Hennef/Leipzig, 21. Oktober - Es war ein ganz besonderer Abend für die jugendlichen Strafgefangenen im Seehaus in Leipzig. Im Rahmen der Initiative „Anstoß für ein neues Leben“ der DFB-Stiftung Sepp Herberger besuchte Willi Orban, Kapitän des Bundesliga-Teams von RB Leipzig, die Einrichtung des offenen Strafvollzugs. In einer Talkrunde, die von Motivations- und Mentaltrainer David Kadel moderiert wurde, sprach der 26-Jährige über Höhen und Tiefen in seiner Karriere und berichtete über seine Quellen für innere Stärke und den Umgang mit Rückschlägen.

Orban berichtete zunächst über die Anfänge seiner Karriere. In Kaiserslautern aufgewachsen, spielte er im Jugend- und Seniorenbereich insgesamt 14 Jahre für den 1. FC Kaiserslautern. Sein Weg zum Profußballer war steinig und immer wieder mit Herausforderungen verbunden. „Ich bin ein Mensch, der viel Energie in sich trägt. Wenn ich nicht gespielt habe, bin ich teilweise drei Stunden mit dem Fahrrad durch den Wald gefahren, um mich abzureagieren“, sagt Orban. „Am nächsten Tag habe ich dann wie ein Verrückter trainiert. Ich wollte meinem Trainer zeigen, dass es ein Fehler war, mich nicht aufzustellen.“ An sein erstes Bundesligaspiel im Dress der Roten Teufel erinnert sich Orban noch bestens: „Wir haben 3:0 gegen den FC Bayern München verloren. Ich bin kurz vor Ende der Partie ins Spiel gekommen, hatte fast keinen Ballkontakt, aber ich war anschließend trotzdem der glücklichste Mensch auf Erden.“
Orban: „Spüre große Demut und Dankbarkeit“

Der Defensivstratege arbeitete weiter hart an sich, erkämpfte sich schließlich einen Stammplatz. In dieser Zeit hat er aber auch seinen bisher größten Rückschlag auf seinem sportlichen Weg hinnehmen müssen. Eine schwere Knieverletzung zwang ihn fast dazu, seine Karriere zu beenden. „Der Glaube an mich selbst und mein unbändiger Wille waren die Schlüssel auf dem Weg zurück in den Profifußball.“ Mittlerweile sind für den ungarischen Nationalspieler viele weitere Bundesligaspiele hinzugekommen. Orban gehört aktuell zu den besten Verteidigern in der Fußball-Bundesliga. „Ich bin froh, dass ich gesund bin und spüre eine große Demut und Dankbarkeit“, betont er.

Bundesweit organisiert die DFB-Stiftung Sepp Herberger Besuche prominenter Fußball-Persönlichkeiten in Strafanstalten. „Wir setzen damit das Wirken von Sepp Herberger fort. Er selbst besuchte 1970 erstmals eine Haftanstalt“, erklärt Nico Kempf, stellvertretender Geschäftsführer der ältesten deutschen Fußball-Stiftung. „Gerade aus den Besuchen von prominenten Fußball-Persönlichkeiten können die jugendlichen Strafgefangenen Kraft für den Neuanfang nach der Inhaftierung schöpfen“, so Kempf.

Vielfältige Unterstützung auf dem Weg zurück ins Leben

Der Verein „Seehaus e.V.“, der mit seinen Standorten in Leipzig und im baden-württembergischen Leonberg Strafvollzug in freier Form betreibt, nimmt seit diesem Jahr an der Initiative „Anstoß für ein neues Leben“ teil. Die strafgefangenen jungen Männer leben in Wohngemeinschaften mit Hauseltern. Durch das Familienleben, Arbeiten und soziales Training werden die jungen Männer zur Verantwortungsübernahme und konstruktiver Teilnahme an der Gesellschaft ermutigt.

Zum Abschluss des Abends übergab Orban die Kapitänsbinde, die er beim Champions-League-Spiel gegen Olympique Lyon getragen hat, an die Seehaus-Jugendlichen und unterstrich: „Es ist bequemer, die Schuld bei anderen zu suchen, aber ihr seid selbst für euer Leben verantwortlich. Manche Situationen lassen sich nicht von heute auf morgen verändern, aber die Einstellung auf dein Leben schon.“ Eine wichtige Botschaft. Der Anstoß ist gemacht. Jetzt ist es an den Jugendlichen, die Chancen und Möglichkeiten zu nutzen.


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