Hennef/Spiez, 10. April - Am heutigen Mittwochabend werden dort, wo vor 65 Jahren die „Helden von Bern“ den WM-Sommer verbrachten, die Sepp-Herberger-Urkunden verliehen. Im Hotel Belvédère im schweizerischen Spiez erhalten 13 Preisträger in den Kategorien Behindertenfußball, Resozialisierung, Schule und Verein, Fußball Digital sowie Sozialwerk die mit Geld- und Sachpreisen in einer Gesamthöhe von 58.000 Euro dotierten Auszeichnungen. Der 1. FC Donzdorf 1920 erhält in diesem Jahr in der Kategorie „Sozialwerk“ den „Horst-Eckel-Preis“. Der Journalist Rainer Kalb über die bemerkenswerte Hilfe des Vereins aus Baden-Württemberg.

Der Fußball kann schon Wundersames bewirken. Ein Beispiel gefällig? Der 1. FC Donzdorf hat ein solches Wunder vollbracht, ein Zauber, der auf Mitmenschlichkeit, Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe beruht. Eine tolle Geschichte, die so vielleicht nur der Fußball schreiben kann.

Es begann alles mit einem dramatischen Aufruf bei Facebook, die Überschrift lautete: „Marilena braucht unsere Hilfe!!“ Weiter hieß es: „Marilena ist eine lebenslustige und fröhliche 7-Jährige. Sie ist eine unserer jüngsten Spielerinnen, die seit circa einem halben Jahr in unserer Zwergengruppe trainiert. Trotz ihrer angeborenen Fehlbildung eines Fußes und den daraus resultierenden zahlreichen Operationen ist Fußball für sie das Größte. Doch leider wurde jetzt eine Diagnose gestellt, die eine Amputation nötig machen würde. Als Alternative wäre eine Operation möglich, die aber nicht komplett von der Krankenkasse übernommen wird. Deshalb hat ihre Familie gebeten, diesen Spendenaufruf zu veröffentlichen.“

Welle der Solidarität

Das war der Beginn der Aktion der Mädchenabteilung des 1. FC Donzdorf. Abteilungsleiterin Diana Ziegler weiß noch genau, wie groß der Widerhall auf den Aufruf war. „Er wurde über 100-mal geteilt und erreichte über 10.000 Personen. In nur wenigen Wochen war das notwendige Geld zusammengekommen“, berichtet sie stolz. Immerhin beliefen sich die Operationskosten auf 10.000 Euro. „Alle Abteilungsmitglieder haben gespendet, ebenso externe Organisationen und sogar konkurrierende Nachbarvereine haben eigene Spendenaktionen gestartet“, erzählt Diana Ziegler. Sie war auch überrascht, welche Welle der Solidarität der Aufruf des 1. FC ausgelöst hat: „Und von welchen Seiten wir dann Unterstützung erfahren haben, das war wirklich umwerfend.“ Auch so können soziale Netzwerke wirken.

Eine konzertierte Aktion, die eine große Bereitschaft zur Hilfe auslöste und schließlich dazu führte, dass Marilena erfolgreich operiert werden konnte. Der Fuß konnte durch den Eingriff gerettet werden. „Sie kann schon wieder normal gehen und kann es kaum erwarten, wieder mit dem Fußball-Training zu beginnen. Im April ist es dann so weit, bislang hat sie sich noch zurückhalten müssen. Laut ihrer Mutter geht es Marilena richtig gut“, äußert die 1. FC-Abteilungsleiterin. Ein Beispiel dafür, welche soziale Macht der Fußball auch außerhalb des grünen Rasens hat und welche Not gelindert werden kann, wenn engagierte Leute einfach den Mut haben, um Hilfe und Unterstützung zu bitten.

Traum ging in Erfüllung

Für Marilena war und ist der Fußball immer das Tollste und Schönste überhaupt. Als Frühgeburt war sie mit einer Behinderung zur Welt gekommen. Bei ihrer Geburt in der 26. Schwangerschaftswoche wog sie nur 1.150 Gramm. Trotzdem spielt sie leidenschaftlich gerne Fußball. Das Mädchen leidet an einer seltenen Art des Schnüfurchen-Syndroms. Die Sehnennerven waren komplett abgetrennt, wodurch sich der Fuß nicht normal entwickeln konnte. Schon nach einer Woche musste sie die erste Operation über sich ergehen lassen, es folgten in den anschließenden Jahren immer weitere. Trotz eines Beckenschiefstandes konnte sie dennoch ihren großen Traum vom Fußballspielen erfüllen. Ehe jetzt eine neuerliche Entzündung und bösartiges Gewebe einen so dramatischen Verlauf nahm, dass sogar eine Fußamputation drohte.

Bald wieder am Ball

Der Mutter fehlten die finanziellen Mittel; aufgrund der zahlreichen stationären Aufenthalte und Therapie-Maßnahmen konnte sie nur noch in Teilzeit arbeiten. „Jede Spende hilft Marilena, ein weiterhin glückliches Leben zu führen“, hieß es in dem Aufruf mit der extra eingerichteten Kontoverbindung. Die Zeit drängte, denn noch im Jahr 2018 benötigte die Klinik grünes Licht für die Operation.

Aufgrund der Spendenfreudigkeit konnte die Summe aber recht schnell aufgetrieben werden. Diana Ziegler strahlt darüber, dass Marilena bald wieder dem Ball hinterherjagen kann. Der Auszeichnung mit dem Horst-Eckel-Preis kann sie leider nicht beiwohnen, „weil ich nicht frei bekomme, aber mein Mann und mein Sohn, der die E-Mädchen trainiert, werden dort sein“, freut sie sich selbstlos.


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