• Wagner trotz Geisterkulisse im Derbymodus: „Rivalität verändert sich nicht“
  • Reuter zu Herrlich-Fauxpas: „War in dem Moment einfach gedankenlos“
  • Streich vor Wiederbeginn euphorisiert: „Eines meiner freudigsten Bundesliga-Spiele“
  • Sky Experte Hamann vor Restart: „Wird ein Tanz auf der Rasierklinge“

    Unterföhring, 16. Mai 2020
    - Die wichtigsten Stimmen im Vorlauf zu den Samstagnachmittagspartien des 26. Spieltages der Fußball-Bundesliga bei Sky.

    Fabian Wohlgemuth (Geschäftsführer Sport SC Paderborn) ...

    ... zu den Abläufen vor dem Spiel:
    „Das große Ganze lässt sich eigentlich an wie immer. Aber die Anreise unter dem Stern des Hygienekonzepts der DFL war schon besonders. Wir sind mit zwei Bussen angereist, haben unsere Mahlzeit im Hotel in Konferenzräumen mit großem Abstand eingenommen. Das hat natürlich die Kommunikation etwas erschwert. Wir haben in unsere Busse gestern noch Desinfektionsspender eingebaut und zusätzlich haben wir fast überall durchgehend Masken getragen. Der Teufel liegt im Detail und macht sehr viel Aufwand.“

    ... zu Zeitpunkt des Ergebnisses der letzten Coronatestreihe: „Die Ergebnisse kamen schon am Freitagabend.“

    ... zur Situation im Abstiegskampf: „Im Grunde betreten wir jetzt alle Neuland. Wir hatten fast zwei Monate Pause. Da kann man nicht mehr von einer Saisonfortsetzung sprechen, sondern eher von einem Neubeginn. Wir konnten uns nicht optimal vorbereiten, dazu kommen die außergewöhnliche Atmosphäre und die einschneidenden Maßnahmen. Keiner hat bislang durch Testspiele seinen Rhythmus gefunden. Möglicherweise tragen in der aktuellen Situation andere Themen die Mannschaft zum Erfolg. Vielleicht spielen Zusammenhalt und Teamplay nun eine wichtigere Rolle als individuelle Qualität. Darin könnte unsere Chance stecken.“

    ... zur Abstiegsfrage bei einem Saisonabbruch: „In den letzten Wochen hatte ich die Wahrnehmung, dass innerhalb der DFL und der Liga bei allen Themen und allen Fragen eine große Einigkeit herrscht. Ich habe eine große Solidarität wahrgenommen. Deshalb stellt sich die Frage schon, warum sich zwei Vereine bei einem Abbruch aus diesem Boot der Solidarität verabschieden sollten.“

    Christian Streich (Trainer SC Freiburg) ...

    ... zur Frage, ob die Geisterkulisse als Auswärtsmannschaft von Vorteil sein könnte:
    „Ich glaube nicht, dass es ein Vorteil ist – weder für uns noch für die anderen. Es ist einfach ein bisschen komisch. Wenn du auswärts spielst und die gegnerischen Fans sind voll da, pusht dich das als Auswärtsmannschaft auch mit. Wir haben natürlich vorher über die Situation gesprochen. Ansonsten haben wir die letzten neun Tage fleißig trainiert und getan, was man konnte. Davor waren wir in Zweier- und Viererteams. Ich glaube, dass es ein intensives Spiel werden wird – auch wenn es vielleicht im Fernsehen nicht so rüberkommt, weil die Atmosphäre nicht in gewohntem Maße da sein wird. Beide Mannschaften wollen nach vorne spielen. Ich glaube, dass wird hoch interessant. “

    ... zu seinem Gespräch mit dem Schiedsrichtergespann: „Wir haben über die aktuelle Situation gesprochen und uns unterhalten, wie es für uns und für sie so ist. Wir sind einer Meinung gewesen, dass es darum geht, dass wir unserem Job nachgehen. So komisch das klingt, ich freue mich total auf dieses Spiel, weil ich nicht gewusst habe, ob und wann wir wieder spielen können. Für mich ist es eines der freudigsten Spiele, dass ich bislang in der Bundesliga hatte – auch wenn es unter eigenartigen Umständen stattfindet.“

    ... zu Veränderungen der Trainerarbeit in den letzten Wochen: „Wir waren oft sehr lang auf dem Platz, weil die Kleingruppen nacheinander auf den Platz kamen. Ansonsten ging es darum, dass wir so zielgerichtet wie möglich und mit Abstand arbeiten. Die letzte Woche war dann wie viele vor der Pause auch. “

    Stefan Reuter (Geschäftsführer Sport FC Augsburg) ...

    ... zum Ausflug von Heiko Herrlich:
    „Das zeigt, dass er in dem Moment einfach gedankenlos war und in Gedanken ein Stück weit schon bei der Mannschaftsbesprechung war. Es ist ihm dann natürlich schon gekommen, dass es ein Fehler ist. Die DFL hat über viele Wochen an einem überzeugenden Konzept gearbeitet, an das wir uns alle zu halten haben. Von daher war es Heiko sehr schnell klar, dass er da einen Fehler begangen hat und er hat dann auch die Konsequenzen daraus gezogen. Deshalb verzichtet er auf dieses Spiel. Damit sollte man es aber auch beruhen lassen. Er ist mit Mundschutz in ein Geschäft gegangen, wo er sogar der einzige Kunde war. Nur war es eben die Vorgabe, dass wir in dieser Woche in absolute Quarantäne gehen. Dagegen hat er verstoßen und von daher ist er heute nicht auf der Bank.“

    ... zur Frage, wie Heiko Herrlich das Spiel verfolgt: „Er wird im Stadion sein und sich das Spiel aus einer Loge heraus in sicherem Abstand und in aller Ruhe anschauen. Er wird nicht in Zone 1 auftauchen und somit nicht bei der Mannschaft oder in der Kabine sein. In Absprache mit der DFL wäre es sogar möglich gewesen, dass er auf der Tribüne sitzt, aber er sieht das Spiel entspannter und ruhiger, wenn er alleine aus der Loge schaut.“

    ... zum Spiel: „Wir freuen uns riesig, dass wir wieder über Sport reden können und uns gezielt auf ein Spiel vorbereiten konnten. Wochenlang ging es nur darum, sich ohne konkretes Spiel fitzuhalten. Wir wollen so schnell wie möglich die Punkte einfahren, um die Klasse zu sichern. Wir haben mit Wolfsburg gleich eine Mannschaft mit enormem Potenzial zu Gast, die um die internationalen Ränge kämpft. Wir glauben aber, dass wir auch eine gute Mannschaft stellen und versuchen die Punkte in Augsburg zu behalten.“

    ... zu Interimscoach Tobias Zellner: „Er hat die Mannschaft gestern trainiert und die Mannschaftsbesprechungen gehalten. Er sitzt auf der Bank und hat heute das Sagen.“

    Bruno Labbadia (Trainer Hertha BSC) ...

    ... zur Geisteratmosphäre: „Es ist sicher nicht so, wie es normal sein sollte. Aber das spielt heute keine große Rolle. Wir müssen es vorleben. Wir haben die gute Situation, dass wir überhaupt spielen dürfen und deshalb freuen wir uns darauf.“

    ... zu seinen ersten Wochen bei der Hertha: „Die ganze Situation war natürlich neu. Da kann man so erfahren sein, wie man möchte. So eine Situation hat noch keiner erlebt und ich hätte mir das in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können. Aber es ist wichtig, dass man in solchen Situationen nicht jammert, sondern nach Lösungen sucht. Wir haben versucht, das Beste daraus zu machen. Wir hoffen, dass wir den Zuschauern an den Bildschirmen unter den aktuellen Voraussetzungen ein gutes Spiel liefern können.“

    ... zur Ausrichtung: „Wir hatten nur eine einzige Woche Mannschaftstraining. Wir haben heute die Leute aufgestellt, bei denen wir davon ausgehen, dass sie am besten dazu passen, was wir heute machen wollen. Wir haben uns für ein 4-2-3-1 entschieden, obwohl wir anders geplant hatten. Aber es geht nicht darum, unsere Vorstellung derzeit an den Tag zu legen, sondern nur das zu machen, was die Mannschaft derzeit kann. Und wir denken, dass wir in diesem System sehr kompakt sein werden. Wir wollen dieses Spiel gewinnen.“

    David Wagner (Trainer FC Schalke 04) ...

    ... zur Wertigkeit des Derbys angesichts der Geisterkulisse: „Die Rivalität verändert sich nicht dadurch, dass wir das Spiel heute ohne Zuschauer austragen. Von dem her bleibt das für uns ein ganz großes Spiel. Dass die Umstände anders sind, ist sehr schade. Aber das gilt es anzunehmen. So ein Spiel hat ein anderes Ambiente verdient, aber es hilft nichts, in der Vergangenheit zu schwelgen.“

    ... zum Spiel: „Möglich ist alles. Wir haben alle relativ wenig Ahnung, wie das Spiel sein wird. Wir haben alle sehr wenig zusammen trainiert. Das hat sowohl Aspekte, was die Fitness betrifft als auch Aspekte, was die Taktik und die Harmonie zueinander betrifft. Ich bin sehr gespannt, wie es hier und auch in den anderen Stadien aussehen wird.“

    Hans-Joachim Watzke (Vorsitzender der Geschäftsführung Borussia Dortmund) ...

    ... zu seinen Spielritualen: „Das hat sich heute komplett geändert. Ich werde nach dem Spiel auch nicht in die Kabine gehen, weil wir alle Risiken minimieren wollen. Es hat schon etwas surreales, wenn du in den letzten zwei Stunden vor Anpfiff aus aller Welt SMS bekommst, dass die Leute heute vorm Fernseher sitzen und dann fährst du durch deine Stadt und es ist überhaupt nichts los. Das ist schon gewöhnungsbedürftig.“

    ... zur Nervosität vor dem Derby: „Es geht nicht um Nervosität. Ich bin aus zwei Gründen sehr angespannt. Zum einen natürlich aus sportlicher Perspektive, aber natürlich auch wegen der Frage, ob heute alles glatt geht. Man spürt als Verantwortlicher eines Bundesligisten eine Riesenverantwortung. Das ist schon ordentlich. Ich bin aber am Ende schon froh, dass es nun weitergeht.“

    ... zu Risikofaktoren innerhalb des Konzepts: „Die Risikofaktoren sind überall dort, wo menschliches Versagen ins Spiel kommt. Aber das hat man auf der ganzen Welt. Wir haben ein Konzept gemacht, bei dem international jeder nachfragt, weil er das gerne hätte. Das haben Christian Seifert und seine Taskforce schon top gelöst. Das wir heute wieder spielen dürfen, ist auch ein Riesenkompliment an die Politik, weil die hat auch offensichtlich sehr viel richtig gemacht, sonst wären wir nicht so viel besser dran, als viele andere Länder.“

    ... zur Umsetzung der Hygienemaßnahmen in der Mannschaft: „Ich habe sehr großes Vertrauen in unser Team. Ich glaube, dass die Spieler in ganz überwiegendem Maße gut damit umgehen.“

    ... zur geringen Zustimmung der Gesellschaft bei der Bundesliga-Fortsetzung: „Ich merke auch, dass es den einen oder anderen Politiker aus der zweiten und dritten Reihe gibt, der sich derzeit am Fußball abarbeitet und Stimmung macht. Das müssen wir aushalten. Es fremdeln auch viele mit dem Thema Geisterspiele. Dann gibt es auch die Diskussion, dass im Fußball in letzter Zeit nicht immer alles richtig gelaufen ist. Ich bin sicher, wenn wir beweisen, dass das Konzept funktioniert, wird die Zustimmungsrate in den nächsten Wochen wachsen.“

    ... zum Kontakt mit Jürgen Klopp: „Wir haben die ganze Woche über geschrieben und telefoniert. Ich weiß, dass er vor dem Fernseher sitzt. Er freut sich auch wahnsinnig darüber, dass er heute dieses Spiel sehen kann.“


    Sky Experte Dietmar Hamann ...

    ... zum Restart: „Wir wissen alle, dass es ein Tanz auf der Rasierklinge ist. Die DFL hat ein gutes Konzept vorgelegt, was die Politik abgesegnet hat. Wir müssen versuchen, positiv zu bleiben. Wir haben über Wochen schlechte Nachrichten gehabt. Es gibt in verschiedenen Sparten Lockerungen. Deshalb ist es wichtig, dass man dem Neustart der Bundesliga auch eine Chance gibt. Für mich ist es eine populistische Diskussion, ob es dafür noch zu früh ist. Wir werden in zwei Wochen oder zwei Monaten auch keine andere Situation haben. Im Moment ist es alternativlos, dass wir ohne Fans spielen – auch wenn es sehr bitter ist. Aber so verantwortungsvoll wie die Leute in den letzten Wochen mit der Krise umgegangen sind, bin ich zuversichtlich, dass die Gesellschaft, der Sport und auch der Fußball gestärkt daraus hervorgehen werden.“

    ... zur Erhöhung der Auswechselmöglichkeiten: „Das macht wahrscheinlich Sinn, weil die Mannschaften erst seit wenigen Wochen im Mannschaftstraining sind. Es sollte auch nicht der Fall sein, dass man in den letzten Minuten fünfmal wechselt und das Spiel so runterdreht. Dem hat man ja auch vorgebeugt. Natürlich hoffen wir, dass das schnellstmöglich auf drei zurückgehen kann, wenn sich wieder alles normalisiert hat.“

    ... zur Abstiegsfrage bei einem Saisonabbruch: „Sollte die Saison nicht zu Ende gespielt werden können und es ist mathematisch zu diesem Zeitpunkt noch möglich, dass du drinbleiben kannst, dann halte ich es für ausgeschlossen, dass du jemanden absteigen lässt. Das ist nicht im Sinne des sportlichen Wettbewerbs und einfach nicht fair. Dann würde die Solidarität der Vereine auf eine harte Probe gestellt, weil es da wohl verschiedene Meinungen gibt.“

    ... zur Qualität der Spiele: „Wenn der Ball rollt, werden die Spieler schnell wieder im Wettkampfmodus sein. Auf die aktuelle Situation kannst du dich natürlich nur schwer vorbereiten, aber die meisten Mannschaften werden sich mit ihrem Trainerteam und Psychologen etwas einfallen lassen haben. Ich glaube, dass wir gute Spiele sehen werden.“

    ... zu Düsseldorf gegen Paderborn: „Das ist ein Sechs-Punkte-Spiel. Wenn Paderborn heute verliert, wird es nahezu unmöglich nochmal zurückzukommen bei neun Punkten Rückstand auf Düsseldorf. Für Paderborn gilt heute: Alles nur keine Niederlage.“

    ... zu Leipzig: „Sie sind immer vom Start weg mit ihrem intensiven Pressing da. Sie haben zudem die jüngste Mannschaft. Das ist eine Sache, die im Saisonendspurt zusätzlich für sie sprechen könnte. Sie haben dadurch im Verhältnis weniger Spieler mit Familie. Je älter du wirst, machst du dir natürlich schon mehr Gedanken.“

    ... zum Revierderby: „Es wird ein schweres Spiel für die Dortmunder. Sie haben gegenüber der letzten Ansetzung Spieler verloren und die Schalker haben welche zurückbekommen. Das wird eine heiße Partie.“

    ... zu Heiko Herrlich: „Ich war sehr überrascht und habe dafür sehr viel Unverständnis. Die DFL hat in viel Kleinarbeit ein Konzept erstellt, dass nur funktioniert, wenn sich die 1700 Leute dranhalten. Als Spieler kannst du das noch mit jugendlichem Leichtsinn entschuldigen, aber nicht bei einem Trainer. Heiko Herrlich hat jetzt in Augsburg einen Glaubwürdigkeits- und Respektsverlust. Er muss jetzt erst versuchen, den bei seinen Spielern wieder wettzumachen. Wenn Trainer erstmal angekrazt sind, ist das unheimlich schwer zurückzubekommen.“

    ... zur Hertha: „Ich glaube, dass Bruno Labbadia es gut hinbekommen wird. Er hat einen unheimlichen Willen und eine große Empathie. Er wird diese ganze Konstellation aus meiner Sicht gut in den Griff bekommen. Das Konstrukt mit eine Trainerberater im Aufsichtsrat sehe ich dagegen sehr kritisch und ich finde, dass es diese Konstrukte in der Zukunft angesichts der drohenden Interessenkonflikte auch nicht geben darf.“

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