• Rummenigge kritisiert Löw nach Ausbootung der Bayern-Stars: „Kam mir vor, wie eine James-Bond-Aktion, aus dem Nichts heraus.“
  • BVB-Geschäftsführer Watzke hakt Meisterschaft nicht ab: „Dienstag werden die Bayern merken, dass sie für das Spiel auch nur drei Punkte bekommen haben“
  • Watzke nach 0:5-Klatsche: „Unser Auftreten war indiskutabel“

    Unterföhring, 7. April 2018 -
    In „Wontorra – der Fußball-Talk“ sprachen u.a. Karl-Heinz Rummenigge, Hans-Joachim Watzke und Dietmar Hamann bei Sky Sport News HD über aktuelle Themen.


    Karl-Heinz Rummenigge (Vorstandsvorsitzender FC Bayern München) …
    … über den Umgang des DFB mit den Bayern-Spielern:
    „Was mir nicht gefallen hat: Das letzte Länderspiel war im November, das erste war vor ein paar Wochen. Das war eine relativ große Zeitspanne. Diese Zeitspanne hätte man etwas intelligenter und sympathischer nutzen können, um das Thema vorzubereiten. Oliver Bierhoff stand auf einmal unangekündigt im Büro. Es war Faschingsdienstag, wir wollten uns alle verkleiden gerade, dann standen er und Joachim da. Es kam mir vor, wie eine James-Bond-Aktion, aus dem Nichts heraus. Das fanden wir alle nicht so toll. Das war für die drei, insbesondere habe ich den Eindruck gehabt, für Thomas und Mats ein Schock. Jerome war, glaube ich, innerlich ein wenig darauf vorbereitet.
    … über Trainer Niko Kovac: „Es gibt bei Bayern München für niemanden eine Jobgarantie. Jeder muss bei Bayer München liefern. Das ist das Prinzip bei Bayern München und mit diesem Druck muss man umgehen. Wer das nicht kann, ist dann im falschen Klub.“
    … über den Rückhalt für Kovac bei Bayern: „Im November gab es in der Öffentlichkeit die Diskussion, ob er der richtige Trainer ist und ob man da nicht intervenieren müsste. Wir haben uns entschieden, diesen Weg mit ihm weiterzugehen und haben ihm dabei den Rücken gestärkt. Vom Klub wird er sehr gerecht behandelt. Man darf nicht vergessen, dass wir zehn Wahnsinnsjahre erlebt haben. Das sind natürlich unglaublich große Fußspuren, die da hinterlassen wurden. Das ist nicht einfach, für so einen jungen und unerfahrenen Trainer, der er nun einmal ist. Wir haben hohe Ziele vor Augen. Wir sind in beiden nationalen Wettbewerben noch aussichtsreich unterwegs und unser Ziel ist es, dieses Jahr, das Double zu gewinnen. Von Bayern München hat ihn keiner in Frage gestellt.“
    … über das Topspiel: „Für uns war die Situation vor dem Spiel klar. Es war alternativlos, dass wir gewinnen mussten, um zum siebten mal hintereinander Meister werden zu können. Das Spiel ist auch glücklich gelaufen. Es gab keine Alternative. Wenn wir verloren hätten, wäre es eine Vorentscheidung im Titelkampf gewesen. Wir haben es in der eigenen Hand. Unser Ziel war gestern Tabellenführer zu werden, das hat die Mannschaft geschafft. Wir und Dortmund wissen, dass wir nicht mehr stolpern dürfen. Unser Ziel ist es das siebte Mal in Folge Deutscher Meister zu werden. Wenn die Mannschaft offensiv spielt, dann ist die individuelle Qualität so groß, dass es schwer ist, gegen diese Mannschaft zu gewinnen oder überhaupt einen Punkt zu holen.“
    … zum Kampf um die Meisterschaft: „Für den deutschen Fußball ist das toll. Von 2012 bis letztes Jahr hatten wir eine totale Dominanz. Wir hatten im Oktober und November eine ganz schöne Krise, da hat es auch ganz schön gescheppert intern. Da haben wir dann wieder die Kurve bekommen. Mit diesem Break an Weihnachten, ist der Glaube zurückgekommen.“
    … zum Champions-League-Aus: „Ich bin enttäuscht. Ich war nach dem Liverpoolspiel frustriert. Wir hatten uns mit unglaublichen Aufwand das gute Ergebnis in Lieverpool erarbeitet. Dann spielen wir vor 70.000 zuhause nicht mit ausreichend Mut und Herz. Wir hätten genau wie gestern mit offenem Visier spielen müssen. Das ist der Stil von Bayern München. Immer offensiv ausgerichtet.
    … zur Bayern-Krise: "Das was passiert ist im Oktober und November war selbstkreiert. Wir haben uns selbst das Bein gespielt. Der Trainer hat teilweise in einem unglaublich großen Stil rotiert, was scheinbar für Unruhe in der Mannschaft gesorgt hat. Ich muss sagen, dass ich ein erbitterter Gegner von Rotation bin. Du hast eine Hierarchie in der Mannschaft. Da sind dann einige Dinge in die falsche Richtung gelaufen. Das ist dann korrigiert worden. Du kannst mit zwei drei Leuten rotieren, das sorgt für keine Unruhe. Wenn du aber auf fünf, sechs Positionen neu besetzt, ist das Gebilde nicht mehr so tragfähig. Es wurde leistungsunabhängig rotiert und Profifußball ist für mich leistungsorientiert. Am Tiefpunkt waren wir Tabellenfünfter, wir waren aus den Champions-League-Plätzen raus. Wenn wir uns etwas nicht erlauben dürfen, ist es, nicht für die CL qualifiziert zu sein. Dann haben wir die Gespräche geführt, die ihren Beitrag dazu geleistet haben, wieder in die Spur zu kommen.
    … zu eigenen Fehlern während der Krise: „Wir würden die Pressekonferenz heute nicht mehr machen. Wir wollten unsere Spieler und den Trainer schützen. Dass es aus dem Ruder gelaufen ist, ist Fakt.“
    … über die Mannschaft: „Der Mix macht es. Der Mix zwischen der Erfahrenen und jungen Spielern muss stimmen. Du brauchst erfahrene Häuptlinge, die das Schiff dann führen. Wir hatten eine Mannschaft die durchschnittlich 27 Jahre alt war gegen den BVB auf dem Platz. Die CL hat keine Mannschaft gewonnen, die nicht mindestens 27 oder 28 Jahre im Altersdurchschnitt waren."
    … zum Umbruch: „Wir haben heute schon eine gute Mannschaft. Wir haben zwei Transfers gemacht, mit Benjamin Pavard und Lucas Hernández, das sind zwei absolute Topspieler. Darüber hinaus werden wir vielleicht noch etwas machen. Wir werden auch den ein oder anderen Abgang haben.“
    … über den Abschied von Ribery und Robben: „Dieses Duo Robben-Rivery ist in den letzten zehn Jahren das Beste, was in Fußball-Europa auf den Außenbahnen stattgefunden hat. Wir werden im nächsten Jahr mit beiden ein Abschiedsspiel machen, weil sie das verdient haben. Wir möchten das ganz zielbewusst anders machen, als der DFB das mit unseren drei Nationalspielern vor Kurzem gemacht hat. Wer bei Bayern gespielt hat, gehört zur Bayern-Familie und wird bis zum letzten Tag top behandelt.“
    … über Grindels Positionen bei FIFA und UEFA: „Er ist gewählt worden, von der UEFA. Er ist benannt worden, als Kandidat vom DFB nach Absprache mit der DFL. Aber da werden weder der DFB, noch die DFL einen Einfluss darauf haben, ob Reinhard Grindel in Zukunft weiter in diesen Ämtern ist oder nicht. Das ist eine völlig falsche Einschätzung, die da in der Öffentlichkeit vermittelt wird. Er ist für vier Jahre gewählt worden und wenn er nicht selbst zurücktritt, wird er diese vier Jahre auch in dem Gremium bleiben. Kein Präsident der FIFA oder der UEFA wird dran rütteln können.“
    … über die Schwierigkeiten der DFB-Struktur: „Ich glaube, dass es nicht nur das Problem Reinhard Grindel beim DFB gegeben hat. Das geht noch ein Stück tiefer. Die Landesfürsten beim DFB haben meiner Meinung nach, in den letzten Jahren eine viel zu große Rolle gespielt. Unter Wolfgang Niersbach hatten wir ein super Verhältnis zwischen Amateur- und Profifußball. Und mit dem Duo Grindel- Koch ist da doch richtig Gift reingeflossen. Ich muss klar und deutlich sagen, wenn man eine neue Struktur macht, dann muss man dafür sorgen, dass sie nicht nur transparent, sondern auch demokratisch wird. Erst die Struktur, dann die Person.“
    … über mögliche Funktion nach Ruhestand: „Man muss nicht immer alles nehmen, was einem angeboten wird. Ich gehe dann in den hoffentlich verdienten Ruhestand. Man muss auch bereit sein, irgendwann in den Ruhestand zu gehen. Ich möchte nicht auf dem Friedhof der Kuscheltiere derer begraben werden, die glauben, sie seien nicht zu ersetzen.“
    … über Oliver Kahn als eigenen Nachfolger: „Der genaue Plan ist, dass Olli mein Nachfolger wird. Mein Vertrag läuft bis zum Ende Dezember 2021. Er soll irgendwann, zu einem mir noch unbekannten Zeitpunkt, von mir eingearbeitet werden soll. Ich habe nullkommanull Probleme damit und bin davon überzeugt, dass er das kann. Ich bin überzeugt, dass er ein guter Nachfolger wird.“
    … zur Transferpolitik: „Der Transfermarkt hat wahnsinnig viel mit Geld zu tun. Wir zahlen ja nicht 80 Millionen freiwillig für einen Topspieler wie Hernandez, der ohne Frage top ist. Auf der anderen Seite mit Pavard, aber wir haben insgesamt 115 Euro investiert, das ist auch für Bayern München ein Quantensprung. Wir werden gezwungen in das wirtschaftliche Risoko einzugehen. Wir wollen aber weiterhin auch deutsche finanzielle Seriosität darstellen. Wir wollen nicht den Wahnsinn machen, dass einige Klubs, wie Inter Mailand oder AC Milan am finanziellen Fliegenfänger hängen.
    … über Umgang mit finanzieller Konkurrenz in Europa: „Wir müssen eine andere Philosophie haben. Es gilt gewisse Spieler in einer gewissen Kontinuität zu holen und dann zu halten und dann nach oben zu bringen und dazu den einen oder anderen internationalen Topstar auch zu kaufen. Nur Bayern und Dortmund sind in der Lage, in den Top Ten in Europa mitzuspielen.
    … über die Verletzung von Neuzugang Hernandez: „Bei der Ankaufsuntersuchung ist festgestellt worden, dass er einen Innenbandschaden am Knie hat und dass er operiert werden muss. Unter diesen Voraussetzungen können wir den Deal nur machen, wenn er unter unserer Obhut operiert wird und die Rehabilitation in München macht. Er ist auf einem guten Weg. Zur neuen Saison wird er auf dem Platz stehen.“
    … zur Zukunft von Hummels und Boateng: „Es wird Fluktuation in die ein und in die andere Richtung geben. Wir haben mit beiden noch nicht gesprochen. Ich kann nicht sagen, wie die Gedankengänge der beiden sind. Beide haben Verträge bis 2021. Bei Bayern München ist noch niemand auf die Straße gesetzt worden.
    ...zu Werner-Grüchten: "Ich äußere mich nicht zu Spielern, die noch bei anderem Verein unter Vertrag sind und auch noch über den 30.6.2019 hinaus. Das ist einfach auch eine Sache des Respekts und ich möchte bei diesen Klubs auch keine Unruhe schaffen.“
    … zu weiteren Transfers: „Wir brauchen noch einen Außenspieler. Wir haben mit Coman und Gnabry zwei tolle junge Außenspieler. Wir brauchen aus qualitativen und quantitativen Gründen hier noch einen guten Spieler.“
    … zur Super-League: „Was jetzt diskutiert ist, ist eine Reform innerhalb der europäischen aktuellen Wettbewerbe. Wenn eine Reform kommt, kommt sie unter dem Dach der UEFA. Die UEFA wird sensibel damit umgehen müssen. Wenn man an dieser Statik etwas ändern will, muss man das mit unglaublicher Sensibilität vorantreiben. Ich weiß nicht, ob man etwas an der Statik verändern sollte, denn mit der Statik leben der Fan und die Klubs aktuell sehr gut. Die Initiative kommt nicht aus Deutschland, sie kommt aus dem Süden Europas. Wir sind nicht pro. Es wird aber die ein oder andere Kröte geben, die man schlucken muss, um das ganze zusammenzuhalten. Das wichtige ist, dass der deutsche Fußball zusammensteht. Die Frage am Ende des Tages ist, ob das deutsche Mitspracherecht so groß ist, dass sie das verhindern kann, was wir nicht wollen: Nämlich einen Schaden an den Bundesliga.“

    Hans-Joachim Watzke (Geschäftsführer Borussia Dortmund) ...
    … über die Meisterschaftschancen:
    „Spätestens am Dienstag werden die Bayern merken, dass sie für das Spiel auch nur drei Punkte bekommen haben und wir nur einen Punkt dahinter liegen. Es ist völlig klar, dass die Waage sich wieder zu Seiten der Bayern geneigt hat. Wir sind davon abhängig, dass Bayern einen Fehler macht. Das Restprogramm ist bei beiden nicht ganz ohne. Das ist ein Reifeprozess, mit so einer Klatsche richtig umzugehen. Wichtig ist, dass wir eine gute Reaktion herausziehen. Einer von beiden wird nicht alle sechs Spiele gewinnen.“
    … zum Topspiel: „Die Junge Mannschaft hat sich irgendwie nicht auf das Spiel einstellen können. Vielleicht war der Druck zu groß, vielleicht hätten wir es noch mehr als Endspiel heraus kristallisieren müssen. Die erste Halbzeit der Bayern war so mit das Beste, was ich in den letzten Jahren gesehen habe. Gegen so ein Team ist es dann immer schwer. Unser Auftreten war indiskutabel.“
    … zu Favre: "Er ist ein außergewöhnlich guter Trainer. Er verkörpert, was unser Anspruch ist, dass er eine Handschrift hat. Die Saison ist gut gelaufen, deswegen kann man sagen, dass es die richtige Entscheidung war. Die Zusammenarbeit ist sehr unkompliziert
    … Einfluss Spieler heute: „Die Macht der Spieler ist größer geworden, das ist schon seit Jahren so. Du musst aufpassen, dass du dich nicht instrumentalisieren lässt. Du musst einen Trainer stark machen, weil die Trainer haben es schwerer als früher.“
    … über Sebastian Kehls Funktion als Lizenzspielleiter: „Wir haben gemerkt in den letzten zwei Jahren, dass es mehr geworden ist. Daraus entstand die Idee, dass wir es neu strukturieren. Es war eine gute Entscheidung.“
    … zum finanziellen Unterschied zu England: „Der deutsche Fußball hat Schwierigkeiten, speziell gegenüber England. Dort sind viele Fernsehgelder eingeflossen, wenn wir das in Deutschland ändern wollen, müssen wir Abos verkaufen. Wenn wir das in Deutschland nicht wollen, müssen wir uns nicht beschweren. Die Bayern haben mehr Möglichkeiten als wir, aber wir haben auch gute. Die Bayern müssen als Erstes Deutschland international vertreten sein und dann wir. In England ist der knallharte Kapitalismus angesagt, in Deutschland ist es gefühliger.“
    … zu Transfers: „Wir haben den größeren Teil schon im letzten Sommer gemacht. Jetzt geht es darum, das zu justieren und die Qualität anzuheben.“
    … zu den Gerüchten um Filipe Luis: „Wir haben nie gesagt, wir wollen die jüngste Mannschaft haben. Das ist längst nicht so heiß, wie es in den Medien steht. Wenn du hörst, dass ein Filipe Luis ablösefrei auf den Markt kommt, dann denkst du zumindest mal darüber nach. Das Schwierigste ist es, die linke Verteidigerposition ist schwer zu besetzen. Aber das ist völlig offen noch.
    … über eine mögliche Super League: „Wir werden nichts machen, was die Bundesliga schwächt. Wir wissen, wo wir herkommen. Du musst natürlich auch bereit sein, Kompromisse zu machen, aber die Wertschätzung der „Bundesliga ist total da. Wir müssen für unseren deutschen Weg werben. Wir müssen aber auch erkennen, dass absoluten Topklubs in Spanien und Italien ein anderes Verhältnis zu ihrer Liga haben. Sie sind ökonomischer orientiert. Wir müssen trotzdem mit denen am Tisch sitzen. Am Ende ist es eine Mehrheitsentscheidung. Wir müssen für unsere Position kämpfen.“
    … über Grindels Positionen bei FIFA und UEFA: „Das ist die Entscheidung von Reinhard Grindel. Man muss mit Reinhard Grindel den Dialog suchen, sonst wird es nicht funktionieren.“
    … über die DFB-Strukturen: “Man muss dem Amateurfußball die Möglichkeit geben, richtig repräsentiert zu sein. Der richtige Ansatz ist der, dass der DFB-Präsident als Aufsichtsradvorsitzender fungiert und dann möglicherweise auch einen Hauptamtlichen mit kontrollieren kann. Meiner Meinung nach, muss man hinterfragen, wie die Verwaltung des DFB hinter Grindel aufgestellt ist. Wenn man eine hauptamtliche Geschäftsführung einstellt, bin ich sofort dabei. Wir brauchen Leute die die Klammer zwischen Amateur- und Profifußball setzen. Denn der Fußball in Deutschland ist mehr, als nur der Profisport.“

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