Hennef / Rockenberer, 29. Oktober - Sandro Schwarz hat am Montag Jugendstrafgefangene in der Justizvollzugsanstalt Rockenberg getroffen und in einem offenen Dialog über ihre Perspektiven nach der Haftentlassung gesprochen. „Lasst uns das ohne Berührungsängste machen, ich will von euch etwas mitnehmen“, sagte der Cheftrainer des 1. FSV Mainz 05 zu Beginn seines Besuches, den er im Dienst der DFB-Stiftung Sepp Herberger absolvierte.

Zwischen dem 41-jährigen Bundesliga-Trainer und den 16 jungen Häftlingen, die Gefängnisstrafen zwischen sechs Monaten und fünf Jahren verbüßen müssen, entwickelte sich ein sehr intensives Gespräch über Ziele und Werte im Leben. Moderiert wurde der Austausch von David Kadel, der als Mental- und Persönlichkeitstrainer im Profifußball tätig ist. Schwarz und Kadel besuchten die JVA im Rahmen der Initiative „Anstoß für ein neues Leben“ der 1977 errichteten DFB-Stiftung. Das Programm wurde im September durch die UEFA als bestes europäisches Breitenfußballprojekt im Jahr 2019 ausgezeichnet. „Es war sehr emotional, das hat mich berührt“, betonte Schwarz, als er das Gefängnis im hessischen Rockenberg unweit von Fulda nach zweieinhalb Stunden wieder verließ.

Schwarz: „Die Vergangenheit darf niemals die Zukunft zerstören“

Mainz 05 hatte am vergangenen Freitag das Heimspiel gegen den 1. FC Köln gewonnen und steht aktuell auf dem 13. Tabellenplatz. „Wir haben gegen Köln mit Überzeugung gespielt. Mir hat gefallen, wie wir mit der schwierigen Situation umgegangen sind“, meinte Schwarz, der im Gefängnis auch über seine Gelb-Rote Karte beim Spiel gegen den VfL Wolfsburg sprach. Als erster Bundesliga-Coach hatte er einen Platzverweis kassiert. Zuerst habe er sich ungerecht bestraft gefühlt, berichtete Schwarz. „Aber diese Art zu Denken bringt einen nicht weiter. Die Vergangenheit darf niemals die Zukunft zerstören“, sagte Schwarz, der den jugendlichen Gefangenen Selbstkritik und Selbstlob ans Herz legte. „Wenn ihr etwas gut gemacht habt, sagt euch das auch mal. Nach diesem Gefühl, eine Aufgabe stark abgearbeitet zu haben, eine Herausforderung geschafft zu haben, müsst ihr süchtig werden.“ Schwarz, der auch als früherer Profifußballer knapp 170 Zweitligaspiele absolvierte, appellierte weiter: „Jetzt sitzt ihr hier drinnen. Aber der Tag wird kommen, wo jeder einzelne von euch die Chance hat, das Blatt noch einmal zu wenden. Diese Chance müsst ihr nutzen. Wenn sich etwas zuspitzt, könnt ihr auch mal einfach weggehen. Das ist kein Zeichen von Schwäche.“

Nach einem gemeinsamen Mittagessen endete der Besuch des prominenten Gasts. 110 Gefangene verbüßen aktuell in Rockenberg ihre Freiheitsstrafe, 18 dürfen an der Anstoß-Initiative teilnehmen. Rund 30 Prozent jugendlicher Straftäter werden nach der Entlassung ein weiteres Mal zu einer Haftstrafe verurteilt. „Wenn alles ideal zusammenkommt, also Berufsausbildung und die Anbindung an den Sport, können wir die Rückfallquote auf 20 Prozent senken. Dafür lohnt sich der Einsatz“, sagte einer der verantwortlichen Sportbeamten. Derzeit beteiligen sich 22 Jugendstraf- und Justizvollzugsanstalten aus zehn Bundesländern an dem gemeinsamen Programm der Sepp-Herberger-Stiftung, der Bundesagentur für Arbeit, der beteiligten Justizeinrichtungen und den jeweiligen DFB-Landesverbänden. Über vielfältige Angebote aus den Säulen „Fußball“, „Arbeit/Beruf/Schule“ und „Soziales“ werden die jugendlichen Strafgefangenen während der Inhaftierung auf das Leben nach der Haft vorbereitet. Dabei kann der Fußball helfen, zurück in die Gesellschaft zu finden.


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