Unterföhring, 21. Januar (pps) - Trainer Felix Magath erwartet zum Rückrundenstart der Fußball-Bundesliga am Freitagabend keine Überraschung. „Ich glaube nicht, dass der HSV dieses Spiel gewinnen kann, der FC Bayern kann es höchstens verlieren“, sagte Magath in einem exklusiven Studio-Interview mit Sky Sport News HD: „Der HSV kann gelassen in die Partie gehen. Gegen den FC Bayern hat man nichts zu verlieren. Eine Niederlage würde ich als normal ansehen.“

Weitere Aussagen von Felix Magath ...

... zur Situation beim Hamburger SV: „Der HSV hat eine gute Vorrunde gespielt. In Hamburg ist man rundrum zufrieden mit dem, was die Mannschaft gezeigt hat. Ich hatte schon vor der Saison geglaubt, dass der HSV nichts mit dem Abstieg zu tun hat. Die Entwicklung sollte sich jetzt stabilisieren auf diesem Niveau. Für europäische Wettbewerbe scheint mir die Mannschaft aber noch nicht reif zu sein.“

... zur Wechsel-Entscheidung von Pep Guardiola: „Es ist legitim, aber ich weiß nicht, warum er das ein halbes Jahr hingezogen hat und glaubt, es erst in der Winterpause verkünden zu müssen. Er hätte auch nach zwei Jahren bei den Bayern sagen können, ich will mal in die Premier League, das hätte ihm auch keiner übel genommen. Insofern hätte man sich das halbe Jahr sparen können. Die Situation birgt Risiken und Gefahren. Die Gefahr ist, dass der eine oder andere Spieler es jetzt etwas lockerer angeht.“

... zu den Auswirkungen von Guardiolas Entscheidung auf den FC Bayern: „Die Situation birgt Risiken und Gefahren. Die Gefahr ist, dass der eine oder andere Spieler es jetzt etwas lockerer angeht. Jeder ist gut beraten, sich hundertprozentig auf die Situation einzulassen und sich zu engagieren. Als ich Wolfsburg verlassen haben, war das ein kritischer Zeitpunkt, trotzdem haben wir die Meisterschaft gewonnen. Ich glaube nicht, dass bei den Bayern etwas anbrennt, was die Meisterschaft angeht. Bei der Champions League muss man abwarten.“

... auf die Frage, ob Guardiolas Abgang ein Verlust für Bundesliga ist: „Zunächst einmal verliert der FC Bayern einen Trainer. Wobei, es kommt ja ein neuer, und der war aus meiner Sicht bisher erfolgreicher als Pep Guardiola. Er hat mit mehr Vereinen große Erfolge gefeiert. Insofern hat der FC Bayern es verstanden, diese Personalie aufzufangen und es nicht als einen Verlust für den FC Bayern und den deutschen Fußball dastehen zu lassen.“

... auf die Frage, was die Bundesliga mit Carlo Ancelotti gewinnt: „Einen ganz erfahrenen und wahrscheinlich einen der erfolgreichsten Trainer überhaupt. So ein Trainer ist immer ein Gewinn, wobei man sagen muss, auch das birgt natürlich Gefahren. Denn als Italiener kommt er erstmal in eine neue Liga und da hat man auch am Anfang erstmal Eingewöhnungsprobleme. Es wird überall anders Fußball gespielt. Ein Italiener, wie Ancelotti, spielt gerne zu null. Der stellt sich gerne hinten rein, verteidigen und die Daumen drücken, dass vorne der liebe Gott hilft. Das ist nicht der Spielstil, den der FC Bayern unter Guardiola hatte. Insofern müssen sich der Trainer und die Mannschaft umstellen. Das ist eine ganz spannende und interessante Aufgabe in der neuen Saison.“

... zu einem möglichen Wechsel von Leroy Sané in die Premier League: „Der Spieler muss sich darüber im Klaren sein, dass er mit seinen Fähigkeiten nicht in jede Mannschaft reinpasst. Das ist auch abhängig von seinen Mitspielern. Ich würde einem jungen Spieler immer raten, sich erstmal zu stabilisieren in einem Verein. Ich wäre immer dafür, dass so ein Mann sich bei einem Top-Klub der Bundesliga zum Führungsspieler entwickelt, bevor er dann den Wechsel ins Ausland macht. In England, das muss jeder wissen, geht es ein bisschen anders zu als in der Bundesliga. Da muss sich ein Spieler gehörig umstellen.“

... zum Stuttgarter Neuzugang Kevin Großkreutz: „Von seiner Persönlichkeit her passt er nicht so in die Stuttgarter Mannschaft. Aber ich würde lieber einen Spieler verpflichten, der so eine Persönlichkeit hat. Diesen Transfer beim VfB Stuttgart finde ich daher gut.“

... zur Situation von Jürgen Klopp beim FC Liverpool: „Er ist sehr kurzfristig mitten in der Saison in die Premier League gewechselt. Das ist ein Riesenproblem, insofern ist seine Leistung nicht zu bewerten. Da lob ich mir die Fans in Chelsea, die gegen ihre Mannschaft gepfiffen haben. Jürgen Klopp muss man Zeit geben, damit er Einfluss auf die Mannschaft haben kann. Jetzt, wo er alle drei Tage spielt, muss er damit leben, was man ihm von Vereinsseite zur Verfügung gestellt hat. Das ist ein Problem, wenn eine so große Erwartungshaltung entsteht. Er kann halt nicht zaubern, er kann nur arbeiten. Im Moment fehlen ihm dazu die Mittel. Er macht bisher die Sache sehr gut, auch wenn die Erfolge nur durchschnittlich sind. Mehr kann man nicht erwarten. Messen kann man ihn erst in der neuen Saison, wenn er Vorbereitungszeit hatte und eine Mannschaft zusammenstellen konnte.“

... vergleicht den Fußball in England und Deutschland: „Die Engländer haben eine ganz andere Struktur als wir in der Bundesliga. Bei uns ist die Nationalmannschaft das Wichtigste im Fußball überhaupt. In England sind die Vereine viel stärker als der Verband, die Vereine ordnen sich da nicht stark unter. Das führt auch dazu, dass sie eine ganz andere Jugendentwicklung haben.“

... zum internationalen Stellenwert von Premier League und Bundesliga: „Die Bedeutung des englischen Fußballs ist weltweit deutlich größer als die der Bundesliga. Wenn sie in Asien im Hotel den Fernseher anschalten, dann sehen sie die Premier League. In den USA läuft die Premier League und nicht die Bundesliga. Da hat der englische Fußball einen derart großen Vorsprung. Für die Bundesliga wird es schwer, da ranzukommen. Die Entwicklung geht eher dahin, dass die Lücke noch größer wird.“