Hennef / Rüdesheim, 09. März - In Berlin werden heute Abend die Sepp-Herberger-Urkunden verliehen. 13 Preisträger erhalten in den Kategorien Behindertenfußball, Resozialisierung, Schule und Verein, Fußball Digital sowie Sozialwerk Geldpreise in Gesamthöhe von 45.000 Euro. Der VfL Rüdesheim erhält in diesem Jahr in der Kategorie „Sozialwerk“ den „Horst-Eckel-Preis“, den die Sepp-Herberger-Stiftung gemeinsam mit der Horst-Eckel-Stiftung verleiht. Der Journalist Rainer Kalb über die bemerkenswerte Hilfe des Klubs aus Rheinland-Pfalz für ein in Not geratenes Vereinsmitglied.

Das Unfassbare geschah in Bruchteilen einer Sekunde. Gerade noch waren die Aktiven des VfL Rüdesheim auf ihrer Abschlussfahrt in Prag im vergangenen Juni in ausgelassener Stimmung und Freude, doch dann schlug das Schicksal unbarmherzig zu und traf den drei Tage zuvor 18 Jahre alt gewordenen Pascal Szewczuk.

An jenem 21. Juni 2019 besuchte die Mannschaft einen Park außerhalb von Prag, um „Paintball“ zu spielen. Die Stimmung war fröhlich, die Spieler entschieden sich, in einem See ein kühles Bad zu nehmen. Szewczuk war der Erste, der in Richtung See lief und vom Rand per Kopfsprung ins kühle Nass eintauchen wollte. Doch konnte niemand ahnen, dass der See an dieser Stelle nur 20 Zentimeter tief war. Der Teenager blieb regungslos im See liegen, zwei zufällig anwesende Polizisten erkannten sofort den Umfang des tragischen Ereignisses, holten den Spieler aus Rüdesheim aus dem Wasser und alarmierten die Notfallambulanz, die Szewczuk in ein Militärkrankenhaus in Prag transportierte. „Das besonders Tragische war, dass Pascal nicht hätte mitfahren können, wenn er nicht kurz zuvor volljährig geworden wäre“, berichtet der 2. Vorsitzende des VfL Rüdesheim, Peter Spira, über den schier unfassbaren Unfall. „Pascal kann sich noch genau an jedes Detail des Unglücks erinnern“, so Spira.

Die Not-Operation rettete Pascal zwar das Leben, aber klar war auch, dass er eine schwerwiegende Verletzung an der Halswirbelsäule erlitten hatte. Nachdem Szewczuks Gesundheitszustand stabil genug war, konnte er in eine Spezialklinik für Querschnittslähmungen nach Karlsbad gebracht werden. Dort wurde er ein zweites Mal operiert, die Halswirbelsäule nach hinten versteift. Die niederschmetternde Diagnose nach diesem tragischen Unfall: instabile Fraktur des 5. Halswirbels, daraus resultierend eine komplette Lähmung der Beine und teilweise Lähmung der Arme. Der linke Arm kann etwas bewegt werden, der rechte allerdings weniger.

Welle der Hilfsbereitschaft

Der junge Mann, der gerade die zwölfte Klasse absolviert hatte und 2020 sein Abitur ablegen wollte, wurde von einer Sekunde auf die andere aus dem gewohnten Leben gerissen. Nichts ist mehr für ihn, wie es vorher einmal war.

„Was dann geschah, war für uns einmalig und mit Worten kaum zu beschreiben“, sagt Rüdesheims Fußball-Abteilungsleiter Werner Ehle. Es gab eine unglaubliche Welle der Hilfsbereitschaft unter dem Motto „Hilfe für Pascal“. „Das war der Hammer“, bringt es Spira auf den Punkt. Daran beteiligten sich fast alle Vereine aus dem Kreis Bad Kreuznach, dem Kreis Birkenfeld und dem Kreis Mainz/Bingen. Durch die Spendenboxen konnte einiges Geld für Pascal und seine Familie gesammelt werden. Die Plakate, die vom VfL Rüdesheim in Supermärkten, Sparkassen und Sportplätzen aufgehängt wurden, läuteten eine große Spendenbereitschaft ein. Viele Privatpersonen spendeten auf ein extra eingerichtetes Konto.

„Zwei Benefizveranstaltungen sind dabei besonders hervorzuheben“, betont Ehle, „mit einem befreundeten Fitnessstudio konnten unter dem Motto ‚Laufen für Pascal‘ fast 6.000 Euro gesammelt werden.“ Jede Runde à 600 Meter wurde vom Fitnessstudio mit 50 Cent honoriert. Hinzu kamen zwei Benefizfußballspiele auf dem Sportgelände, wobei Pascal das erste Mal wieder auf dem Sportplatz erschien. „Die Spiele waren eher zweitrangig, alles drehte sich um Pascal“, erinnert sich Ehle.

Der VfL Rüdesheim unterstützt Pascal auch zukünftig

Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, Pascal auch in seiner Zeit in der Ludwigshafener Unfallklinik die nötige psychologische Unterstützung zu geben. Der Vorstand und seine Mitspieler besuchten ihn häufig im Krankenhaus, gaben ihm Mut und Unterstützung, denn auch schwierige Situationen und Selbstzweifel mussten gemeistert werden. „Für ihn ist es wichtig, dass der Kontakt zu seinen Klassenkameraden und Teamkollegen nicht abreißt“, betont Ehle, das fange ihn auf, gebe Pascal neuen Mut und Zuversicht. Entsprechend entschlossen geht er jetzt die Zukunft an. Dazu gehört eine eigene Wohnung, die Suche nach Betreuungskräften ist angelaufen. „Abitur machen und eine eigene Wohnung beziehen, das ist sein fester Wille“, so Spira. Pascal wohnte zuletzt in einer Einrichtung in Heidelberg.

Der VfL Rüdesheim will auch zukünftig nicht nachlassen, mit weiteren Aktionen und Events Geld zur Unterstützung von Pascal zu sammeln, „der sein ganzes Leben noch vor sich hat“, so Ehle. So kamen zuletzt für ein Trikot von Marcus Thuram von Borussia Mönchengladbach, das Ex-Nationalspieler Oliver Neuville besorgt hatte, knapp 1.000 Euro zusammen. Die Mannschaft der „Fohlen“ hatte komplett unterschrieben. „Auch die Einnahmen aus unserer Weihnachtstombola gingen eins zu eins auf das Sonderkonto für Pascal“, so Ehle.

Der Horst-Eckel-Preis in der Kategorie Sozialwerk mit einer Dotierung von 5.000 Euro geht für sein bemerkenswertes Engagement an den VfL Rüdesheim.


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