• 3.600 Anträge – Zwei-Millionen-Euro-Grenze überschritten

    Berlin/Hennef, 21.2.2019 - 3.600 Fußballprojekte in ganz Deutschland. Eine imposante Zahl und eine große Kraftanstrengung für das Miteinander. Die Flüchtlingsinitiative „2:0 für ein Willkommen“ der DFB-Stiftung Egidius Braun und der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration hat einen weiteren Meilenstein erreicht. Die Anfrage des SuS Viktoria Wehofen 1920 wurde als 3.600 Antrag bewilligt. Damit wurde die Schallmauer von zwei Millionen Euro an vergebenen Fördermitteln überschritten. Ein Erfolg, der seinesgleichen sucht. Die Initiative, die durch die A-Nationalmannschaft der Männer gefördert wird, geht auch in diesem Jahr weiter und unterstützt Integrationsprojekte von Fußballorganisationen für geflüchtete Menschen.

    „Unser Projekt 'Am Ball bleiben' ist zweieinhalb Jahre alt und hat sich äußerst erfolgreich entwickelt. Der massenhafte Zuzug von Asylbewerbern im Jahr 2015 hat sich für Viktoria Wehofen als echte Chance erwiesen“, betont Wehofens Macher Ralf Plincner. Der Sportverein aus Duisburg, einst von Bergleuten der damaligen Walsumer Schachtanlage gegründet, hat sich in den letzten Jahren in außerordentlicher Art und Weise um die Integration von Flüchtlingen in das ganz alltägliche Leben in der Stadt an Rhein und Ruhr verdient gemacht.

    Zusammen mit seinem Bruder Uwe, der als Geschäftsführer des Klubs amtiert, hat er vor zweieinhalb Jahren die Initiative gestartet. „Das ist längst ein Vollzeitjob“, sagt Ralf Plincner, der die Trainerlizenz bis zur höchsten Amateurklasse besitzt. Er war von seinem Bruder gefragt worden, ob er sich die Vereinsstrukturen mal anschauen könne. „Ich habe ihm gesagt, dass wir ganz neue Wege gehen müssen, dass wir die eingeschlagenen Pfade verlassen müssen“, berichtet Ralf Plincner. So entstand die Idee, Flüchtlinge für den Fußball in Wehofen zu begeistern.

    Dem Mitgliederschwund entgegenwirken

    Der Verein – im Norden Duisburgs beheimatet – hatte in den letzten Jahren mit Mitgliederschwund und damit einhergehend mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen. Im kommenden Jahr stehen die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen auf dem Programm. Vor einiger Zeit schien fraglich, ob das große Fest überhaupt stattfinden kann. Doch die Flüchtlinge, die in der Bundesrepublik nach einer neuen Heimat suchen, erwiesen sich als Glücksfall für den Verein.

    Vereinsmitglieder stellten den Kontakt zu Asylbewerberheimen und Erstaufnahmeeinrichtungen her. Das war Mitte 2016. Es wurden Trainingseinheiten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene angeboten; die Resonanz war enorm und übertraf alle Erwartungen. Bereits zu den ersten Trainingseinheiten erschienen rund 80 Flüchtlinge unterschiedlichster Herkunft, Kultur, Religion und Sprache. Die große Klammer für alle war der Sport, die Liebe zur Bewegung und vor allem zum Fußball. Dabei wurde auch klar, dass Toleranz, Respekt, Disziplin, Fairness und Teamgeist im Training angesprochen und immer wieder eingeübt werden müssen. Ein dauerhafter Prozess, der sich aber lohnt.

    „Wir haben schnell gemerkt, dass der Fußball zwar wichtig ist. Aber viel mehr brauchen die Leute auch soziale Unterstützung. Alles, was man sich vorstellen kann, wird von uns eingebracht, um sie in unsere Gesellschaft zu integrieren“, erklärt Ralf Plincner.

    Die Anzahl der Mitglieder stieg, Flüchtlinge konnten recht schnell in bestehende Mannschaften integriert werden. „Wichtig war uns, dass sie immer mit deutschen Spielern zusammenspielen, um Deutsch zu lernen“, erklärt der SuS-Funktionär, „eine eigene Flüchtlingsmannschaft haben wir immer abgelehnt.“ Der Erfolg gibt ihnen Recht.

    Umfassende Begleitung im Alltag

    Doch der sportliche Aspekt war nicht die einzige Aufgabenstellung für den SuS Viktoria. Die Betreuung der neuen Vereinsmitglieder hörte nicht im Trainingsbetrieb auf. Alle machten etwas mehr und die Trainer und Vereinsfunktionäre erweiterten ihr Engagement. Sie begleiteten die Flüchtlinge bei Arzt- und Behördengängen. Sie vermittelten Übersetzer, boten Deutschkurse an, beschafften Praktikumsplätze und Lehrstellen, halfen bei der Wohnungssuche. Eine enge Kooperation mit der Kreishandwerkskammer und lokalen Unternehmen vereinfachte die Arbeit. Dennoch bedurfte es zahlreicher Handreichungen, um die Hilfe in die richtigen Bahnen lenken zu können.

    „Inzwischen haben wir natürlich aufgrund unserer Kontakte ein sehr gutes Standing. Wir müssen nicht mehr drei Stunden auf einen Termin warten“, beschreibt Ralf Plincner stolz. Fünf ehrenamtliche Kräfte sind für den Verein tätig, sie sind tagtäglich auf Achse für die neuen Mitbürger. „Wir haben jetzt sechs geflüchtete Menschen in eine Ausbildung gebracht, zwei weitere befinden sich im Wartestand. Das hört sich nicht viel an, aber es hat alles einen enormen Aufwand mit sich gebracht, das kann man gar nicht genug unterstreichen“, so Plincner. Insgesamt 22 Personen werden intensiv betreut. Sogar aus Kaarst und Düsseldorf kommen Interessierte nach Wehofen, weil sie gehört haben, dass man dort nicht nur Fußball spielen kann, sondern auch noch weitergehende Unterstützung erfährt. „Wir weisen natürlich niemanden ab“, äußert Ralf Plincner, „die Leute nehmen mit Bus und Bahn Fahrten von zwei Stunden zu uns auf sich.“

    Plincner: „Wir wollen Toleranz und Respekt vermitteln!“

    Die Unterstützung der DFB-Stiftung Egidius Braun und der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration ist für den SuS Viktoria viel wert. Insgesamt 6.540 Euro flossen jüngst an den Verein. Damit konnten unter anderem drei ehrenamtliche Vereinsmitarbeitende mit einer Pauschale von jeweils 720 Euro entlohnt werden. Auch war es möglich, den freiwilligen Helfern die Kosten für Fahrdienste mit einer Zuzahlung von 1.600 Euro zumindest abzufedern. Und immer mal wieder konnte die komplette Mannschaft nach dem Spiel zu einem gemeinsamen Essen eingeladen werden, das von Ehrenamtlichen zubereitet wird. Auch das schweißt zusammen.

    Ralf und Uwe Plincner sind noch voller Tatendrang. Der Fußballplatz liegt nicht in Duisburg, sondern gehört zu Dinslaken. Eine neue Flutlichtanlage muss her, sie haben schon reichlich Spenden gesammelt, um auch hier eine Veränderung zum Positiven zu bewirken. Den Plincner-Brüdern ist dabei auch in Zukunft eine glückliche und erfolgreiche Hand zu wünschen. „Toleranz und Respekt den Mitmenschen gegenüber, das wollen wir vermitteln und sind dabei sehr erfolgreich“, sagt Ralf Plincner. Unterschiedliche Religionen spielen keine Rolle, „schwieriger war es, die Jungs zu bewegen, uns die erhaltene Post rechtzeitig zur Verfügung zu stellen, um reagieren zu können. In ihrer Heimat waren sie nicht gewohnt, dass es überhaupt Briefe gab. Hier kommen alle zwei Woche welche an“. Aber wie man die Plincners kennt, werden sie auch dieses Problem in den Griff bekommen.

    Kontaktadresse:
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