• DFB-Präsident Keller ruft zum Kampf gegen Rassismus auf: „Müssen im Sport vorangehen“
• Bremens Trainer Kohfeldt glaubt weiter an Wende: „Ausruhen kann ich mich im Mai“
• Berlins Coach Nouri nach Debakel sauer: „Das ist unerklärlich“
• Sky Experte Dietmar Hamann: Plakate gegen Hopp sind „eine Schande“

Unterföhring, 22. Februar 2020 -
Die wichtigsten Stimmen zu den Samstagnachmittagspartien des 23. Spieltages der Fußball-Bundesliga bei Sky.

Fritz Keller (DFB-Präsident): „Die Vorgänge in Hanau sind wieder ein Zeichen dafür, dass in unserer Gesellschaft etwas nicht stimmt. Wenn Antisemitismus Platz hat, wenn Rassismus Platz hat, dann ist irgendetwas mit der Gesellschaft nicht in Ordnung und das sieht man leider auch an manchen Wahlergebnissen, dass Parteien und Menschen Stimmen kriegen, wenn sie andere Menschen ausgrenzen oder Hass säen wollen, das hat in unserer Gesellschaft nichts zu suchen. Ich kann nur sagen, nehmt euch das Beispiel in Münster, wo Münster gegen Würzburg gespielt hat, und die Zuschauer aufgestanden sind und denjenigen auch angezeigt haben, der diese rassistischen Laute von sich gegeben haben. Ich kann nur sagen, wir werden keinen Jota Platz geben, für alle Menschen, die sich in der Gesellschaft und vor allen Dingen auf und neben dem Platz für Hass und Ausgrenzung anderer Menschen geben. Das geht nicht. Wir müssen hier mit gutem Beispiel im Sport vorangehen und das können wir.“

Davy Klassen (SV Werder Bremen): „Diese beiden Spiele gegen Leipzig und Dortmund, das sind Spitzenmannschaften, da musst du etwas Außergewöhnliches zeigen, um zu gewinnen. Das hat nicht geklappt, aber wir arbeiten weiter und bleiben zusammen.“

Emre Can (Borussia Dortmund): „In der ersten Halbzeit, als Bremen das sehr gut gemacht hat und wir keine Lösungen gefunden haben, standen wir sehr stabil, haben nichts zugelassen. In der zweiten Halbzeit haben wir das Spiel besser kontrolliert, haben den Ball laufen lassen, dann wurde Bremen müde und wir haben zur richtigen Zeit zugestochen.“

Florian Kohfeldt (Trainer SV Werder Bremen) …
… zu den Gründen für die Niederlage:
„Letztendlich ist es relativ simpel: weil wir wieder einen Standard kassieren, der uns nicht passieren darf. Es ist kein klarer, krasser Fehler, Davy ist am Mann, er muss trotzdem noch einen Schritt zum Ball machen. Es war ein Mismatch rein vom Körper her. Es war über weite Strecken des Spiels ordentlich, aber wir haben zu viele Spiele liegenlassen. Dann musst du auch mal so ein Spiel ziehen, wo du gut drin bist. Dortmund hatte kaum Chancen.“
… zu den immer wiederkehrenden Rückschlägen: „Natürlich kostet das Kraft, aber das ist nicht das Thema. Ich bin hier, ich kämpfe mit der Mannschaft, wir werden das schaffen. Ausruhen kann ich mich im Mai, dann mache ich Urlaub, das verspreche ich allen, auch meiner Frau, aber bis dahin kämpfen wir. Auch wenn ich wieder auf die Fresse kriege für die Aussage: In Leipzig und gegen Dortmund habe ich wieder einige positive Dinge gesehen. Ich ärgere mich maßlos, dass wir nichts mitgenommen haben. Jetzt kommt eine Woche, die sehr entscheidend werden wird für den weiteren Saisonverlauf.“
… zur Frage, woher er seinen Optimismus zieht, obwohl die Spiele immer weniger werden: „Ja es ist richtig, es werden weniger. Es ist ein Drittel der Saison zu spielen mit elf Spielen. Und ja, wir sind seit Oktober in einem absoluten Negativtrend. Aber: Zum einen durfte ich heute das zweite Mal in dieser Saison Spieler nicht mehr in den Kader nehmen, diese Entscheidung musste ich treffen. Seit drei Wochen haben wir eine gute Trainingsqualität, eine wirklich gute, wo ich sehe, es greift was im Training und es wird auf Dauer im Wettkampf kommen. Wir haben nicht viel Zeit, das weiß ich auch, aber auf Dauer wird es im Wettkampf kommen. Zweitens: Was ich heute wieder erlebt habe… Auf Dauer wird der Standort dazu beitragen, dass wir einen Push bekommen, wenn wir weiter alles geben. Und das wird uns heute niemand absprechen, dass wir alles gegeben haben. Dann wird das Stadion trotz der Heimschwäche ein Faktor werden. Und drittens: ich glaube, dass wir über dieses Zusammenspiel – Augustinsson war heute wieder dabei, Gebre Selassie war dabei – wieder mehr Stabilität bekommen. Trotz dieser beiden Niederlagen in Leipzig und gegen Dortmund ist es so, dass ich uns immer noch attestieren würde, dass wir an gewissen Tagen gegen jede Mannschaft punkten können. Aber ohne etwas schönzureden wollen, weiß ich, dass wir in einer dramatischen Situation sind und wir wenig Zeit haben.“

Oliver Baumann (Torwart TSG 1899 Hoffenheim) …
… zum Spiel:
„Es kamen immer wieder Wellen auf uns zu. Allgemein war es sehr attraktiv heute, zuzuschauen. Auf beiden Seiten war was los, wenn wir ab und an einen Tick sauberer gespielt hätten, hätten wir auch noch riesige Chancen gehabt. Aber wir waren sehr mutig in Gladbach und wurden am Ende belohnt. Zuvor aber mussten wir einige Wellen überstehen.“
… zum Plakat der Gladbach-Fans gegen Dietmar Hopp: „So ein Plakat zählt schon unter Morddrohung, so etwas geht gar nicht. Es sollen sich alle mal mit Herrn Hopp beschäftigen und was er alles macht und was er für ein toller Mensch ist. So etwas hat in unserem Fußball, in unserem Sport nichts zu suchen.“

Alfred Schreuder (Trainer TSG 1899 Hoffenheim): „Wenn das Plakat nicht weggenommen worden wäre, dann hätte ich gesagt, dann gehen wir einfach rein, dann kann Gladbach die drei Punkte haben. Am ende geht es einfach um Respekt. Vor dem Spiel haben wir noch eine Schweigeminute und dann passiert so etwas. Das kann man einfach nicht akzeptieren.“

Matthias Ginter (Borussia Mönchengladbach): „Ich glaube, dass wir viel laufen mussten. Hoffenheim hat das gut gemacht, viel Ballbesitz gehabt, sie haben das Mittelfeld beherrscht. Es war schwer für uns, Zugriff zu haben. Nichtsdestotrotz hatten wir unsere Möglichkeiten, gerade in der zweiten Halbzeit. So ist es manchmal, wenn du vorne die Entscheidung nicht machst, musst du halt zu Null spielen und die Standards besser verteidigen.“

Max Eberl (Sportdirektor Borussia Mönchengladbach) …
… zum Spiel:
„Es war so, dass Hoffenheim optisch überlegen war, sie hatten viel Ballbesitz und haben uns immer wieder Probleme gemacht. Aber sie hatten nur wenige Torchancen, wir aber hatten im Gegenzug doch eine ganze Menge voll an klaren Torchancen. Der Elfmeter war die klarste Chance. Es war ein ganz komisches Spiel, eine komische Stimmung im Stadion. Es ist ärgerlich, wenn wir in der Nachspielzeit das Gegentor bekommen. Sportlich ist der Punkt okay, aber wir hätten gerne drei mitgenommen.“
… zur Frage, ob es ein Rückschlag im Spitzenkampf ist: „Natürlich hätten wir gerne gewonnen. Das ist kein Rückschlag, aber drei Punkte hätten uns gutgetan. Aber wir haben auch Fehler gemacht, nicht so stabil gespielt. Der Punkt für Hoffenheim ist nicht unverdient.“
… zum Plakat der Gladbacher Fans gegen Dietmar Hopp: „Das lässt uns bestürzt zurück, weil das nicht das ist, wofür wir bei Borussia Mönchengladbach stehen. Wir haben Werte, wir wollen eine klare Haltung haben. Wir haben vor dem Spiel ein klares Statement gesetzt mit der Schweigeminute für ein dramatisches Ereignis, was diese Woche passiert ist. Wir sind gegen Rassismus und Ausgrenzung und dann müssen 50 Hornochsen so ein Plakat hochhalten, dafür schäme ich mich.“
… zur Frage, ob er Strafen befürchtet: „Es war kein Ruhmesblatt von 50 Menschen. 99 Prozent haben reagiert, sind aufgestanden, selbst der nahe Umkreis in diesem Kessel hat mir gezeigt, sie haben damit nichts zu tun, wollen damit nichts zu tun haben. Das ist für mich das wichtige Zeichen, dass nicht ein Großteil, sondern der überragende Teil der Menschen sich gegen diese Plakate gewehrt hat und gegen diese Äußerungen dieser 50 dummen Menschen. Das ist das positive Zeichen. Wenn eine Strafe käme, müssen wir diese akzeptieren, weil diese Fans auch zu uns gehören, auch wenn ich die nicht bei uns möchte, das sage ich ganz klar. Die anderen Fans wollen wir haben, wir wollen Fußballfeste feiern, Spaß haben und nicht über solche Themen reden. Aber wenn so ein Thema der Anlass ist, damit wir sagen können, wofür wir stehen, dass Rassismus und Ausgrenzung keinen Platz haben in diesem Stadion, dann ist es das einzig Gute heute.“
… zu den Schiedsrichter-Entscheidungen: „Felix Brych hat es sich sehr genau angeschaut. Ich finde, den Elfmeter kann man geben, deswegen war es richtig, auch wenn es lange gedauert hat. Bei der anderen Situation ist es eine lange Distanz bis zum Tor, 16 Sekunden habe ich gehört. Dass es Handspiel ist, dass der Oscar auf den Ball gefallen ist, ist unstrittig. Aber 16 Sekunden später etwas zurückzunehmen, finde ich schon einen Touch zu weit.“

Dr. Felix Brych (Schiedsrichter bei Gladbach-Hoffenheim): „Ich denke, wir können dafür sorgen, dass sich die Mannschaften und Fans gegenseitig respektieren. Das war nicht der Fall für mich, deshalb habe ich darum gebeten, dass dieses Plakat entfernt wird. Da haben mir die Verantwortlichen von Mönchengladbach auch sehr geholfen. Ich habe gesagt, dass ich erst weiterspiele, wenn das Plakat nicht mehr zu sehen ist. Das war dann auch irgendwann der Fall und dann konnten wir weitermachen.“

Andre Hoffmann (Torschütze Fortuna Düsseldorf): „Es war nicht der beste Auftritt heute, aber wir haben uns fest vorgenommen zu punkten, nicht schön zu spielen. Und jetzt haben wir 2:0 gewonnen, zu Null gespielt, was auch ein gutes Gefühl gibt. Jetzt nehmen wir die drei Punkte mit.“

Uwe Rösler (Trainer Fortuna Düsseldorf) …
… zum Spiel:
„In der zweiten Halbzeit haben wir nach dem 2:0 dreckig gewonnen. Das wollte ich sehen, nicht nur, dass wir gut spielen, sondern dreckig gewinnen. Das Game Management haben wir heute super an den Tag gelegt.
… zu Erik Thommy: „Seit ich hier bin, hat er drei oder vier Tore gemacht, er ist unser Torjäger im Moment. Wenn er das macht (Rouwen Hennings einholen), bleiben wir hundertprozentig in der Liga.“

Erik Thommy (Torschütze Fortuna Düsseldorf): „Wir haben uns vorgenommen, drei Punkte mitzunehmen, eklig zu sein, gut in den Zweikämpfen zu sein. Das ist gut gelungen, das ist das wichtige. Wir haben jetzt 20 Punkte, so kann es weitergehen.“

Christian Streich (Trainer SC Freiburg) …
… zum Spiel:
„Wir hatten zu wenig körperliche Präsenz, waren nicht ballsicher genug. Die zweite Halbzeit war besser, aber da stand es 0:2.“
… zum 0:2 und der Unterzahl in der Situation: „Er musste getaped werden, weil er umgeknickt ist. Du kannst keine Kommunikation mehr führen. Johnny darf den Ball natürlich nicht versuchen anzunehmen, sondern muss ihn direkt weiterspielen.“

Alexander Nouri (Trainer Hertha BSC): „Ganz bitter, muss man sagen. Das hat sich nicht angedeutet, im Gegenteil. Wir hatten eine richtig gute Trainingswoche, von daher ist es unerklärlich.“

Niklas Stark (Kapitän Hertha BSC) …
… zur Frage, warum die Spieler nicht zu den Fans gegangen sind:
„Wenn man teilweise verarscht wird, hat man als Spieler auch keinen Bock, da reinzugehen. Natürlich war das heute auch kein gutes Spiel und wir dürfen uns auch nicht verstecken, aber heute war es besser.“

Horst Heldt (Geschäftsführer Sport 1. FC Köln) …
… zum Spiel:
„Auswärts in der Höhe zu gewinnen, ist sensationell. Die Mannschaft hat das aber auch verdient, weil sie gerade in der ersten Halbzeit den Grundstein gelegt hat mit einer sehr guten, aggressiven Leistung. Sie hat all das umgesetzt, was der Trainer mitgegeben hat. Der Trainer hat heute eine bemerkenswerte Ansprache gehalten. Er hat gesagt, wir spielen heute für unsere Stadt, weil wir in den Tagen sind, wo es ein bisschen außer Rand und Band ist und heute wollen wir ein Zeichen setzen. Wir haben sehr gut angefangen und in der Höhe auch verdient gewonnen.“
… zur Verletzung von Rafael Czichos: „Die erste Diagnose war Halswirbel verstaucht, aber da muss man erstmal schauen.“

Sky Experte Dietmar Hamann …
… zu den Plakaten gegen Dietmar Hopp:
„Es ist eine Schande. Dietmar Hopp hat sehr viel Gutes getan, ich habe dafür kein Verständnis, wenn 50 Menschen für irgendwelche Statements ein Fußballstadion benutzen. Man kann nur hoffen, dass der Großteil der Fans diese Minderheit irgendwann mal im Griff hat. Es ist unsäglich, solche Situationen fast jede Woche im Stadion zu sehen.“


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