Jo-Ann Strauss: „Südafrika hat mehr erreicht als erwartet“
„WM hat viel für unser nationales Selbstbewusstsein bewirkt“

Zur Person: Jo-Ann Strauss (29), geboren in Kapstadt, Miss Südafrika 2000, Model und Moderatorin mit eigenen TV-Shows in Südafrika, Geschäftsfrau mit starkem sozialen Engagement, Jura-Studium, Südafrika-Expertin des ZDF bei der Fußball-WM.


In Ihrer Heimat Südafrika sind Sie seit Jahren ein TV-Star. Durch Ihr Engagement beim ZDF zur Fußball-WM sind Sie jetzt auch einem Millionen-Publikum in Deutschland bekannt geworden. Was bedeutet das für Sie, haben Sie einen besonderen Bezug zu Deutschland - der Name lässt durchaus deutsche Wurzeln vermuten?

Strauss: „Ja, Sie haben Recht. Meine Vorfahren kommen aus Deutschland, genau aus dem Elsass, das damals noch deutsch war. Aber das Land kenne ich erst wirklich, seit ich einen deutschen Freund habe. Wir leben seit fünf Jahren in Kapstadt zusammen und besuchen seine Heimat regelmäßig.“

Was möchten Sie den Menschen in Deutschland mit Ihren Beiträgen im ZDF gerne vermitteln?

Strauss: „Ich war unglaublich froh, als das Angebot vom ZDF kam, den Zuschauern in Deutschland meine Heimat vorzustellen. In vielen Berichten, besonders vor der WM, wurde doch ein sehr einseitiges Bild Südafrikas gezeigt: Armut, Kriminalität und Korruption. Diese Probleme kann man nicht leugnen, aber es gibt auch viel anderes, sehr Schönes und Positives zu berichten.“

In Deutschland hat man sich vor der WM um die grundsätzliche Sicherheit in Südafrika gesorgt, auch Befürchtungen hinsichtlich des reibungslosen Ablaufs der WM gehabt. Nichts davon hat sich bislang bewahrheitet. Worin sehen Sie das Geheimnis dieses südafrikanischen Erfolges?

Strauss: „Wenn es darauf ankommt, machen wir einen Plan. Wir haben ja schon einige Großveranstaltungen erfolgreich ausgerichtet. Letztes Jahr gleichzeitig den „Confed Cup“ im Fußball, den Besuch von 30.000 englischen Fans, die ihre Rugby-Nationalmannschaft zu sechs Spielen begleitet haben, und die Ausrichtung des größten indischen Kricket-Turniers. Das wurde von Indien nach Südafrika verlegt, weil man dort Unruhen bei den Parlamentswahlen befürchtete.“

Wie schätzen Sie die Bedeutung dieser Fußball-WM für Ihr Heimatland Südafrika grundsätzlich ein?

Strauss: „Die WM hat unheimlich viel für unser nationales Selbstbewusstsein bewirkt. In den sechs Jahren seit der Vergabe der WM an Südafrika hat sich die Weltpresse mit negativen Nachrichten überschlagen. Keiner hat an uns geglaubt. Aber wir haben es geschafft – und das so erfolgreich.“

Hat das frühzeitige Ausscheiden der südafrikanischen Mannschaft nach der Vorrunde zu einem Abbruch der allgemeinen Stimmung im Lande geführt?

Strauss: „Nein, wir haben mehr erreicht, als wir erwartet haben, den Vize-Weltmeister Frankreich 2:1 geschlagen. Und jetzt feiern wir die WM-Party. Ein Radio-Moderator hat nach dem Ausscheiden gesagt, Leute, seid doch froh, jetzt können wir feiern ohne den Stress, um unsere Mannschaft bangen zu müssen. Das trifft es ein bisschen. Außerdem wollen wir natürlich gute Gastgeber für die Besucher aus aller Welt sein.“

Darf sich Südafrika, Verlierer auf der sportlichen Bühne, dennoch als Sieger dieser WM sehen? Was wird bleiben von dieser WM?

Strauss: „Auf jeden Fall als Sieger, denn das ein afrikanisches Land eine Fußball-WM, das größte Sportereignis der Welt ausstattet - und das so erfolgreich – das ist wunderbar für den ganzen Kontinent.“

Wird man Sie vielleicht auch in Zukunft, nach dieser WM, weiterhin auf deutschen Bildschirmen sehen?

Strauss: „Darüber werde ich erst nach der WM nachdenken. Auf jeden Fall werde ich im Juli Urlaub in Deutschland machen.“