• Karl-Heinz Rummenigge kündigt Konsequenzen an: „Aufs Tiefste zur Rechenschaft gezogen“
  • Schmähgesänge auch in Dortmund - Kehl: „Kein Raum für so etwas“
  • Christian Streich sieht gesellschaftliches Problem: „Sind in schwierigen Zeiten“
  • Sky Experte Hamann: „Ein trauriger Tag für den deutschen Fußball“

    Unterföhring, 29. Februar 2020
    - Die wichtigsten Stimmen zu den Samstagnachmittagspartien des 24. Spieltages der Fußball-Bundesliga bei Sky.

    Karl-Heinz Rummenigge (Vorstandsvorsitzender FC Bayern München) …
    … zum Spielerprotest in den letzten zehn Minuten:
    „Es ist richtig gemacht worden. Das war ja eine Idee der Spieler, in Absprache mit dem Schiedsrichter. Es gibt ja da ein gewisses Prozedere, das der DFB vorgegeben hat und das ich auch für richtig halte. Und so, wie die Spieler das in den letzten zehn, 13 Minuten gemacht haben, ist ein absolutes Zeichen. Ich schäme mich zutiefst, aus Sicht des FC Bayern für diese Chaoten. Und es ist spätestens jetzt der Zeitpunkt gekommen, wo die gesamte Liga, DFB, DFL, gemeinsamen Schrittes gegen diese Chaoten vorgehen müssen. Das ist das hässliche Gesicht des Fußballs und ich schäme mich auch zutiefst Dietmar Hopp gegenüber, der ein absoluter Ehrenmann ist und der dafür gesorgt hat, dass nicht nur der Fußball, sondern der gesamte Sport hier in dieser Region ein Gesicht bekommen hat, nämlich ein positives Gesicht. Ich schäme mich, ich habe mich auch bei ihm entschuldigt, aber das ist nicht zu entschuldigen, was da in der Kurve passiert ist. Das ist das ganz hässliche Gesicht des FC Bayern München, in einem Spiel, das eigentlich ein tolles Spiel unserer Mannschaft war und das diesen Ausgang genommen hat, für den es überhaupt keine Entschuldigung gibt und ich muss ganz deutlich sagen, wir haben diese ganzen Vorkommnisse filmen lassen, wir werden mit aller Schärfe gegen die Verantwortlichen, die da heute den FC Bayern diskreditiert haben, aufs Tiefste vorgehen und sie werden dafür auch zur Rechenschaft gezogen werden.“
    … zu den Konsequenzen: „Die Bundesliga, der DFB und alle Klubs haben das eigentlich immer vorbildlich gemacht. Wir müssen jetzt alle zusammenstehen, wir haben viel zu lange die Augen davor verschlossen, was in gewissen Kurven passiert ist, wir haben viel zu viel gestattet und mit dem heutigen Tag muss ein Umdenken stattfinden. Man muss jetzt mit aller Intelligenz, aber auch mit aller Klarheit und mit aller Kraft, die der Fußball besitzt, dagegen vorgehen. Ich finde es auch gut, dass das Spiel am Ende so gespielt wurde, wie es gespielt wurde. Es war eigentlich eine absolute Watschn für die Fans von Bayern München. Ich bin der Meinung, solche Leute, wie sie sich heute dargestellt haben, haben in einem Fußballstadion nichts mehr verloren, absolut gar nichts mehr. “
    … zur Reaktion von Hopp: „Dietmar war natürlich total emotionalisiert. Wenn man so beleidigt wird mit dieser Wortwahl, da muss man das auch total verstehen. Ich habe ihm dann nur gesagt, ich kann mich nur entschuldigen für das, was passiert ist. Aber gleichzeitig bin ich auch überzeugt, dass mit dem heutigen Tag in unserer Republik ein Umdenken nicht nur gegenüber Dietmar Hopp passiert. Wir müssen aufpassen, dass wir mit dem Fußball nicht in Dinge hineinführen, in denen er nichts verloren hat. Fußball ist ein wunderbares Spiel, an dem wir alle Freude haben. Aber wenn ich sowas wie heute erlebe, da bin ich offen und ehrlich, da bin ich schockiert und habe keinen Spaß mehr.“
    … nochmals zum Vorfall: „Wenn ehrwürdige Leute diskreditiert werden, weil sie dem Fußball etwas Positives getan haben. Was wäre die Region hier ohne Dietmar Hopp? Eigentlich müsste man ihm ein Denkmal bauen, das Gegenteil wird gerade getan. Und deshalb ist es eine Schande, was in Fußball-Deutschland gerade abläuft gegen Dietmar Hopp. Aber ich sage ganz klar, es ist nicht nur Dietmar Hopp. Ich habe es auch schon erlebt gegen RB Leipzig und andere Klubs, die man auf eine Art und Weise beleidigt und diskreditiert. Das ist einfach nicht okay. Ich habe die leise Hoffnung, mit dem heutigen Tag wird hoffentlich ein Umdenken im Fußball stattfinden und werden hoffentlich auch Maßnahmen getroffen, dass so etwas in Zukunft verhindert wird.“

    Hansi Flick (Trainer FC Bayern München, auf der Pressekonferenz): „Ich wusste, dass eventuell etwas geplant ist. Wir haben versucht, mit unserem Fanbeauftragten dagegen zu wirken und man hat auch geschaut, ob Fahnen oder so etwas reingeschleust werden. Man hat einfach keinen Zugriff. Es kommt immer wieder vor, auch bei den ganzen Kontrollen, die man hat. Irgendwie kriegen sie es immer wieder rein. Und das ist einfach immer wieder ärgerlich.“

    Manuel Neuer (Torwart und Kapitän FC Bayern München): „Ich bin der Meinung, dass uns auch etwas kaputt gemacht wurde als Spieler vom FC Bayern, weil wir bis zu diesem Zeitpunkt eine tolle Leistung gezeigt haben. Natürlich wollen wir nicht hauptsächlich über das Spiel reden, das ist klar. Aber uns wurde ja auch etwas kaputt gemacht und dass man überhaupt nicht darüber spricht, dass wir heute ein sehr gutes Spiel gemacht haben.“

    Dr. Peter Görlich (Geschäftsführer TSG 1899 Hoffenheim) ...
    ... zum Spielerprotest in den letzten Minuten:
    „Kompliment an die Schiedsrichter, die das mit einer Ruhe und Souveränität durchgezogen haben, aber auch an das Publikum, an den FC Bayern, an die Spieler, dass sie dafür Verständnis hatten und die Situation gut erkannt hatten. Es ist eine Grenze überschritten, wo wir uns als Fußball-Deutschland solidarisch zeigen müssen. Und das ist gelungen und das ist ein Zeichen für den Umgang auf einem Fußballplatz, wie wir es uns eigentlich auch wünschen bis runter in die Amateurligen.“
    ... zur Macht der Zuschauer, gegen solche Aktionen vorzugehen: „Wir können als Zuschauer enorm viel dazu beitragen, dass wir solche Dinge sofort im Keim ersticken und gar nicht groß rauskommen lassen. Und ja, es geht hier gegen eine Person, gegen einen Klub, aber es geht am Ende des Tages um Menschen. Da braucht man Empathie und Feingefühl, was die Zuschauer haben, was die Zuschauer auch haben, was die Spieler auch haben, deshalb ist das ein hervorragendes Zeichen gewesen, wo sich Fußball-Deutschland solidarisieren kann und sollte.“
    … zum Miteinander von Dietmar Hopp und Karl-Heinz Rummenigge: „Ich finde es traurig, dass am Spielfeldrand zwei Personen, die so viel für den deutschen Fußball getan haben, stehen müssen, in so einer Situation. Ich würde mir eher wünschen, dass es ein wunderbares Spiel ist und man irgendeinen Titel feiern kann. Aber nein, das macht mich etwas traurig. Aber es freut mich natürlich auch, dass diese Menschen, Karl-Heinz Rummenigge vor allem, solch eine Solidarität an den Tag legen und gemeinsam mit Dietmar Hopp diese schweren Minuten für Dietmar Hopp auch durchstehen.“

    Christian Günter (Kapitän SC Freiburg): „Am Anfang sind wir ein bisschen schwer reingekommen, hatten viele Ballverluste, aber Mitte der ersten Halbzeit wurde es besser, da haben wir auch die erste Chance bekommen. Gerade in der zweiten Halbzeit im Laufe des Spiels hat man gemerkt, wir waren gut drin, haben ihnen wirklich Probleme bereitet und schade, dass jetzt am Ende die Niederlage rausspringt.“

    Julian Brandt (Borussia Dortmund): „Natürlich war es heute nicht perfekt, aber man muss in der Relation auch sehen, jedes Mal 5:0 gewinnen wird vermutlich auch nicht passieren. Solche Spiele wie heute wird es geben, wichtig ist, dass du dann das, was von dir verlangt wird, das Spiel zu gewinnen, auch mit wenigen Toren, dass du das einfach schaffst. Das haben wir gepackt, aber nächste Woche gegen Gladbach muss da definitiv wieder mehr kommen.“

    Sebastian Kehl (Leiter der Lizenzspielerabteilung Borussia Dortmund) …
    … zu den Schmähgesängen im Stadion:
    „Über Konsequenzen habe ich mir jetzt noch keine Gedanken gemacht. Der Schiedsrichter hat das Spiel unterbrochen, so wie es auch besprochen war. Es gibt diesen Drei-Stufen-Plan, der an die Vereine auch so kommuniziert wurde. Es war kurzzeitig unterbrochen aufgrund einzelner Schmähungen, die in unserem Stadion nichts zu suchen haben und gegen die wir uns auch in der Vergangenheit schon mehrfach positioniert haben als Klub. Es gibt hier keinen Raum für solche Themen, deshalb hat der Schiedsrichter richtig unterbrochen. Dann hat sich das Spiel weiter fortgesetzt.“
    … zum Schaden für den Fußball durch solche Aktionen: „Natürlich verändert sich die Welt ein wenig und das sind Themen, die uns auch nachdenklich machen. Natürlich haben wir auch ein paar Themen auf den anderen Plätzen mitbekommen, das beunruhigt ein wenig. Aber wir haben uns als Klub klar positioniert, es gibt hier bei Borussia Dortmund keinen Raum für persönliche Anfeindungen, egal, ob sie nach irgendeiner Hautfarbe oder nach irgendeiner Religion zu bewerten sind. Wir stehen für Vielfalt bei Borussia Dortmund und deshalb finden wir es nicht in Ordnung.

    Christian Streich (Trainer SC Freiburg): „Dass heute ein Spiel unterbrochen wurde, weil Menschen diffamiert werden, das ist in unserer Zeit ein großes gesellschaftliches Problem. Was über das Netz verbreitet wird und wie Menschen miteinander umgehen, ist absolut inakzeptabel. Wir sind in schwierigen Zeiten, wir haben einen Rechtsruck, der bedenklich ist in ganz Europa. Es ist furchtbar, was in den letzten zehn Monaten in diesem Land passiert ist. Es werden Menschen wegen ihres Glaubens angegriffen, ein Politiker in diesem Land wurde erschossen, dann ist das in Hanau passiert, wo Menschen in einer Shisha-Bar sind und über den Haufen geknallt werden. Es ist schrecklich, was passiert. Und Fußball hat ein gewichtiges Wort. Genauso muss gehandelt werden. Wenn Menschen beleidigt werden, die einen anderen Glauben oder eine andere Hautfarbe haben, müsste man einfach vom Platz runtergehen und nicht mehr weiterspielen. Denn es gibt Wichtigeres als Fußball.“

    Yann Sommer (Torwart Borussia Mönchengladbach) …
    … zum ersten Gladbacher Sieg in Augsburg:
    „Natürlich wussten wir das vor dem Spiel. Man bekommt die Statistik natürlich auch mit, die willst du natürlich brechen. Es ist gut, dass wir das gebrochen haben. Wir haben noch ein paar andere Statistiken, die wir noch brechen müssen.“

    Lars Stindl (Kapitän und zweifacher Torschütze Borussia Mönchengladbach): „Wir sind in einer sehr guten Phase, haben uns in den letzten Wochen aber nicht immer belohnt für die gezeigten Leistungen. In Leipzig in letzter Minute, letzte Woche gegen Hoffenheim letzte Minute. Das wollten wir unbedingt vermeiden, gehen zweimal mit zwei Toren Vorsprung in die letzten Minuten und kriegen danach immer wieder gleich den Anschlusstreffer und machen uns so das Leben selbst schwer. Umso mehr tut es gut, dass man das heute bis zum Ende über die Zeit gebracht hat.“

    Martin Schmidt (Trainer FC Augsburg): „Der Rucksack wird nicht schwerer, er wird leichter, weil das Polster schmilzt. Dieser Wintervorrat, den wir uns im Dezember angehäuft haben, der schmilzt allmählich. Ein bisschen was ist noch drin und wir müssen wieder etwas reinlegen.“

    Max Eberl (Sportdirektor Borussia Mönchengladbach) …
    … zu den Vorfällen in Sinsheim:
    „Mir fällt es nach dem Spiel gerade schwer, Lösungsvorschläge zu bringen. Ich denke, dass auch Bayern und Hoffenheim eine Reaktion gezeigt haben, wie wir Sportler uns das vorstellen. Wir wollen hier Fußballspiele sehen, wir wollen Spaß am Spiel haben, wir wollen Kontrahenten versuchen zu schlagen und nicht solche Schmähplakate oder Hetzjagden starten. Das wollen wir nicht im Stadion. Das scheint momentan ein tief-gesellschaftliches Problem zu sein, das ist traurig. Ich würde mir wünschen, dass wir im Stadion wieder das sehen, was wir über Jahrzehnte geschätzt haben, nämlich Freude, Spaß oder Trauer, wenn man verloren hat, an diesem Spiel. Und nicht diese Bühne nutzt, um irgendwelche schwachsinnigen Gedanken nach außen zu tragen.“
    … zu möglichen Lösungsansätzen innerhalb der Liga: „Natürlich werden wir uns darüber Gedanken machen. Die Frage ist, ob diese Kollektivstrafe in Dortmund richtig war, wenn man das Wort gegeben hat und wieder zurückgerudert ist. Wie hat man es dann kommuniziert? Wir müssen uns alle hinterfragen, müssen uns zusammensetzen. Wir müssen versuchen, das Problem zu lösen. Wir sind ja nicht die Ursache, die Ursache ist außerhalb des Platzes. Das sind Menschen, die mit gewissen Dingen nicht einverstanden sind und das in einer gewissen Art und Weise kundtun, mit der wir uns alle nicht anfreunden können. Aber ich würde mir wünschen, dass wir die Solidarität in der Bundesliga haben und da einen Weg fänden, wieder ein sauberes Stadion zu haben.“

    Achim Beierlorzer (Trainer 1. FSV Mainz 05): „Glücklich, weil jeder Sieg etwas mit einem macht von den Emotionen, da ist Glück schon die richtige Formulierung. Dass das ein wichtiges Spiel für uns war, da muss keiner Fußball-Fachmann sein Man schaut auf die Tabelle und weiß es. So, wie die Mannschaft es heute gemacht hat, wie wir uns dagegengestemmt haben, dann aber auch unsere fußballerische Qualität reingebracht haben, das war schon richtig gut.“

    Karim Onisiwo (Torschütze 1. FSV Mainz 05): „Wir wollten heute bei unseren Fans auch etwas gutmachen. Wir wollten zeigen, dass wir auf dem Platz einfach besser sind als der Gegner. Hier geht es um viel, wir wussten, wir können den Abstand vergrößern. Ich denke, man hat heute von der ersten Minute an gesehen, dass wir willig waren und dann verdient gewonnen haben.“

    Steffen Baumgart (Trainer SC Paderborn): „Wir schaffen es nicht, die nötigen Punkte zu holen. Das ist eine Situation, die begleitet uns schon einen längeren Bereich, egal, ob man mal besser oder schlechter spielt. Wir schaffen es nicht, Punkte zu holen. Und das ist die Problematik, die wir haben. Da geht es jetzt auch nicht darum, dass man in die Zauberkiste greift. Sondern wir müssen den Jungs das Selbstvertrauen geben, versuchen, an den Dingen zu arbeiten, die wir uns vornehmen und das tun wir weiterhin. Es hört sich schwierig an, wenn du jede Woche das gleiche erzählst, aber anders geht es auch nicht. Wir bleiben bei uns und schauen, dass wir in den entscheidenden Momenten auch die richtigen Entscheidungen treffen.“

    Kai Pröger (SC Paderborn): „Wir sind nicht komplett abgeschlagen, es besteht immer noch die Chance. Und solange man das schaffen kann, glauben wir auch alle dran.“

    Sky Experte Dietmar Hamann …
    … zu den Vorfällen in Sinsheim:
    „Ein trauriger Tag für den deutschen Fußball. Es ist beschämend, Mitgefühl mit Dietmar Hopp und seiner Familie. Wir müssen nicht jede Woche sagen, was er für den Fußball und Hoffenheim und die Region getan hat. Das sind Chaoten, denen geht es nicht um den Fußball, die riskieren einen Spielabbruch, wenn die eigene Mannschaft 6:0 führt. Wir müssen zusammenkommen und schauen, dass wir dieses asoziale Verhalten aus den Stadien bringen, weil der Fußball eine Verantwortung in der Gesellschaft hat. Wir dürfen dieses Verhalten nicht dulden. Da muss die ganze Liga zusammenkommen, sie müssen sich zusammensetzen, wie man diese Leute aus den Stadien bringt. Es kann nicht sein, dass 20, 50, 100 Chaoten ein Spiel zum Abbruch bringen. Das ist die eine Seite. Aber ein absoluter Gänsehautmoment für mich war es, als Karl-Heinz Rummenigge nach dem Spiel mit Hopp auf den Platz geht, sich beim Schiedsrichtergespann bedankt, alle Spieler, Hoffenheim und Bayern, gehen in die Kurve, es gab Dietmar-Hopp-Gesänge. Also von einem der schwärzesten Momente zu einem der schönsten Momente innerhalb einer Viertelstunde.“

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