Interview mit ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein
„Ich weiß, dass ich keinen Fehler machen darf“

Zur Person: Katrin Müller-Hohenstein (44), in Erlangen geboren, Sportjournalistin, kam über verschiedene Stationen bei Radio-Sendern in Süddeutschland 2006 als Moderatorin des „aktuellen Sportstudios“ zum ZDF, pendelte bei der EM 2008 in einer „Tour de Suisse et Autriche“ als Stadion-Moderatorin von Spielort zu Spielort, moderierte ZDF-Sendungen von der Olympischen Spielen 2008 in Peking und 2010 in Vancouver.


Frauen-Power hat sich das ZDF für diese WM auf die Fahne geschrieben. Sie sind in Südafrika zum Inbegriff dieser Power geworden – Frau mit Fachkompetenz im Fußball. Fühlen Sie sich in dieser Rolle einer besonderen Beobachtung ausgesetzt, oder sehen Sie sich in der „Männer-Welt Fußballsport“ voll akzeptiert?

Müller-Hohenstein: „Beides! Ich fühle mich auf der einen Seite voll akzeptiert, weiß aber natürlich auch, dass ich in dieser Rolle beobachtet werde. Es kommt ganz darauf an, auf wen ich schaue. Aber nun habe ich diese exponierte Stellung ja bei einem solchen sportlichen Großereignis auch zum ersten Mal. Jeden männlichen ‚Neuen’ würde man sich vermutlich auch erst einmal genauer anschauen.“

Könnte es sogar sein, dass man Sie kritischer beäugt als Ihre männlichen Kollegen? Dass man (Männer) nur allzu gerne auf einen Patzer nach berühmtem Vorbild à la „Schalke 05“ wartet?

Müller-Hohenstein: „Ganz klar – ja! Da brauchen wir gar nicht lange rumreden. Ich weiß ganz einfach, dass ich keine Fehler machen darf. Interessant aber, dass z.B. die Frage nach dem Schalke 05 immer nur von Vertretern der Medien kommt! Von den Sportlern, Kollegen oder Fans spüre ich niemals irgendwelche Vorbehalte. Und ehrlich gesagt langweilt mich das Thema auch mittlerweile. Das ist eine Geschichte, die erstens Jahrzehnte her ist und zweitens heute in völlig falschem Licht dargestellt wird.“

Wie haben Sie sich auf das Thema Fußball-WM vorbereitet?

Müller-Hohenstein: „Ich habe viel geschlafen und viel gelesen, habe mich mit meinen Freunden getroffen und war mit meinem Sohn zwei Stunden vor Abflug noch ein Eis essen.“

Seit September 2009 bilden Sie mit Oliver Kahn als Experten das neue Duo im ZDF bei Länderspielen und jetzt erstmals bei einer WM. Ist das eine noch größere berufliche Herausforderung, eine Stufe höher noch als vergleichsweise die Moderation eines aktuellen Sportstudios?

Müller-Hohenstein: „Spontan hätte ich gesagt: na klar! Eine Fußball-Weltmeisterschaft ist durch nichts zu toppen. Und natürlich ist ein Achtelfinale bei einer WM sicher spannender als der dritte Spieltag in der Fußball-Bundesliga. Aber für mich ist eigentlich jede Sendung eine Herausforderung. Ich möchte immer mein Bestes geben, ob da jetzt zwei oder 28 Millionen Menschen zuschauen! Das macht für mich übrigens auch keinen Unterschied. Diese Zahlen sind so enorm, die kann ich mir gar nicht vorstellen. Ist vielleicht auch besser so.“

Wie sehen Sie die Rollen-Verteilung im Zusammenspiel mit Oliver Kahn? Bedarf es dafür einer Feinabstimmung vor jeder Sendung, oder lassen Sie sich ganz von der Aktualität der WM leiten?

Müller-Hohenstein: „Die Rollenverteilung ist klar: Ich bin die Moderatorin, er der Experte. Und natürlich besprechen wir die Themen vor einer Sendung. Für eine Feinabstimmung bleibt da allerdings kaum Zeit. Die brauchen wir auch nicht, wir kennen uns mittlerweile ganz gut, da läuft vieles spontan!“

Könnten Sie sich vorstellen, eine dauerhafte „Fernseh-Ehe“ vor der Kamera mit Oliver Kahn einzugehen?

Müller-Hohenstein: „Von mir aus gerne! Er ist unglaublich kompetent, kann viele spannende Geschichten erzählen, kann sich artikulieren und hat einen wirklich tollen Humor. Das hätte ich ihm so vor einem Jahr noch gar nicht zugetraut: Der Mann kann vor allem über sich selber lachen!“