Köln, 09. Januar - Am heutigen Donnerstag beginnt die Handball-EM 2020, die in Norwegen, Österreich und Schweden ausgetragen wird. Titelverteidiger ist Spanien. Das Endspiel steigt am 26. Januar in Stockholm. In den 28er-Kadern der 24 teilnehmenden Mannschaften stehen 129 Profis aus der LIQUI MOLY HBL. Die stärkste Handball-Liga der Welt stellt damit für die Titelkämpfe mehr Profis ab als jede andere europäische Liga. Und deshalb begleitet die LIQUI MOLY Handball-Bundesliga die EM mit eigener Berichterstattung.

In einer Porträtserie werden im Laufe der Europameisterschaft die wichtigsten deutschen und internationalen HBL-Spieler vorgestellt, die bei der EM zum Einsatz kommen. Dabei wird der Schwerpunkt dieser Porträts auf dem Leben der Protagonisten neben dem Handball liegen: da wird es zum Beispiel um Lego-Bausteine gehen, um Maiskolben, um Zäune, um Fischbrötchen und Socken! Lassen Sie sich also überraschen, wie faszinierend das Leben einiger der besten Handballer der Welt abseits des Handballs ist!

Zum Auftakt der HBL-EM-Begleitung wird es hingegen fachlich: Martin Schwalb (56) gibt in seiner exklusiven Kolumne seine Einschätzung über die Stärken, Schwächen und Medaillenchancen der deutschen Mannschaft ab. Schwalb gehört zu den renommiertesten Kennern der nationalen und internationalen Handball-Szene: als Spieler gelangen ihm in 428 Bundesligaspielen 2272 Tore, er ist damit viertbester Schütze der Liga-Geschichte. Er absolvierte 193 Länderspiele, holte dabei Olympia-Silber (1984). Als Trainer führte Schwalb den HSV Hamburg 2013 zum Triumph in der Champions League, zur Deutschen Meisterschaft (2011) und zu zwei DHB-Pokalsiegen (2006, 2010).

Als Experte für den Pay-TV-Sender Sky ist Schwalb ständig in der HBL im Einsatz, denn der TV-Sender überträgt alle 306 Bundesligaspiele live bis mindestens 2023.


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Martin Schwalb bewertet das DHB-Team: „Mannschaft ist auf allen Positionen klar überdurchschnittlich besetzt“

Ich freue mich sehr auf die EM, die für die deutsche Mannschaft am Donnerstag mit dem Spiel in Trondheim gegen die Niederlande beginnt. Es gibt genügend Gründe, optimistisch zu sein. Die für den DHB günstige Auslosung ist eine Steilvorlage Richtung Halbfinale. Das DHB-Team bildet für mich zusammen mit Dänemark, Frankreich und Norwegen das Quartett der Teams, die ich am stärksten einschätze.

Ja, Bundestrainer Christian Prokop muss einige Ausfälle im Rückraum verkraften. Natürlich wäre es gut gewesen, Spieler wie zum Beispiel Steffen Weinhold und Fabian Wiede an Bord zu haben. Trotzdem sage ich: die Mannschaft ist auf allen Positionen klar überdurchschnittlich besetzt. Mit einer Ausnahme eventuell: auf Rückraum Mitte. Aber damit ist umzugehen.

Unser Erfolg muss über 60 Prozent durch die Abwehrleistung erarbeitet werden, zu 30 Prozent über den schnellen Gegenstoß, die restlichen zehn Prozent über klassische Rückraumarbeit. Dieses Verhältnis spiegelt für mich die Stärken wider, wie ich sie bei der deutschen Mannschaft einschätze. Im zweiten Vorrundenspiel geht es am Samstag gegen Titelverteidiger Spanien. Das wird der erste Härtetest. Die Niederlande zum Auftakt und Lettland am Montag dürfen und werden keine Stolpersteine sein.

Unser Torwart-Doppel, Andreas Wolff und Jogi Bitter, muss weltweit kein anderes Duo fürchten. Beide Torhüter haben eine Aura, die den gegnerischen Spielern Respekt und bestenfalls Angst und Verunsicherung einflößt. Jogi Bitter, den ich selber lange Jahre in Hamburg trainierte, ist über die Jahre sogar noch besser geworden und liefert in Stuttgart konstant Top-Leistungen ab. Er ist so gut wie nie zuvor und der aktuell beste Keeper der LIQUI MOLY HBL. Für mich war er schon vor Monaten der erste Kandidat für die zweite Torwart-Position neben Wolff, der vor dieser Saison von Kiel nach Kielce gewechselt ist. Vor unserem Tor bilden die Kieler Hendrik Pekeler und Patrick Wiencek einen überragenden Mittelblock.

Erfrischend finde ich Stuttgarts Patrick Zieker. Aber als Linksaußen muss er sich natürlich hinter Kapitän Uwe Gensheimer einordnen, den besten Linksaußen der Welt. Auf rechts ist Tobias Reichmann zurück. Beim sensationellen EM-Triumph 2016 in Polen war er überragend. Kurzum: Auch auf Außen ist der DHB wieder absolut top besetzt.

Im Rückraum wird sehr viel auf Berlins Paul Drux ankommen. Er ist ein klassischer Rückraumlinker. Aber es ist denkbar, dass Christian Prokop ihn auch auf der Mitte einsetzen wird, zumal wir links mit Leipzigs Philipp Weber einen besonders spielstarken Akteur und mit Julius Kühn aus Melsungen einen echten Shooter haben.

Die besten Mittelmänner im Welthandball machen selbst drei bis fünf Tore pro Partie, setzen vornehmlich ihre Nebenleute und Kreisläufer ein. Wer in der Mitte spielt, der muss den Ball am Leben halten. So wie es Hannovers Däne Morten Olsen und Andy Schmid bei den Rhein-Neckar Löwen in der LIQUI MOLY HBL so überragend praktizieren.

Einen Mittelmann auf diesem Niveau haben wir nicht. Da muss Christian Prokop etwas tricksen. Vielleicht ist Drux die Lösung.

Generell wird das deutsche Team dann gut sein, wenn wir konsequent und konzentriert die einstudierten Abläufe und Auslösehandlung abrufen. Nicht gut wäre, wenn Einstudiertes abgebrochen wird, zu viele 1:1-Situationen gesucht werden. Dann wird es holprig.

Das DHB-Team muss sich vor keiner anderen Mannschaft verstecken. Auch andere Nationen sind im Umbruch und haben Ausfälle zu verkraften.

Der DHB ist ein Medaillenkandidat. Nach Platz 4 bei der Heim-WM vor einem Jahr muss das auch so sein.

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Diese Kolumne und alle Porträts werden sukzessive auf der Homepage der LIQUI MOLY HBL (www.liquimoly-hbl.de) veröffentlicht und können von dort auch redaktionell weiterverwendet werden.


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