• Unparteiischer erkennt: „Die Wahrheit liegt nicht mehr auf dem Platz, sie liegt auf dem Fernseher“
• Mainz-Trainer Schwarz kritisiert Handspiel-Entscheidungen: „Absicht muss ein wichtiges Kriterium sein“
• Schwarz springt Heidel zur Seite: „Ich kann nur sagen, dass Christian Heidel bei Mainz 05 herausragende Arbeit geleistet hat“
• Sky Experte Matthäus geht hart mit Heidel ins Gericht: „Schalke fehlen die Gesichter. Das ist schlechte Personalpolitik“

Unterföhring, 24. Februar 2019
- In „Wontorra – der Fußball-Talk“ sprachen u.a. Sandro Schwarz, Dr. Felix Brych und Lothar Matthäus bei Sky Sport News HD über aktuelle Themen.

Sandro Schwarz (Trainer 1. FSV Mainz 05) ...
… zum Thema Handspiel:
„Die Schiedsrichter haben momentan einen sehr, sehr schwierigen Job, was das Thema Handspiel betrifft. Absicht muss ein wichtiges Kriterium sein. Aber wenn wir dahin kommen, die Arme eines Spielers hinten an den Rücken zu schnallen, dann sind wir völlig fehl am Platz. Das ist die unnatürlichste Haltung eines Fußballspielers. Es ist wichtig, nicht nur das Standbild zu bewerten, sondern die Dynamik in der Spielsituation. Ich glaube, wir machen das Thema viel komplexer als dann am Ende die Lösung ist.“
… zur Frage, ob Spieler dann nicht einfach den Gegenspieler im Strafraum anschießen müssen, um einen Elfmeter zu provozieren: „Wenn das so kommt, ist das definitiv eine Option, das muss man klar sagen. Die erste Option ist, das Tor zu treffen. Ist der Torschuss geblockt und der Gegenspieler steht einen halben Meter vor mir, dann lupfst du ihn an die Hand, chippst ihn an den Arm – es ist ein Elfmeter.“
… über seine Vertragsverlängerung und seine Rolle im Verein: „Du bist als Trainer unabhängig vom Standort Identifikationsfigur. Der Trainer ist schon ein sehr wichtiger Faktor, den gesamten Verein, Mitarbeiter, Staff, Spieler, sein Trainerteam mitzunehmen. Die Leute waren zurecht kritisch mir gegenüber. Die erste Saison war total schwierig, aber jetzt haben wir 30 Punkte.“
… über Christian Heidel: „Ich kann nur sagen, dass Christian Heidel bei Mainz 05 herausragende Arbeit geleistet hat und mit seinen Vorstandskollegen und Trainern dafür gesorgt hat, dass dieser Verein so eine Entwicklung genommen hat. Natürlich ist Mainz ein anderer Standort als Schalke. Da kommt von den Zuschauern noch ein bisschen mehr Druck auf den Kessel, wenn die Ergebnisse nicht stimmen. Ich kann nur von der Mainz-Zeit sprechen, da hat er alle mitgenommen, für Begeisterung gesorgt und war für jeden greifbar. Wir dürfen aber auch nicht vergessen, vergangenes Jahr sind sie Vizemeister geworden. Über die Art des Fußballs kann man immer diskutieren, aber trotz allem müssen wir die Erfolge, die Schalke 04 dann erreicht hat – sie stehen im Champions-League-Achtelfinale, sind noch im DFB-Pokal – richtig bewerten.“
… über das Titelrennen: „Unabhängig vom Ergebnis der Münchner gestern, wissen die Dortmunder schon, dass sie jetzt wieder dran sind, ein Spiel zu gewinnen. Sie merken, dass die Bayern ergebnistechnisch eine sehr gute Phase haben. Am sinnvollsten ist es, sich unabhängig vom Meisterschaftskampf auf sich selbst zu konzentrieren. Es gibt immer unterschiedliche Phasen in einer Saison. Dann ist es auch normal für Dortmund, mit einer jungen Mannschaft schwierige Momente zu haben. Es ist ganz wichtig, inhaltlich zu bleiben, den Fokus auf die nächste Aufgabe zu richten.“
… über die Kritik von Rafinha an Trainer Niko Kovac: „Manche Sachen darf man auch nicht größer machen als sie eigentlich sind. Es ist wichtig, dann mit dem Spieler ins Gespräch zu gehen. Dass Spieler mal das Gefühl haben, nicht völlig korrekt behandelt zu werden, ist völlig normal. Das kommt im Leistungssport vor. Wir reden gerade bei Bayern häufig von den Spielern, die auf der Bank sitzen und wenig Einsatzzeiten haben. Das ist gang und gäbe, ob es Thomas Müller oder Rafinha ist. Wenn James nicht spielt, reden wir über ihn. Das ist bei den Bayern klar, das musst du handeln.“

Dr. Felix Brych (FIFA-Schiedsrichter) ...
… zur Hand-Regel:
„Handspiel ist für uns wirklich eine schwierige Entscheidung, vor allem weil im Fußball immer mehr Handspiele vorkommen. Jede Berührung ist dann für uns eine Bewertung. Die Spieler bekommen teilweise die Hände nicht mehr weg im Strafraum. Je weiter die Hand vom Körper weg ist, umso eher entscheiden wir auf Hand, weil wir jetzt mit dem Video-Assistenten auch die Bilder nicht mehr wegdrücken können. Der Ball ist an der Hand, das sieht dann jeder. Absicht muss vorliegen, aber Absicht ist ja auch dann gegeben, wenn jemand billigend in Kauf nimmt, mit der Hand zu spielen. Über die Jahre haben wir versucht, Auslegungen zu finden und dann haben wir Sachen gefunden wie die 'unnatürliche Körperhaltung', die 'Vergrößerung der Körperoberfläche', 'Hand über der Schulter'. .“
… zur Frage, wie sich die Handregel durch den VAR verändert hat: „Zum Teil sind die Bilder so klar und erdrückend, sodass wir dann aufgrund dieses Bildes entscheiden müssen. Früher konnte man auf dem Platz viel mit Intuition regeln oder mit dem Spieler den Kontakt halten, dann ist einem mal ein Handspiel durchgerutscht und konnte sagen, ich konnte es nicht sehen oder der Spieler hat gesagt, ich wollte meinen Arm wegziehen. Jetzt gibt es eben diese zweite Ebene. Sobald der Ball an der Hand ist, sind wir unter Entscheidungsdruck. Die Tendenz durch den VAR geht ganz klar dahin, dass das Handspiel eher bestraft wird. Es ist schon nicht ganz verkehrt, die Hände hinter den Rücken zu nehmen, denn es ist ein Selbstschutz des Spielers. Die Wahrheit liegt nicht mehr auf dem Platz, sie liegt auf dem Fernseher.“
… zum Thema „Gegenspieler im Strafraum anschießen“: „Das wird nicht passieren, dass Hand gleich Hand ist. Wir werden nicht alle Regelfälle erwischen und es wird immer Handspiele geben über die wir diskutieren.“

Sky Experte Lothar Matthäus ...
… über Christian Heidels Rücktrittsankündigung:
„Christian Heidel hat den größten Teil dieser Mannschaft zusammengestellt. Er hat viel investiert und wenig Ertrag. Die Spieler, die er gekauft hat, haben auch noch an Marktwert verloren. Die ganzen Sympathieträger hat man gehen lassen, ich denke an Naldo, den Torwartwechsel von Ralf Fährmann und vor allem Benedikt Höwedes. Das ist eine schlechte Personalpolitik. Diese leblose Mannschaft auf dem Platz, das hat man Heidel angekreidet, er hat die Stimmung gemerkt und die Reißleine gezogen. Vielleicht entwickelt sich jetzt durch die Entscheidung von Christian Heidel eine Eigendynamik in der Mannschaft.“
… über Schalke 04 und einen möglichen Nachfolger für Christian Heidel: „Schalke fehlen die Gesichter. Sie hatten Huub Stevens als Trainer, Rudi Assauer als Manager, auf dem Platz Marc Wilmots, Mike Büskens, Olaf Thon. Das steht für Schalke. Klaus Allofs ist ein wirklich guter Mann, aber ist seit drei Jahren weg, Jonas Boldt hat noch gar keine Erfahrung, wäre auch wieder einer von außen. Ich fordere Schalke auf, bringt wieder das, was euch stark gemacht hat. Horst Heldt hat auf Schalke hervorragende Arbeit gemacht, hat ein gutes Verhältnis zum Aufsichtsrat und den Fans. Er ist der Mann, der auf Schalke das Ruder rumreißen kann.“
… über die Kritik von Rafinha an Trainer Niko Kovac: „Rafinha ist ein toller Profi, aber gegen Liverpool braucht man Geschwindigkeit in der Defensive. Er gibt im Training immer alles, sorgt für gute Laune – ein super Junge. Aber er ist nicht der Schnellste. Süle hat häufiger schon auf der rechten Seite gespielt und er hat Geschwindigkeit. Vielleicht ist Niko Kovacs Idee innen mit Mats Hummels und Jerome Boateng zu spielen. Ich verstehe Rafinha, aber er hat den falschen Weg gewählt. Für uns ein gefundenes Fressen, aber für Bayern bringt es wieder Unruhe. Das muss in der jetzigen Phase nicht sein.“
… über Javi Martinez starke Leistungen gegen Liverpool und Berlin: „Jetzt ist es einfach, das zu sagen. Ich forderte immer Martinez. Er ist der einzig ausgebildete Sechser im defensiven Mittelfeld. Vielleicht brauchen die Bayern diesen defensiven Spieler nicht, wenn es gegen mittelmäßige Mannschaften in Deutschland geht, weil sie da dominant sind. Aber man sieht, wenn Martinez da ist, ist es auch für die Innenverteidiger einfacher, weil jemand da ist, der die Geschwindigkeit des Gegners rausnimmt. Da waren sie häufig unterlegen, deswegen ist Martinez so wichtig. Auch als Persönlichkeit. Martinez wäre bei mir immer gesetzt, mit ihm haben sie jetzt Stabilität.“
… über die Reservistenrolle von Thomas Müller: „Natürlich passt Thomas das nicht, aber die Situation hat er sich mit seiner Aktion in Amsterdam selbst eingebrockt. Das muss er jetzt akzeptieren. Aber was ist nach Liverpool? Das ist dann die Frage. Jetzt kann ihm der Trainer erklären, dass er die Spieler, die gegen Liverpool spielen, im Rhythmus braucht. So lange muss Thomas still halten. Wenn es danach weitergeht, ist beim FC Bayern das nächste Fass geöffnet.“


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