Hennef / Weiler, 05. März - In Berlin werden am kommenden Montag die Sepp-Herberger-Urkunden verliehen. 13 Preisträger erhalten in den Kategorien Behindertenfußball, Resozialisierung, Schule und Verein, Fußball Digital sowie Sozialwerk Geldpreise in Gesamthöhe von 45.000 Euro. Platz eins in der Kategorie Schule und Verein belegt der FC Teutonia Weiler aus dem Südwestdeutschen Fußballverband. Der Journalist Rainer Kalb stellt den Sieger vor.

Es ist schon außerordentlich beeindruckend, was ein „kleiner“ Fußballverein mit Engagement, Beharrlichkeit, einer guten Idee und entsprechender Umsetzung bewirken kann. Ein Paradebeispiel ist der FC Teutonia Weiler, in der Nähe von Bingen gelegen. Nur 200 Mitglieder zählt der Klub, aber jede Woche werden rund 450 Kinder und Jugendliche an unterschiedlichen Schulen und Kindergärten in der Region betreut. „Kinderlachen ist unser Antrieb“, skizzierte Teutonias 1. Vorsitzender Jürgen Graffe einmal den Ursprung der Initiative.

Seit dem Jahr 2015 ist die Kinderbewegungsschule ein nicht mehr wegzudenkender Teil des FC Teutonia. Hinzu kommen in Oster-, Sommer- und Herbstferien Ferienfreizeiten für Kinder ab sechs Jahren. Vor neun Jahren hat Graffe mit einem Kollegen die Bewegungsschule ins Leben gerufen, trennte sich schließlich aber von ihm, und baute fortan auf die Kooperation mit Teutonia Weiler. Neben Graffe sind zwei Sportstudenten als Übungsleiter im Einsatz. „Außerdem verfügen wir über zwei Springer“, berichtet er. Dabei handelt es sich um Studenten oder Abiturienten, die Graffe und seinem Team bei der Betreuung der Kinder unter die Arme greifen.

Zusammenarbeit mit vier Schulen und sieben Kindergärten

„An den Schulen sind wir mit 42 Stunden pro Woche vertreten und an den Kindergärten arbeiten wir zwölf Stunden pro Woche“, erklärt Graffe. Kooperationen bestehen mit den Grundschulen in Weiler und mit den weiterführenden Schulen der IGS Stromberg, IGS Sophie Sondheim in Bad Kreuznach und der Crucenia Realschule Plus in Bad Kreuznach. Zusätzlich kooperiert der Verein mit sieben Kindergärten.

In den letzten Jahren musste Graffe feststellen, dass gerade in punkto Bewegung eine ganze Menge Nachholbedarf besteht. „Die Kinder machen das aber klasse, es gibt kaum ein Kind, das sich nicht gerne bei uns beteiligt“, berichtet er. Die zu betreuenden Gruppen dürfen nicht zu groß sein, 15 Kinder sind ideal, mehr als 20 sollten es nicht sein. Er kann sich noch erinnern, dass einige Kinder ohne Sportausrüstung zur Bewegungsschule erschienen sind, „die kamen dann in Jeans“.

Es hat sich bezahlt gemacht, dass schon in den Kindergärten mit der Betreuung begonnen wird. Nicht immer stehen richtige Turnhallen dort zur Verfügung, manchmal gibt es nur einen kleinen Turnraum im Kindergarten. Aber auch das ist ausreichend. Mit den Kindern werden Koordinationsübungen gemacht, auch Hand- und Kopfstand an der Wand unter fachlich qualifizierter Anleitung gehören zum Übungsprogramm. „Das Hochklettern am Seil hat vielen Kindern zu Beginn Probleme bereitet, aber auch das geht immer besser. Die Fortschritte sind erstaunlich“, sagt Graffe stolz.

Persönlichkeitsentwicklung über den Fußball

Bei den Ganztagsschulen sind Graffe und sein Team für die Sport-AGs, Projekte und Lernzeiten an den Schulen zuständig. Im Rahmen des außerunterrichtlichen Schulangebots spielt insbesondere der Fußball eine große Rolle. Mit allen Schulen hat der FC Teutonia Weiler auch eine offizielle Kooperation im Rahmen der DFB-Initiative „Doppelpass 2020“ abgeschlossen. So sollen die vielfältigen Potenziale fußballerischer Betätigung für die Persönlichkeitsentwicklung und Erziehung der Kinder genutzt werden. An den weiterführenden Schulen ist Graffe mit seinen Übungsleitern für ein Mittagsangebot in den Sporthallen zuständig. Die Kinder können sich in der großen Mittagspause in mehreren Sportarten ausprobieren und austoben. „Dort betreuen wir über das ganze Schuljahr zwischen 30 und 60 Kinder pro Tag in der Halle“, betont er. Zudem organisiert der FC Teutonia Weiler Fußballturniere auf den Socceranlagen der Schulen.

Große Resonanz gibt es auch für die Ferienfreizeiten; im Jahr 2020 werden neun Ferienfreizeiten und ein Fußballcamp mit dem 1. FSV Mainz 05 angeboten. Es wird im Sommer auch in Zelten übernachtet, 20 bis 30 Kinder werden das Angebot wahrnehmen. Flüchtlingskinder oder Kinder aus sozial schwachen Familien werden finanziell unterstützt, manchmal sogar die Kosten vollständig übernommen.

Und Graffe ist weiter kreativ: „Der FC Teutonia ist ein reiner Fußballverein, weshalb sich die Kinderbewegungsschule ab 2020 noch um den Aufbau weiterer Sportarten im Verein kümmert.“ Jumping Fitness für Erwachsene und Kinder wird seit Mai 2019 angeboten, ab März 2020 kommen Tischtennis und Badminton sowie ab April 2020 Pound Fitness für Erwachsene hinzu. Der FC Teutonia Weiler steht auch zukünftig für ein qualifiziertes Sportangebot – für Jung und Alt.

Der mit 5.000 Euro dotierte erste Preis bei den Sepp-Herberger-Urkunden geht in der Kategorie Schule und Verein an den FC Teutonia Weiler. Es folgen auf den Plätzen zwei und drei der VfB Wiesloch (Badischer Fußballverband) und der FC Aufbau Sternberg aus dem Landesfußballverband Mecklenburg-Vorpommern.


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