• „Er ist viel professioneller und konzentrierter in seiner Arbeit geworden“
  • „Wir haben viel Arbeit in seine schnellen Beine investiert“
  • „Er hat noch viel unausgeschöpftes Potenzial“

    HalleWestfalen (12. Juni) -
    Peter Gojowczyk ist der deutsche Überraschungsspieler dieser Tennissaison. Der 24-jährige Dachauer spielte sich vor allem durch seinen Davis Cup-Sieg in Frankreich gegen Jo-Wilfried Tsonga in den Blickpunkt. Hinter Gojowczyks Erfolgen steht Trainer Lars Uebel, aber auch Mental- und Fitnesscoach Carlo Thränhardt (56). Der frühere Weltklasse-Hochspringer, der immer noch den Hallen-Europarekord mit 2,42 Meter hält, spricht im Interview mit dem Pressedienst der GERRY WEBER OPEN über Gojowczyks Aufschwung. Einen Aufschwung, der sich auch bei Deutschlands einzigem Rasentennis-Turnier dokumentiert: Hier steht „Gojo“ nach einem Zweitrundencoup gegen den Kanadier Milos Raonic bereits im Viertelfinale und trifft nun auf den Kolumbianer Alejandro Falla. Gojowczyk steht aktuell auf Platz 120 der ATP-Weltrangliste.

    ? Herr Thränhardt, wie kam es zu Ihrer Zusammenarbeit mit Peter Gojowczyk.
    Carlo Thränhardt:
    „Ich habe Peter immer mal wieder auf der Sport Scheck-Trainingsanlage in München gesehen. Und dabei habe ich festgestellt, dass es mit der Trainingsstruktur und der Nachhaltigkeit seiner Arbeit nicht ganz stimmte. Wir haben uns dann zusammengesetzt, uns intensiv unterhalten und vor anderthalb Jahren beschlossen, miteinander zu arbeiten.“

    ? Was haben Sie verändert.
    Thränhardt:
    „Training im Leistungssport - das bedeutet eine unheimlich hohe Wiederholungsintensität. Umso wichtiger ist es, stets neue Reize zu setzen. Aber alles in einer sinnvollen Struktur und Ordnung. Der Sportler muss außerdem den ständigen Anspruch haben, sich auch in diesen Trainingseinheiten, in denen sich so vieles wiederholt, verbessern zu wollen. Das klingt schlicht, ist aber ungemein wichtig.“

    ? Hat sich auch die Intensität des Trainings verändert.
    Thränhardt:
    „Absolut. Da konnte man noch eine Schippe drauflegen. Es ist absolut bedeutend, und das habe ich auch schon in meiner Arbeit damals mit Boris Becker so vermittelt, dass man jedes, absolut jedes Training sinnvoll und bewusst ausübt. Schlendrian darf da nicht einreißen. Es gilt, immer das Maximale und Optimale für sich herauszuholen. Viele im Leistungssport trainieren nur so vor sich hin, obwohl sie ja in ihrem Beruf nur einen begrenzten Zeithorizont haben, zehn, fünfzehn Jahre vielleicht.“

    ? Wie erklären Sie sich die Leistungssteigerung besonders in diesem Jahr.
    Thränhardt:
    „Sicher auch durch eine außergewöhnlich gute Vorbereitungszeit, die er mit dem ganzen Team hatte, also auch mit Lars Uebel. Wir konnten von Mitte November bis zur Weihnachtszeit hochkonzentriert arbeiten, wir haben viele Tempoläufe draußen machen können, das milde Wetter hat das natürlich begünstigt. Wir haben viel Arbeit in seine schnellen Beine investiert, es zahlt sich dann irgendwann aus, wenn du eine Zehntelsekunde schneller am Ball bist und die Rückhand besser spielst. So wie auch in einem Spiel gegen jemanden wie Milos Raonic in Halle. Da kommt ihm auch zugute, dass er schnell unterwegs ist, schnell reagiert, mit ganz fixen Bewegungen.“

    ? Worauf wird in einer Turnierwoche Wert gelegt.
    Thränhardt:
    „Grundsätzlich ist die Fitness sehr gut bei ihm. Aber du musst bei so einem Turniereinsatz immer schauen: Was ist wichtig, was ist gegen einen bestimmten Gegner wichtig. Das heißt, es ist hohe Professionalität gefragt. Du musst immer hellwach sein, deine Antennen ausfahren. Schauen auf dich und deine Gegner. Ich versuche ihn natürlich gezielt auf die Spiele vorzubereiten, vor dem Spiel gegen Raonic ging es darum, die Reaktionsfähigkeit noch mal zu stärken. Aber Peter zieht da klasse mit, er ist einfach ein guter Junge.

    ? Es scheint fast, als habe er in dieser Phase seiner Karriere auch eine Art Mentor gebraucht.
    Thränhardt:
    „Ich glaube, er ist jetzt mit diesem ganzen Team gut aufgestellt, hat noch große Entwicklungspotenziale. Ein bisschen habe ich mich selbst in ihm wiedererkannt. Ich war selbst schon Rekordspringer damals, dachte aber, ich sei schon gut genug. Ich traute mir gar nicht viel mehr zu, bevor ich dann Hilfe von einem Freund bekam. Ich denke, dass die Situation jetzt vergleichbar war. Peter wusste selbst nicht, wie gut er eigentlich sein konnte. So gut, dass er sogar einen Jo-Wilfried Tsonga in einem Davis Cup-Match schlagen konnte und auch ins Halbfinale von Doha einzog. Leider warf ihn im Frühjahr eine Zehenentzündung ein wenig zurück, da konnten wir auch nicht so trainieren, wie wir wollten. Nun aber geben wir wieder Gas.

    ? Sie arbeiten ja auch im mentalen Bereich mit ihm. Wie bringt man einen Sportler dazu, seine Stärken im Wettkampf ganz einzubringen und in den entscheidenden Momenten sein bestes Tennis zu spielen.
    Thränhardt:
    „Das funktioniert in jedem Fall nicht so, dass man hergeht und sagt: Jetzt machen wir mal Mentalcoaching. Das ist eher ein ganzheitlicher Ansatz. Das Selbstbewusstsein kommt vor allem daher, dass man sich optimal vorbereitet fühlt, dass man weiß: Du hast deine Aufgaben erledigt. Wie kann ich mental stark sein, wenn ich mein Training verschiebe, wenn ich nicht 100 Prozent trainiere, wenn ich nicht diese Professionalität habe in diesem extrem herausfordernden Beruf. Wenn ich aber weiß: Ich habe alles getan für dieses Spiel heute, ich habe richtig gut gearbeitet, dann kommt diese psychische Stärke auch zum Tragen.


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