Hennef, 29. Oktober - Einer der Nachwuchssportler, der im Rahmen der Nachwuchseliteförderung paralympisch durch die DFB-Stiftung Egidius Braun und die Deutsche Sporthilfe unterstützt wird, ist Oliver Upmann aus Mannheim (Baden-Württemberg). Der 27-jährige Student zählt zu den talentiertesten Judoka in Deutschland. Sein Ziel ist es, im Sommer 2016 bei den Paralympics in Rio de Janeiro dabei zu sein. Rainer Kalb stellt den Spitzensportler vor.

Bei Oliver Upmann steigt die Anspannung. Im November entscheidet sich, ob der sehbehinderte Judoka wieder an den Paralympics teilnehmen wird. Der Start in Rio de Janeiro ist ein großer Traum für den 27-Jährigen, der schon 2012 in London am Start war und dort den fünften Platz belegte. Eine Medaille an der Copacabana wäre dabei natürlich das Größte. Aber vor den Preis haben die Götter bekanntlich den Schweiß gesetzt. So trainiert der Student im Masterstudiengang „Finance and Accounting“ eisern, um sein großes Ziel zu verwirklichen. Im kommenden November, bei den Europameisterschaften in Lissabon, wird er wissen, ob es mit einem erneuten Paralympics-Start klappt. Allerdings ist das Punktesystem im Wettbewerb der sehbehinderten Judoka so kompliziert, „dass es sogar passieren kann, dass ich Europameister werde und trotzdem nicht in Rio an den Start gehe“, berichtet Upmann. „Deshalb kann ich gar nicht sagen, ob meine Chancen gut oder weniger gut sind. Es steht auf jeden Fall auf der Kippe.“

Zehn Trainingseinheiten pro Woche

Die Wahrscheinlichkeit, als EM-Champion nicht nach Rio zu fahren, ist zwar sehr gering, aber entscheidend ist nicht allein das Abschneiden bei der „Euro“, sondern auch die Siege gegen Gegner, die stärker oder weniger stark beeinträchtigt sind. Dafür gibt es je nach Schadensklasse Bonifikationen. Zurzeit befindet sich der Athlet vom 1. Mannheimer JC in der Vorbereitungsphase für die Europameisterschaft. „Rund zehn Einheiten stehen pro Woche an“, sagt er, „davon fünfmal Judo, ansonsten fünf- bis sechsmal Kraft- oder Ausdauertraining wie Laufen oder Rad fahren.“ Bei der EM 2011 in London belegte er schon einmal den dritten Platz. Aber die Konkurrenz ist seitdem noch ausgeglichener geworden, die Trauben für den Sprung auf das Podest hängen hoch.

Schon mit sechs Jahren hat er mit dem Judo begonnen - der japanischen Kampfsportart, die übersetzt „der sanfte Weg“ heißt. Das Besondere bei Oliver Upmann: er kämpft in der Regionalliga auch gegen Nichtbehinderte. „Der Unterschied ist eigentlich ganz einfach: bei den Sehbehinderten können wir vor Kampfbeginn den Griff bereits ansetzen. Deshalb sind diese Kämpfe etwas statischer und mehr von der Kraft geprägt“, skizziert er, „bei den Nicht-Behinderten sind die Griffe erst mit Beginn des Kampfes erlaubt. Deshalb ist das Tempo im Kampf höher.“ Für den Mannheimer gibt es als stark sehbehinderten Athleten keine Ausnahme, er muss sich den Regeln der Nicht-Behinderten unterwerfen, kommt damit aber gut klar. Einen Vorteil für seine Kämpfe gegen ebenfalls Sehbehinderte erkennt er nicht, weil die taktische Ausrichtung doch sehr unterschiedlich ist.

Auch als Trainer aktiv

Upmann kämpft in der 100-kg-Kategorie. Das ist die zweihöchste nach der offenen Klasse. Gibt es einen Spezialwurf der Marke Upmann, den die Gegner besonders fürchten? „Ich weiß nicht, ob die Gegner das fürchten, aber eine Spezialität von mir sind die Schulterwürfe.“ Damit hat er schon häufig seine Widersacher aufs Kreuz gelegt.

Der DFB-Stiftung Egidius Braun ist Upmann sehr dankbar für ihre Unterstützung. Der Judoka, dessen Sehvermögen schon seit Geburt stark eingeschränkt ist und sich im Laufe der Jahre noch weiter verschlechtert hat („Mein Sehvermögen liegt zwischen zwei und fünf Prozent“), genießt die Möglichkeiten: „Ich bin sehr froh, dass ich nicht noch zusätzlich arbeiten muss, sondern mich auf mein Studium und den Sport konzentrieren kann.“ Im kommenden Spätsommer will er seine Masterarbeit einreichen. Die Förderung hilft außerdem, wenn es darum geht, „gute Sportkleidung zu kaufen“.

Der gebürtige Ibbenbürener (Nordrhein-Westfalen) gibt im Übrigen sein Wissen als Trainer auch an Jugendliche im Verein weiter. Dabei gelingt es ihm, die Geheimnisse des Judo gerade Anfängern sehr anschaulich weiterzugeben. „Ich habe ein anderes Körpergefühl als Sehende und kann Judotechniken verständlicher erklären“, betont er. Bei seinem Verein in Mannheim wird somit Inklusion wirklich gelebt.

Weitere Informationen: www.egidius-braun.de/nachwuchselitefoerderung


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