Hennef / Aachen, 27. Februar - Der 95. Geburtstag des DFB-Ehrenpräsidenten gibt Anlass, Egidius Brauns außergewöhnliches Lebenswerk Revue passieren zu lassen. Als langjähriger Schatzmeister (1977-1992), Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (1992-2001) und darüber hinaus ist es Egidius Braun zeitlebens ein besonderes Anliegen, das soziale Engagement voranzutreiben und den Gedanken der gesellschaftlichen Verantwortung des Fußballs in der Satzung seines Verbandes festzuschreiben. So überdauert das von Braun erstmals formulierte und entscheidend geprägte Leitbild „Fußball – mehr als ein 1:0" dessen Amtszeit und ist auch fast zwei Jahrzehnte später fester und an Bedeutung gewinnender Bestandteil der DNA des DFB und wird gerade in der ihm gewidmeten DFB-Stiftung gelebt.

„Wie groß Ihre Leistungen und Erfolge sind und wie weitsichtig Sie agiert haben, lässt sich daran ablesen, wie gegenwärtig Ihre Gedanken im DFB noch immer sind“, sagt Fritz Keller in seinem Geburtstagsgruß. „Die Werte, die Sie im DFB verankert haben, sind heute wichtiger und wertvoller als jemals zuvor.“ Der amtierende DFB-Präsident schreibt weiter: „Dem Alter begegnen Sie mit Würde und der Kraft, die sich aus dem imponierenden Zusammenhalt der Familie Braun ergibt. Wir wünschen Ihnen, dass Sie von dieser Kraft noch lange getragen werden.“

Braun mit Überraschungsbesuch bei der deutschen Nationalmannschaft

Seinen Ehrentag wird Braun gemeinsam mit seiner Frau Marianne, seinen beiden Söhnen und seinen Enkelkindern verbringen. Selbstverständlich wird ihn auch eine Delegation des DFB und der DFB-Stiftung Egidius Braun in Aachen besuchen. Im vergangenen Jahr überraschte Braun viele, als er das öffentliche Training der Nationalmannschaft in seiner Heimatstadt besuchte und sich mit Schlips, dunkelblauem Anzug und Sommerhut beim Teamfoto in die Mitte der heutigen Generation Nationalspieler begeben hatte.

In seine Amtszeit als DFB-Präsident fiel der EM-Titelgewinn 1996 im Londoner Wembley-Stadion, nachdem er trotz des frühen WM-Ausscheidens 1994 und heftiger Kritik an Berti Vogts als Bundestrainer festgehalten hatte. Über spöttische Mutmaßungen, mit seiner sozialen Ader sei er nicht mehr von dieser Welt und in der Ellenbogen-Gesellschaft eine Fehlbesetzung, ging er mit mildem Lächeln hinweg. „Pater Braun“, wie ihn manche Journalisten anfangs belustigt, später durchaus mit Anerkennung nannten, wusste sich immer durchzusetzen. Er schickte Nationalspieler wegen schlechtem Benimm nach Hause und konnte 1998 nur mit einigen Mühen davon abgehalten werden, die komplette Mannschaft vom Turnier abzuziehen, nachdem deutsche Hooligans in Lens den französischen Gendarm Daniel Nivel fast zu Tode geprügelt hatten.

DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius, immerhin ein halbes Jahrhundert jünger, steht im Austausch mit dem DFB-Ehrenpräsidenten. „Egidius Braun hat mir vor einiger Zeit in einem Brief geschrieben, dass wir nicht wegsehen dürfen, wenn wir Not und Elend erkennen, dass wir die Verpflichtung haben, uns mit den Möglichkeiten unseres Verbandes und unserer Sportart einzubringen. Herr Braun hat im DFB große Spuren hinterlassen und sich an vielen Stellen um den Fußballsport verdient gemacht“, betont Curtius. „Egidius Braun hat den DFB in den neunziger Jahren modernisiert und bereichert. Gerade in diesen Tagen erinnern wir uns an die Aktion ‚Mein Freund ist Ausländer‘, die er vor fast 27 Jahren nach dem schrecklichen Brandanschlag in Solingen ins Leben gerufen hat. Leider ist diese Aktion heute wieder hochaktuell und es ist unsere Verpflichtung, auch an dieser Stelle das Vermächtnis Brauns lebendig zu halten“, so Curtius.

Brauns Vision eines karitativen und sozialen Fußballs vielfältig umgesetzt

Der gebürtige Breiniger ist Gründer der Mexico-Hilfe, die er damals als amtierender DFB-Schatzmeister und Delegationsleiter während der Fußball-Weltmeisterschaft 1986 als soziales Hilfswerk für die notleidenden Waisenkinder des mittelamerikanischen Landes ins Leben rief. Bis heute bildet Brauns bemerkenswerte Initiative gemeinsam mit dem Engagement gegen Rassismus und für gesellschaftlichen Zusammenhalt Schwerpunkte der seit 2001 bestehenden und ihm gewidmeten DFB-Stiftung. Und ebenfalls bis heute ist Egidius Braun Vorsitzender des Stiftungsvorstandes und verfolgt das Stiftungswirken aufmerksam.

Darüber hinaus setzt die Stiftung Brauns Vision eines karitativen und sozialen Fußballs auf vielfältige Weise um, so etwa durch die Fußball-Ferien-Freizeiten, zu denen jeden Sommer rund 1.000 Jugendliche aus Fußballvereinen eingeladen werden. Ein weiteres wichtiges Anliegen ist die Unterstützung des ehrenamtlichen Engagements für geflüchtete Menschen. Mittels der Initiativen „1:0 für ein Willkommen“ und deren Weiterführung „2:0 für ein Willkommen" wurden seit dem 19. März 2015 bis heute 3.765 Anträge bewilligt und dabei zusammen mit der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration sowie mit Hilfe der Nationalmannschaft Fördergelder von mehr als 2,3 Millionen Euro bereitgestellt.

Egidius Braun, dessen Vorname aus dem Altgriechischen stammt und so viel wie „Schildträger“ bedeutet, wurde am 27. Februar 1925 in Breinig bei Aachen geboren und spielte als Kind und Jugendlicher Fußball beim SV Breinig. Nach dem Abitur wurde er 1943 zur deutschen Wehrmacht eingezogen und geriet in Kriegsgefangenschaft, aus der er 1946 entlassen wurde. Er studierte Rechtswissenschaften und Philosophie und machte sich beruflich bald mit einem Export- und Importbetrieb für Agrarprodukte selbstständig. Geschäftlich lief es gut, doch er fand weiter freie Stunden für den Fußball. Erst übernahm er den Vorsitz beim SV Breinig, zu Beginn der siebziger Jahre wählte ihn der Fußball-Verband Mittelrhein zum Vorsitzenden. Von 1977 bis 1992 schulterte er die Verantwortung als Schatzmeister des DFB, bis er am 24. Oktober 1991 zum achten Präsidenten des DFB gewählt wurde, ein Amt, dass er bis zum 28. April 2001 innehielt. Anschließend wurde er zum DFB-Ehrenpräsidenten ernannt.

An seinem 60. Geburtstag wurde ihm das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen. Das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern bekam er 1997 verliehen. 2013 zeichneten ihn die Vereinigten Mexikanischen Staaten mit dem Orden vom Aztekischen Adler aus, dem höchsten an Ausländer verliehenen Verdienstorden Mexikos. Und zu seinem 90. Geburtstag schrieb ihm der inzwischen verstorbene UEFA-Präsident Lennart Johansson: „Wir haben uns gegenseitig gestützt, getröstet, Mut gemacht und Ratschläge erteilt. Du bist ein wahrer Mensch.“

Herzlichen Glückwunsch, lieber Egidius Braun.


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