Resozialisierung ist die älteste Säule der DFB-Stiftung Sepp Herberger. In diesen Tagen findet eine Aktionswoche anlässlich des ersten Besuches von Sepp Herberger in einer Justizvollzugsanstalt vor genau 50 Jahren statt. Am Mittwoch waren Trainerlegende Otto Rehhagel, SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil, Hubertus Hess-Grunewald, Präsident des SV Werder Bremen, und Michael Herberger, Urgroßneffe des „Chefs“, in der Jugendanstalt im niedersächsischen Hameln zu Gast. Das Motto der Initiative lautet passenderweise „Anstoß für ein neues Leben“.

Wie können Strafgefangene den Weg zurück in die Gesellschaft finden? Und welche Rolle kann der Fußball dabei spielen? Diese beiden Fragen haben Sepp Herberger zu Lebzeiten stets beschäftigt. Deshalb hat der Weltmeistertrainer von 1954 vor genau 50 Jahren erstmals eine Justizvollzugsanstalt besucht – und er war beeindruckt von den Menschen, die er dort getroffen hat. Der „Chef“ hat es sich anschließend zur Lebensaufgabe gemacht, den Insassen eine Perspektive für ihr Leben nach der Haftstrafe aufzuzeigen.

Heute führt die DFB-Stiftung Sepp Herberger dieses Ansinnen fort und organisiert in diesen Tagen anlässlich des Jubiläums eine Aktionswoche, in der prominente Persönlichkeiten verschiedene Haftanstalten in ganz Deutschland besuchen. Den Anfang gemacht hat Axel Roos. Der Rekordspieler des 1. FC Kaiserslautern war am Montag in der JSA Schifferstadt (Rheinland-Pfalz) zu Gast und hat die zahlreichen Fragen der Häftlinge der sogenannten „Anstoß-Mannschaft“ beantwortet und ihnen einen Weg aufgezeigt, wie sie beispielsweise durch die Gemeinschaft eines Fußballvereins den Schritt zurück in die Gesellschaft schaffen können.

Eine Reise in die Vergangenheit mit Otto Rehhagel
Ein weiteres Highlight war der Besuch der Stiftungskuratoren Otto Rehhagel, SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil und Michael Herberger in der JA Hameln. Gemeinsam mit Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald besuchten sie die einzige Jugendstrafanstalt in Niedersachsen. „Ihr habt nur ein Leben und noch eine Chance, die müsst ihr nutzen“, gab Rehhagel den wissbegierigen Inhaftierten mit auf den Weg. Der 82-Jährige nahm seine Zuhörer mit auf eine Reise in die Vergangenheit und erzählte lebhaft von seinen Erlebnissen in der Fußball-Bundesliga. Außerdem verriet Rehhagel, wie der Sensationserfolg mit dem 1. FC Kaiserslautern möglich war, mit dem „König Otto“ 1998 als Aufsteiger deutscher Meister wurde – ein bis heute einmaliges Ereignis. Und auch der Gewinn der Europameisterschaft 2004 mit dem krassen Außenseiter Griechenland durfte natürlich nicht fehlen.

Während Lars Klingbeil erstmals eine Haftanstalt besuchte, war es für Hubertus Hess-Grunewald ein Wiederholungsbesuch. Seit mehreren Jahren engagieren sich die die Bremer gemeinsam mit der Sepp-Herberger-Stiftung für die Strafgefangenen in Hameln. Michael Herberger antwortete auf die Frage der Insassen, ob es für ihn eher Verpflichtung oder Ehre sei, die Ideen seines Urgroßonkels weiterleben zu lassen, dass beides der Fall sei: „Ein Thema wie die Resozialisierung von Strafgefangenen beschäftigt mich selbst auch sehr. Was mich in den vielen Gesprächen, die ich immer wieder über Sepp Herberger führe, wirklich faszinierend finde, ist die Tatsache, dass noch niemals irgendjemand etwas Schlechtes über ihn gesagt hat.“

Die Leitung der Anstalt nutzte den prominenten Besuch, um den Gästen zwei neu eingerichteten Komplexe zu zeigen: Einerseits einen Bereich, in dem der Schwerpunkt auf psychologischer Betreuung von auffälligen Häftlingen liegt, und andererseits den Garten der Haftanstalt, in dem Bienen in Insektenhotels leben, wodurch Honig gewonnen werden kann. Nach drei ereignisreichen, aber auch bedrückenden Stunden hinter hohen Gefängnismauern mit Stacheldraht verließen die Gäste die Jugendanstalt.

DFB-Präsident Fritz Keller besucht die JSA Berlin
„Es war ein beeindruckender Termin mit bemerkenswerten Menschen, die sich vor und hinter den Gefängnismauern für die Jugendstrafgefangenen engagieren“, betonte Tobias Wrzesinski, Geschäftsführer der DFB-Stiftung Sepp Herberger. „Uns ist und bleibt es ein wichtiges Anliegen, den Resozialisierungsgedanken von Sepp Herberger fortzuführen und gemeinsam mit starken Partnern mit Leben zu füllen. Es gibt aus den vergangenen Jahren leuchtende Beispiele, in denen es den Jugendlichen gelungen ist, aus ihren Fehlern zu lernen und die Rückkehr ins ‚normale‘ Leben zu schaffen. Dabei haben einige auch eine neue Perspektive im Fußball gefunden. Das ist ganz großartig.“

Die Aktionswoche geht in den kommenden Tagen weiter. Am 3. Oktober ist Ex-Nationalspieler Jens Nowotny in der JVA Wuppertal-Ronsdorf (Nordrhein-Westfalen) zu Gast, am 5. Oktober DFB-Präsident Fritz Keller und Bundesministerin Christine Lambrecht in der JSA Berlin und am 7. Oktober Ottmar Hitzfeld und DFB-Vizepräsident Dirk Janotta in der JVA Bruchsal (Baden-Württemberg). Die Initiative steht unter dem Motto „Anstoß für ein neues Leben“. Organisiert wird sie von der DFB-Stiftung Sepp Herberger und der Bundesagentur für Arbeit, den Justizministerien der teilnehmenden Bundesländer, den jeweiligen DFB-Landesverbänden und weiteren Unterstützern.

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