Bremen (pps) Einen Ball durch die Gegend zu kicken, ist einfach. Doch was ist Abseits, wie funktioniert ein K.o.-Spiel und wann bekommt ein Spieler die Rote Karte? Wer die Fußball-Leitlinien nicht kennt, kann sie zwar nachlesen, doch die Formulierungen des Regelwerks stellen Menschen mit Leseschwierigkeiten - und nicht nur diese! - vor große Probleme.

Das „Büro für Leichte Sprache“ der Lebenshilfe Bremen und die Corporate-Social-Responsibility-Marke des SV Werder Bremen, WERDER BEWEGT – LEBENSLANG, haben mit Unterstützung der Sepp-Herberger-Stiftung und der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen (BAG WfbM) die Fußballregeln des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nun in einfaches Deutsch übersetzt und mit verständlichen Grafiken illustriert. Die Übersetzung von Spielregeln einer Sportart in „leichte Sprache“ ist bisher bundesweit einmalig.

So heißt es in der 48-seitigen Broschüre über den Torwart: „Auf dem Spielfeld gibt es viele weiße Linien. Sie sehen aus wie Kästen. Der Kasten vor dem Tor ist der Torwart-Raum. Der heißt auch Fünf-Meter-Raum. Der größere Kasten ist der Strafraum. Der Torwart darf den Ball auch mit der Hand berühren. Andere Spieler dürfen das nicht.“ Oder über die Feldspieler: „Es gibt zehn Feldspieler. Sie haben verschiedene Aufgaben. Die Abwehrspieler passen auf, dass die andere Mannschaft kein Tor schießt. Die Mittelfeldspieler sollen den Ball zu den Stürmern spielen. Die Stürmer wollen viele Tore schießen. Darum sind sie oft weit vorne: Also nah beim Tor vom Gegner.“

„Wir freuen uns, dass es mit diesem Kooperationsprojekt gelungen ist, die wichtigsten Fußballregeln in leicht verständlicher Sprache aufzubereiten. Schön, dass wir so Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung das Regelwerk näher bringen können“, betont Karl Rothmund, der als DFB-Vizepräsident die Bereiche Nachhaltigkeit sowie Schiedsrichter verantwortet. Rothmund ist auch Vorsitzender der Sepp-Herberger-Stiftung.

Die Lebenshilfe-Mitarbeiter des Bremer „Büros für Leichte Sprache“ übersetzen im Auftrag von Behörden und Unternehmen bereits seit acht Jahren unterschiedliche Schriftstücke wie Heimverträge, Prospekte, Reden und Bescheide. Unterstützt werden die Mitarbeiter von einer Lektorin, die selbst eine Lernbehinderung hat und die Entwürfe auf Verständlichkeit überprüft.

„Die Idee, mit der Lebenshilfe die Fußballregeln in leichter Sprache zu verfassen, passte optimal zu unserem Bereich Lebenslang aktiv von WERDER BEWEGT. Wir haben eine eigene Handicap-Mannschaft, eine Blindenfußballmannschaft und arbeiten mit behinderten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen an mehreren Förderzentren“, erläutert Werder-Präsident Klaus-Dieter Fischer. Für die Mitarbeiter der Lebenshilfe war dies ein reizvolles Projekt. „Sehr viele Menschen spielen Fußball. Aber kaum jemand kann korrekt erklären, wie der DFB Abseits definiert. Von den vereinfachten Regeln profitieren nicht nur Menschen mit Handicap“, gibt der Geschäftsführer der Lebenshilfe Bremen, Andreas Hoops, zu bedenken.

Die umformulierten Fußballregeln testete Werder erstmals vor einem Jahr während des Special Youth Camps, einem Fußballtrainingslager für geistig und körperlich behinderte Kinder und Jugendliche. „Das Feedback der Teilnehmer war durchweg positiv. Daher haben wir den DFB gefragt, ob er das übersetzte Regelwerk anerkennt und unterstützt“, erinnert sich Tim Juraschek, zuständiger Projektleiter in der Abteilung CSR-Management der Grün-Weißen. Der Verband stimmte zu und holte darüber hinaus die Sepp-Herberger-Stiftung, deren Arbeits-Schwerpunkt unter anderem im Bereich Behindertensport liegt, und die BAG WfbM ins Boot. Gemeinsam mit dem SV Werder Bremen finanzierten sie den Druck von 10.000 Exemplaren. Vorgestellt wurde das Werk am Montag in Bremen unter anderem von Bundesliga-Schiedsrichter Peter Gagelmann.

Das Heft „Fußball. Die wichtigen Regeln in leichter Sprache“ kann bei der Lebenshilfe Bremen gegen Zahlung des Portos bestellt werden.

Weitere Informationen gibt es unter www.werder-bewegt.de und www.lebenshilfe-bremen.de.



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DFB-Stiftung Sepp Herberger
Tobias Wrzesinski
Stv. Geschäftsführer
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Mobil 0152 – 289 17 104
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