Dietmar Hamann bei Sky Sport News HD über aktuelle Themen.

    Oliver Mintzlaff (Geschäftsführer RB Leipzig) ...
    … zum Stand einer Vertragsverlängerung mit Trainer Ralph Hasenhüttl:
    „Wir spielen jetzt die Hinrunde und setzten uns dann in Ruhe zusammen. Von daher sind wir völlig im Timing und werden uns dann in der Winterpause Zeit nehmen, Gespräche zu führen. Ralph Hasenhüttl fühlt sich wohl und hat bei uns tolle Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln. Er hat den Verein brutal weiterentwickelt. Er hat aus diesen jungen Spielern eine Mannschaft formiert, die sich wirklich toll schlägt. Das haben wir Ralph Hasenhüttl zu verdanken, aber er hat natürlich auch unfassbar tolle Möglichkeiten, deshalb kann ich mir schon vorstellen, dass wir mit ihm über eine Verlängerung sprechen.“
    … zum Ausscheiden in der Champions League: „Ja, man hätte auch weiterkommen können. Wir hatten für uns als Ziel definiert, Platz drei wäre ein Ergebnis mit dem wir leben können. Es hat dann auch ein Stück weit an Erfahrung gefehlt. De facto hat noch niemand auf internationaler Bühne gespielt. Da war eine große Nervosität. Ja, man hätte weiterkommen können, aber wir sagen auch nicht, sieben Punkte sind ein katastrophales Ergebnis.“
    … zum Financial Fairplay: „Dass wir natürlich ein gewisser Start-up-Klub sind, der eine Anschubfinanzierung gebraucht hat, ist sicherlich nachvollziehbar. Dass wir das Financial Fairplay immer nur auf Transfereinnahmen und Transferausgaben herunterbrechen, ist natürlich schlichtweg falsch, weil es erstmal dazu dient, dass ein Verein nicht mehr ausgibt als er einnimmt. Unsere Einnahmen und Ausgaben betreffen ja nicht nur Transfers. Unser Verein hat sich im zweiten Bundesligajahr extrem toll entwickelt. Wir haben ein ausverkauftes Stadion, ausverkauften VIP-Bereich, wir haben im Sponsoring-Bereich neben Red Bull etliche Partner gewonnen. Wir wachsen im TV-Bereich und haben durch die Champions League auch Einnahmen. Wenn wir heute einen Schlussstrich ziehen und alles verkaufen würden, stünde da ein dickes Plus. Wir bewegen uns, was das Financial Fairplay betrifft, absolut in den Leitplanken der UEFA. Deswegen lehne ich mich da extrem entspannt zurück.“
    … zum Einfluss von Red Bull bei RB Leipzig: „Unser Fall ist speziell, weil Red Bull nicht nur Hauptsponsor ist, sondern auch Hauptgesellschafter der GmbH, in die wir die Profi-Mannschaft ausgegliedert haben, was ja heute Usus ist. Da hat Red Bull natürlich einen Werbeauftritt bei uns, sie sind Trikotpartner, sie haben Werbung im Stadion, das Naming Right und das wird evaluiert und zwar nicht von uns, sondern von einer unabhängigen Kommission der UEFA, die sagt, was ist der Media Value, den Red Bull generiert und dieser Wert darf nicht den übersteigen, was Red Bull an Leipzig überweist. Von daher funktioniert dieses Modell, dass Ralf Rangnick bei mir anruft und sagt, ich brauch nochmal 50 Millionen und ich ruf bei Red Bull an oder geh bei uns in den Keller und hol das Geld, ist schlichtweg falsch. Das sind Märchen.“
    … zum Videobeweis: „Grundsätzlich muss man sagen: Alle wollten den Videoschiedsrichter. Jetzt haben wir ihn und dann beschweren sich alle. Deshalb müssen wir jetzt gemeinsam schauen, dass wir dieses Tool so hinbekommen, dass es der Fan versteht.“
    … zur Frage, ob Trainerentlassungen immer das richtige Mittel sind: „Auch bei uns wird es sicherlich mal Zeiten geben, in denen es nicht immer nur nach oben geht, sondern in denen wir vielleicht auch mal stagnieren oder Richtung Abstieg gucken müssen. Dann gilt es erstmal, Ruhe zu bewahren und nicht in Aktionismus zu verfallen und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Aber es gehört zum Sport auch dazu, zusammenzurücken und schwierige Zeiten gemeinsam zu überstehen.“
    … zu Timo Werner: „Es ist natürlich klar, dass wir ihn langfristig an uns binden wollen. Die Gespräche mit Ralf Rangnick laufen schon. Der Spieler fühlt sich sehr wohl bei uns, weil er auch sieht, was er für eine Entwicklung hier nehmen konnte. Aber wir werden uns hier kein Zeitfenster geben. Aber wir sind die Letzten, die einem Spieler, den nächsten Karriereschritt versperren möchten.“

    Lutz Michael Fröhlich (DFB-Schiedsrichterchef) ...
    … zum Videobeweis:
    „Wir haben nach wie vor zwei Baustellen, nämlich die Definition eines klaren Fehlers und das wurde in der ersten Phase schon unterschätzt, dass dieses Projekt ganz wesentlich von den Begriffen Transparenz und Kommunikation lebt. Da haben wir jetzt einen anderen Weg eingeschlagen, indem wir Workshops mit Journalisten und Vereinen zu veranstalten. Dabei wird es aber keine Kursänderung mehr geben, weil es nichts bringt, nach jedem Wochenende wieder nachzubessern. Wir müssen jetzt erstmal bei einer bestimmten Linie bleiben.“
    … zur Frage wie man Trainerentlassungen als Externer wahrnimmt: „Es zeigt, dass alles nur vom Erfolg lebt. Es gibt zwei schwache Glieder im Fußball: Auf der einen Seite, sind das die Trainer auf der Vereinsseite und auf der anderen Seite sind das die Schiedsrichter, die auch eher fehlerorientiert beurteilt werden.“

    Christoph Kramer (Borussia Mönchengladbach): „Das Argument war immer, wir diskutieren nicht mehr so viel. Wenn man jetzt ehrlich ist, diskutieren wir noch mehr und gestern hat der Videobeweis den Fußball bestimmt ein bisschen ungerechter gemacht. Die Schiedsrichter sollten einfach wieder mehr Vertrauen in ihre Entscheidungen bekommen. Man traut sich gar nicht mehr zu freuen, wenn man ein Tor schießt. Generell gute Idee, aber in der Umsetzung einfach nicht gut.“

    Sky Experte Dietmar Hamann ...
    … zur Verpflichtung von Peter Stöger bei Borussia Dortmund:
    „Er hat vor zwei Wochen dem 1. FC Köln die Pistole auf die Brust gesetzt. Das hinterlässt einen Beigeschmack, erst die Kölner Situation und eine Woche später taucht er in Dortmund auf. Mir kommt das alles etwas Spanisch vor. Er hat seinen Abgang ja mitvorbereitet. Ich bin nicht der Meinung, dass er das Recht hat, nach drei Punkten zum Verein zu sagen, entweder so oder so. Mich würde es wundern, wenn die gestern das erste Mal telefoniert haben.“
    … zur Entlassung von Peter Bosz bei Borussia Dortmund: „Es hat sich ja in den vergangenen Wochen angedeutet. Die Art und Weise wie Spiele verloren wurden, ist Borussia Dortmund nicht würdig. Man zieht jetzt die Reißleine. Der Trainer ist immer das schwächste Glied. Aber ich glaube, man muss in der Vereinsführung überdenken, wie man die Mannschaft geführt hat. Ich nehme den Trainer da raus, weil ich glaube, dass der Mannschaft in den vergangenen Jahren auch schon unter Thomas Tuchel zu viele Freiheiten gegeben wurden. Das nur an Peter Bosz festzumachen, ist mir zu einfach.“
    … zu Problemen zwischen der Mannschaft des BVB und Bosz: „Ich glaube, dass er viele Spieler falsch eingeschätzt hat und ihnen zu viele Freiheiten gegeben hat. Wenn Spieler immer wieder die Vereinsführung aufsuchen, entmündigst du den Trainer natürlich, das kratzt an seiner Autorität. Der letzte Strohhalm war dann, dass er die Spieler gefragt hat, was soll ich machen. Sobald du die Spieler in die Mannschaftsaufstellung einbeziehst, ist das Ende nicht mehr weit. Ich bin mir sicher, dass es in der Dortmunder Mannschaft viele gibt, die sagen, ihm wurde übel mitgespielt. Ich denke, dass innerhalb der Mannschaft der Zuspruch für Peter Bosz größer ist als wir denken. Das sind Dinge, die da eingerissen sind. Das hat nicht dieses Jahr angefangen, das war schon unter Thomas Tuchel so.“
    … zum Videobeweis: „Ich glaube, dass der Videobeweis zu früh kam und dass man schlecht vorbereitet in die Runde gegangen ist. Es ist in der ersten Halbserie sehr viel Schaden angerichtet worden. So wie es im Moment ist, verliert das Schiedsrichterwesen an Glaubwürdigkeit.“


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