Hennef/Berlin, 10. März – 13 Preisträger sind am Montagabend in Berlin durch Deutschlands älteste Fußballstiftung für ihr bemerkenswertes soziales Engagement mit einer Sepp-Herberger-Urkunde ausgezeichnet worden. Den beispielgebend engagierten Vereinsvertretern rief DFB-Präsident Fritz Keller im Kaisersaal der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft beim Beginn der von ZDF-Moderator Norbert König moderierten Veranstaltung zu: „Ihr seid die wahren Helden des Fußballs in Deutschland.“

Die Preisträger in den Kategorien „Behindertenfußball“, „Resozialisierung“, „Fußball Digital“ sowie „Schule und Verein“ erhielten ein Preisgeld in einer Gesamthöhe von 40.000 Euro. Zusätzlich überreichte DFB-Vizepräsident Dirk Janotta, der im Oktober 2019 von Eugen Gehlenborg den Vorsitz der DFB-Stiftung Sepp Herberger übernommen hatte, den nach Horst Eckel benannten und mit 5.000 Euro dotierten Preis in der Kategorie „Sozialwerk“. Dieser ging dieses Jahr an den VfL Rüdesheim aus Rheinland-Pfalz für die finanzielle Unterstützung eines jungen Fußballers, der sich beim Hechtsprung ins flache Wasser schwer verletzt hatte.

Zahlreiche Politiker quer durch die Parteien waren der Einladung gefolgt. Der Vizepräsident des Deutschen Bundestages, Thomas Oppermann, bezog sich in seinem Grußwort auf den US-amerikanischen Soziologen Robert Putnam, der das soziale Kapital als entscheidendes Kriterium für die Lebensqualität in einer Gesellschaft definiert. „Die Sepp-Herberger-Stiftung“, sagte Oppermann, „erhöht das soziale Kapital in unserer Gesellschaft. Die Gründung dieser Stiftung, vor nun fast 43 Jahren, war ein absoluter Glücksfall für den DFB.“ Zu den weiteren „politischen Gästen“ des Abends zählten unter anderen auch Ilse Aigner, Präsidentin des Bayerischen Landtags, Staatssekretär Stephan Mayer und SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil sowie Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen.

Aigner und Garvey sind neue Kuratoriumsmitglieder der Sepp-Herberger-Stiftung
Unmittelbar vor der Preisverleihung wurde, im Beisein von Fritz Keller, im Rahmen der 60. Kuratoriumssitzung der Vorstand einstimmig für das Geschäftsjahr 2019 entlastet und der Blick auf das Jahr 2020 gerichtet. Im Rahmen der Sitzung wurden mit Ilse Aigner und Rea Garvey auch zwei neue Kuratoriumsmitglieder begrüßt. „Meine Liebe zum Fußball stammt aus meinen Kindheitstagen, als ich mit meinem Vater jedes Duell von ‚ManU‘ gegen Liverpool geschaut habe“, erzählte der gebürtige Ire, der mit dem Hit „Supergirl“ seinen Durchbruch hatte. „Mir gefällt die Resozialisierungsinitiative der Stiftung ganz besonders, denn für ehemalige Strafgefangene bietet gerade der Sport eine große Chance, wieder ins bürgerliche Leben zurückzukehren“, sagte Ilse Aigner.

Mit Otto Rehhagel und Jens Nowotny übereichten am Abend weitere Persönlichkeiten des deutschen Fußballs die Preise an die auf so bemerkenswerte Weise engagierten Fußballvereine, die im vergangenen Jahr große Taten vollbracht hatten. „Unsere Preisträger stehen für viele - sie machen deutlich, dass der Breitenfußball für den Zusammenhalt im Land einen bemerkenswerten Beitrag leistet“, unterstrich Dirk Janotta: „Fußballvereine integrieren Fußballer und Fußballerinnen mit Behinderungen, sie helfen entlassenen Strafgefangenen bei der Resozialisierung, sie sind die heute so nötigen Brückenköpfe zwischen Sport und Schule. Es ist kein falsches Pathos, wenn ich sage, dass dieses über den eigentlichen Fußballwettbewerb hinausreichende Engagement unsere Gesellschaft humaner macht.“

Bemerkenswert engagierte Fußballvereine
Ein Beispiel dafür ist etwa der SC Gröbenzell. Für die Inklusionsmannschaft des Klubs aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck laufen Jugendliche und Erwachsene mit und ohne Behinderung gemeinsam auf. Herzfehler, Prothese, geistige Handicaps oder psychische Erkrankungen – alles kein Problem. „Wir verzichten bewusst auf Einschränkungen jedweder Art, bezogen auf das Alter, das Geschlecht und die Art des Handicaps", berichtet Betreuer Christian Mausbach. Derzeit besteht das Team aus 20 Spielerinnen und Spielern, mehr als zwei Drittel der Aktiven haben eine Behinderung. Das gute Beispiel macht Schule. Als man vor 14 Jahren angefangen hatte, gab es ganze zwei Inklusionsmannschaften in Bayern, berichtet Mausbach. „Heute sind es 30“, so Mausbach.

Auch der FC Teutonia Weiler aus dem Südwestdeutschen Fußballverband leistet vorbildliches. Der Klub stemmt mit seinen 200 Mitgliedern ein gewaltiges Pensum: 42 Stunden pro Woche verstärkt man das Sportangebot der Schulen durch Fußballangebote, hinzu kommen weitere zwölf Stunden an den Kindergärten der Gemeinde. In den Oster-, Herbst- und Sommerferien bietet der Klub Ferienfreizeiten für Kinder ab sechs Jahren an. Der Verein kann aufgrund seiner schulischen Aktivitäten bis heute in allen Altersklassen eine Mannschaft im Wettbewerb anmelden. Der VfB Friedrichshafen nutzt die digitalen Möglichkeiten für sein Vereinsleben. Dafür wurde der Klub auf Platz eins in der ausgelobten Kategorie „Fußball digital“ prämiert, die gemeinsam mit dem Softwarekonzern SAP verliehen wird.

Ein ganz besonderer Moment des Abends war die Übergabe der Urkunde in der Kategorie „Resozialisierung“. Der erste Platz ging an den TSV Elmshausen, der gemeinsam mit der JVA Rockenberg geehrt wurde. Täter und Opfer treffen in diesem Klub wieder aufeinander. Mit Zustimmung der Betroffenen wurde Mohammed S. eine zweite Chance gegeben.
Gegen 22 Uhr endete die Verleihung der Urkunden. Anschließend feierten die Preisträger aus ganz Deutschland gemeinsam. Allesamt wahre Helden und leuchtende Beispiele für die integrative Kraft des Fußballs.

Kontakt für Nachfragen
DFB-Stiftung Sepp Herberger
Nico Kempf
Projektleiter / Stv. Geschäftsführer
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