Köln, 10. Januar - Frankreichs Superstar Nikola Karabatic (35) hat vor dem EM-Start ein wenig gescherzt. Wer eine Abwehr mit einem solch überragenden Mittelblock habe wie Deutschland, der braucht für den Erfolg eigentlich gar keinen Mittelmann. Karabatic ist der prägendste und kompletteste Handballer des vergangenen Jahrzehnts. Wenn der so etwas sagt, dann dürfen sich die DHB-Mittelblocker Hendrik Pekeler (28) und Patrick Wiencek (30) durchaus geschmeichelt fühlen. Bei der EM sollen die beiden Kieler wieder zum Prellbock für die Angreifer der Gegner werden. So auch am Samstag im zweiten Gruppenspiel gegen Titelverteidiger Spanien. Dieses Duell gilt als frühe Schlüsselpartie für das Ziel der deutschen Nationalmannschaft, sich für das Halbfinale zu qualifizieren.

Pekeler teilt sich während der EM mit Wiencek ein Doppelzimmer. „Es wird schwer, dann nicht über Handball zu reden. Aber auch das wird klappen.“

Denn sie reden auch gerne über Zäune und Zargen. Und über Zangen und Balken.
Beim DHB trägt Vizepräsident Bob Hanning (51) wegen seiner umtriebigen Reformarbeit rund um den deutschen Handball den Spitznamen „Bob, der Baumeister“. Aber die wahren Handwerker im Nationalteam sind Pekeler und Wiencek.

„Das Handwerker-Gen habe ich wohl von meinem Vater geerbt“, sagt Pekeler. Es war vor ein paar Jahren gleichwohl nicht abzusehen, dass Pekeler mal in einem solchen Hobby Erfüllung finden würde. „Ich bin älter und reifer geworden“, sagt der 2,02-Meter-Hüne. Und dabei klingt er sogar noch älter und noch reifer, als man es als Zuhörer für altersgerecht empfinden würde. Zumal er kurz danach auch noch einräumt, inzwischen vor und nach jedem Training noch ein wenig regenerative Extra-Schichten einzulegen. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal machen werde. Aber man wird älter, die Wehwehchen kommen.“ Vernünftig, solide, stabil. So gibt er sich. So baut er. Und darauf baut er. Auf und neben der Handball-Platte.

Pekeler ist in Glückstadt in Schleswig-Holstein aufgewachsen. Das ist ein romantischer Ort an der Elbe mit einem historischen Hafen und einer großen maritimen Tradition. Die Verarbeitung zum Glückstädter Matjes ist das Beste, was einem Hering passieren kann. Sagen sie in Glückstadt. Aber Pekeler isst kein Matjes! Das ist in etwa so, als würden Franzosen den Verzehr von Baguettes verweigern.

Doch Pekeler hatte schon immer seinen eigenen Kopf. Bereits als Kind war für ihn klar: ich will als Handballer unbedingt zum THW Kiel und nicht zur SG Flensburg-Handewitt. 2008 wechselte er vom Bramstedter TS tatsächlich nach Kiel. Aber da war der THW noch eine Nummer zu groß für ihn. Und Pekeler wohl auch noch nicht so ernsthaft und reif im Erarbeiten und Aufbauen seiner Ziele. Über Stationen beim Bergischen HC, dem TVB Lemgo und den Rhein-Neckar Löwen kehrte er 2018 zum THW Kiel zurück. Als Deutscher Meister, als Europameister, als Star, als Vater. Kurzum: als das, was er beim THW Kiel schon immer sein wollte: ein Leistungsträger.

Pekeler lebt mit seiner Frau Johanna und den beiden Töchtern Fine und Stine in Altenholz. „Nur zwei Minuten vom Trainingszentrum des THW entfernt. Das ist super praktisch“, sagt er. Dort haben sich die Pekelers ein Haus gekauft. Und das ist weit mehr als nur eine praktische Bleibe. Hier hat Pekeler trotz der räumlichen Nähe den nötigen Abstand zum Job. Als Handwerker. Unlängst hat er zusammen mit einem Freund einen Zaun gezimmert. Wie passend für einen der besten Abwehrspieler im Welthandball.

Im Haus, erbaut vor fast 50 Jahren, wird fleißig gewerkelt. Wände werden entfernt, aus drei kleineren Zimmern wird ein großes. Frei sichtbare Stahlträger sind als Blickfang eingezogen worden. „Skandinavischer Stil“, sagt Pekeler.

Er ist sehr norddeutsch, redet nicht viel. Aber was er sagt, das hat Gewicht. In der Nationalmannschaft, beim THW. Und wer ihm gut zuhört, der hört den stillen Stolz auf das, was er erreicht hat. Dabei galt er nach seinem ersten THW-Versuch schon als dort gescheitert. Aber das ist halt zehn Jahre her.

Wenn Pekeler nicht spielt, trainiert, handwerkelt oder regeneriert, dann entspannt er sich oft zusammen mit seiner Frau beim gemeinsamen Schauen von Serien. „Normales Fernsehen gucke ich fast gar nicht mehr, aber Serien sehr gerne. Nur länger müssen sie sein. Ein bis zwei Staffeln reichen mir eigentlich nicht.“

Zuletzt gefiel ihm „Designated Survivor“. In dem US-amerikanischen Polit-Drama geht es in 53 Folgen darum, wie ein nachrangiges Kabinettsmitglied plötzlich US-Präsident wird. Es geht also darum, wie ein Mann an seinen Aufgaben wächst. Weil er es muss. Und weil er es will.
Schon verständlich, dass Hendrik Pekeler das gefällt.

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Hendrik Pekeler im Steckbrief

Alter: 28
Aktueller Verein: THW Kiel
Position: Kreisläufer, Mittelblock
Länderspiele: 103
Größe: 2,03 Meter
Wurfhand: rechts

Bisherige Vereine:
THW Kiel (2008-2010)
Bergischer HC (2010-2012)
TBV Lemgo (2012-2015)
Rhein-Neckar Löwen (2015-2018)
THW Kiel (seit 2018)

Erfolge:
Europameister 2016
Olympia-Bronze 2016
Deutscher Meister 2016, 2017
DHB-Pokalsieger 2018, 2019

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