• DFB-Präsident zurückhaltend beim Thema „50+1“: „Fans und Vereine müssen zuerst diskutieren und Initiative ergreifen“
  • Grindel stimmt für Videobeweis bei WM 2018: „Andere Länder sehen Videoassistenten deutlich positiver“
  • Grindel zur deutschen EM-Bewerbung für 2024: „Wollen Brücken mitten in Europa bauen“
  • Sky Experte Hamann kritisiert Mertesacker: Null-Bock-Einstellung ist respektlos

    Unterföhring, 18. März 2018
    - In „Wontorra – der Fußball-Talk“ sprachen u.a. Reinhard Grindel und Dietmar Hamann bei Sky Sport News HD über aktuelle Themen.

    DFB-Präsident Reinhard Grindel ...
    … zur Frage, ob er beim FIFA-Kongress in Bogota für die Einführung des Videobeweises bei der WM 2018 gestimmt habe:
    „Ich habe zunächst Fragen gestellt, ob die Kommunikation zwischen den Teams auf dem Rasen und im Matchcenter in Moskau sichergestellt ist. Wir dürfen das auch nicht auf die Konföderationen verteilen, sondern müssen nur solche Schiedsrichter nehmen, die bereits Erfahrungen damit in ihren heimischen Ligen gesammelt haben. Das ist alles gewährleistet und garantiert worden von Seiten der FIFA-Administration. Wobei ich sagen muss, dass ich der Einzige war, der überhaupt Stellung bezogen hat, denn die anderen Länder sehen den Videoassistenten deutlich positiver als wir hier in Deutschland.“
    … zu den Anpassungen beim Videobeweis: „Ich hoffe, dass auch gesehen wird, dass wir in Deutschland zunehmend ganze Spieltage haben wo alles gut läuft. Wir hatten sicherlich ein Problem zu Saisonbeginn. Die klare Ansage an die Videoassistenten ist im Trainingslager auf Mallorca gekommen, und wir haben auch einige personelle Veränderungen vorgenommen. Man hat deutlich gesehen, dass es bei uns besser geworden ist. Ich hoffe, dass es auch bei der WM ganz gut wird.“
    … zur Frage, ob er noch Mitglied beim HSV sei: „Ich bin nie HSV-Mitglied gewesen. Zu meiner aktiven Zeit war ich Mitglied beim SC Viktoria Hamburg. Ich habe vier Klassen über Stefan Effenberg gespielt, es waren aber leider nur Altersklassen. Ein bis zwei Jahrgänge über mir war noch Walter Junghans, der frühere Torwart von Bayern München. Ich habe in der Nähe vom alten Hamburger Rothenbaum gelebt und Autogramme von Uwe Seeler, Charly Dörfel und Willi Schulz gesammelt. Das habe ich öfter mal erzählt und das bleibt in den Klamotten hängen. Deswegen heißt es, dass ich da eine gewisse Sympathie hätte, das ist auch nicht falsch. Meine Idole sind Horst Hrubesch, Kevin Keegan und heute wird es einem nicht ganz einfach gemacht.“
    ... zum Stand der Bewerbung um die EURO 2024: „Wir arbeiten im Augenblick intensiv an unseren bid book, d.h. an unserem Bewerbungsbuch. Das wird 1600 oder 1700 Seiten umfassen mit allen möglichen Staatsgarantieren, Erklärungen der Städte und vieles andere mehr. Dort stellen wir unser Konzept vor, und das übergeben wir am 24. April dem UEFA-Präsidenten. Wir setzen darauf, dass unser Konzept am Ende erfolgreich sein wird.“
    … zu den Chancen des DFB auf eine erfolgreiche Bewerbung: „Wir müssen deutlich machen, dass wir in einer Zeit, in der in sehr vielen europäischen Ländern auf das Nationale geschaut wird, mitten in Europa zwischen den Menschen Brücken bauen wollen. Wir wollen den europäischen Gedanken auch über die Europameisterschaft tragen.“
    … zur Frage, ob der DFB nicht Stellung zum Thema „50+1“ beziehen müsse: „Ich will Ihnen sagen, warum ich das gerade nicht tun werde. Weil es in erster Linie nicht die Aufgabe des DFB ist, am Ende müssen wir es auf dem DFB-Bundestag entscheiden. Aber es sind die Vereine, die dort die Initiative ergreifen müssen für eine Veränderung. Sie müssen innerhalb der DFL den Antrag und die Rahmenbedingungen für eine Änderung der Regel vorschlagen. Ich finde, dass die Fans vor Ort viel intensiver den Dialog mit ihren Vereinen führen müssen. Wir beim DFB können mit allem leben, wenn es eine Mehrheit in den Vereinen für den Beibehalt der jetzigen Regel gibt. Von uns wird keine Initiative in eine andere Richtung kommen. Ich will mich erst einmal ganz bewusst aus der Diskussion heraushalten. Die Fans müssen mit ihren Vereinen diskutieren, welchen Weg man gehen will. Entweder sich der internationalen Wettbewerbsfähigkeit zu stellen, oder mehr Fragen der Fankultur und einer Zurückhaltung von der Kommerzialisierung in den Mittelpunkt zu stellen. Dann werden wir uns vom Verband mit den Initiativen, die es gibt, befassen.”
    ... zu den Aussagen von Per Mertesacker in Bezug auf Druck im Profifußball: „Die Menschen sind unterschiedlich, deswegen muss man auch unterschiedlich umgehen. Das Entscheidende was Per Mertesacker gesagt war, dass er sich nicht getraut hat, sich zu öffnen. Der große Gewinn des Interviews ist, dass insbesondere viele jüngere Spieler jetzt spüren, wenn sie Probleme haben und richtig Hilfe brauchen, dass solche Interviews einem den Mut geben, sich zu öffnen. Darum geht es. Ich finde, es ist eine Stärke, Schwäche zuzugeben. Ich bin Per Mertesacker dankbar, dass er mit dem Interview gerade jungen Spielern vielleicht ein Stück Kraft gegeben hat, sich zu öffnen.“

    Sky Experte Dietmar Hamann ...
    … zur Einführung des Videobeweises bei der WM 2018:
    „Es sind nur noch wenige Monate bis zur WM. Ich bin sehr skeptisch. Ich glaube, dass wir nicht weniger, sondern mehr Diskussionen haben werden. Meine Frage ist, ob es nicht eine WM zu früh ist. Ich war immer anti Videobeweis, gerade bin ich dabei zu sagen, dass wir einen Fortschritt haben.“
    ... zur Änderung der „50+1“-Regel: „In England gibt es Schauerbeispiele. Da machen einige Traditionsvereine das, was wir aufgeben wollen. Die Fankultur ist in England komplett verloren gegangen. Es hat sich ein Fußballtourismus entwickelt, wo die Leute aus der ganzen Welt kommen. Der Einheimische kann sich die Tickets nicht mehr leisten, und die Stimmung in den Stadien hat massiv darunter gelitten. Es sind Besitzer gekommen, die haben die Wappen und die Vereinsfarben geändert. Die Bluebirds in Cardiff spielen jetzt in Rot, weil das die Glücksfarbe in Malaysia ist. Ich habe große Bedenken, dass die Fankultur, die unsere Bundesliga ausmacht, komplett verloren geht.“
    ... zu den Aussagen von Per Mertesacker in Bezug auf Druck im Profifußball: „Man muss das akzeptieren und respektieren. Es steht mir nicht zu, dass zu kommentieren, wenn er das so wahrgenommen hat. Ich habe das anders wahrgenommen, für mich war Druck immer eine Anerkennung der eigenen und der Teamleistung. Umso größer die Herausforderung, umso größer die Drucksituation, umso mehr habe ich mich auf das Spiel gefreut. Jeder nimmt den Druck anders wahr. Es ist gut, dass wir uns bewusst werden, dass die Profis keine Maschinen sind.“
    ... zu weiteren Aussagen im Interview von Per Mertesacker: „Er macht noch eine andere Aussage, die für mich bedenklich ist. Er ist ja noch unter Vertrag bei Arsenal und sagt, dass er keinen Bock mehr hat und am liebsten auf der Tribüne sitzt. Er wird noch bezahlt von dem Verein und hat eine Verantwortung. Ich finde das respektlos den Fans, den Mannschaftskollegen und dem Trainer gegenüber. Dem Verein steht das Wasser bis zum Hals im Moment und dann hast du einen der Kapitäne, der sich hinstellt und sagt, dass er für den Verein nicht mehr spielen will. Ob er dann der Richtige ist, um jungen Spielern im nächsten Jahr Werte wie Identität und Loyalität zu vermitteln, da habe ich meine Zweifel.“

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