"Selbst ich bin noch bekannt"


Der ehemalige Fußball-Nationalspieler Wolfgang Dremmler ist ab sofort Botschafter der Sepp Herberger Stiftung. Im Interview erläutert er seine Beweggründe.


Sepp Herberger Stiftung (SHS): „Wolfgang Dremmler, Sie sind am Mittwoch im Münchner Rathaus als neuer Botschafter der Sepp Herberger-Stiftung vorgestellt worden. Mit Oliver Kahn sind Sie dann der zweite Ex-Bayern-Spieler, der sich aktiv für die Stiftung engagiert. Was hat Sie dazu bewogen?“

Dremmler: „Ich bin jetzt 58 Jahre alt. Ich war 18, als ich noch als Amateur bei Union Salzgitter spielte. Mein damaliger Trainer Hannes Wittfoth war Leiter der Justizvollzugsanstalten in Wolfenbüttel und Braunschweig. Wir haben ihn als Jugendliche natürlich immer nur als Knastdirektor bezeichnet. Der hat mich dann mal in ein Gefängnis mitgenommen. Ich habe mich schon immer für die Menschen interessiert, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, aber bei all den Reisen mit Eintracht Braunschweig (138 Bundesligaspiele/9 Tore, die Red.), dem FC Bayern (172/6; vier Mal Deutscher Meister; drei Mal Pokalsieger) und der Nationalmannschaft (27/3; Vizeweltmeister 1982) war meine Zeit doch beschränkt.“


SHS: „1995 wurden Sie dann Chefscout bei den Bayern. Auch eine reiseintensive Aufgabe.“

Dremmler: „In der Tat. Und ich bin froh, dass ich seit dem 1. August Leiter des Jugendleistungszentrums bin. Das ist zwar auch arbeitsintensiv, gibt mir aber doch mehr Zeit, in München zu sein.“


SHS: „Wie sind Sie denn jetzt auf die Sepp Herberg Stiftung gestoßen?“

Dremmler: „Ach, das war ein Zufall. Der Willy Küffner, der lange im Bayerischen Fußball-Verband tätig war, hatte mich mal gefragt, ob ich nicht mal eine Gesprächsrunde in einer Justizvollzugsanstalt mitmachen wollte. Da habe ich dann zugesagt und auch den Geschäftsführer der Herberger Stiftung, Tobias Wrzesinski kennengelernt. Der hat mir dann die Zielsetzungen vorgestellt, und dann habe ich ‚Ja‘ gesagt.“


SHS: „Was sind die Ziele?“

Dremmler: „Wir sind natürlich keine ausgebildeten Experten für Resozialisierung. Aber wir merken, welches Interesse der FC Bayern hat und wie bekannt selbst solch alten Spieler wie ich noch sind. Unser Ziel sind Diskussionsrunden, um den Gefangenen zu beweisen, dass man aus einem Teufelskreis herauskommen kann. Unser Ziel sind Fußball-Turniere, um zu beweisen, wie stark man gemeinsam sein kann. Unser Ziel ist es, über den Fußball auch dafür zu plädieren, einen Gegner zu akzeptieren. Nordrhein-Westfalen ist auf diesem Weg vorbildlich. Ich muss mich noch kundig machen, ob auch die Absolvierung eines Trainer-B-Scheines oder eine Schiedsrichterausbildung in Bayern in Haftanstalten möglich ist.“


SHS: „Nach unseren Informationen ist das nicht ihr erstes soziales Engagement?“

Dremmler: „Ach, wissen Sie, wenn man als Scout die verschiedensten Kulturen der Welt kennengelernt hat oder jetzt für all die Jugendlichen mitverantwortlich ist, die eigenen Kinder glücklich sind, da will man auch etwas zurückgeben. Es stimmt, Paul Breitner hat mich mal zur ‚Münchner Tafel‘ mitgenommen. Da werden jeden Montag an Bedürftige für eine Woche Lebensmittel verteilt, die bei den großen Ketten weggeworfen würden. Noch wichtiger als die Nahrung ist oft der Bedarf nach Gesprächen. Wir bauen dann montags ein paar Stände auf und sind von 11.30 Uhr bis rund 14.30 Uhr da. Eine Art verlängerte Mittagspause für mich. Es tut gut - auch mir“

(Rainer Kalb)

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