Mannheim/Hennef, 5. April - Im Mannheimer Rosengarten werden am kommenden Montag (9. April 2018) die Sepp-Herberger-Urkunden 2018 verliehen. 15 Preisträger erhalten in den Kategorien Behindertenfußball, Resozialisierung, Schule und Verein, Fußball Digital sowie Sozialwerk die mit Geld- und Sachpreisen in einer Gesamthöhe von 60.000 Euro dotierten Auszeichnungen. Platz eins in der Kategorie Schule & Verein geht an den Krusenbuscher SV. Der Journalist Rainer Kalb stellt den Klub vor.

Als wir ihn anriefen, weilte Lars Windels auf einer Messe in Paris, befand sich gerade an einem Stand. Der Software-Unternehmer ist ein viel beschäftigter Mann, der sich aber Zeit genommen hat, eine Initiative zu entwickeln, die jetzt mit der Sepp-Herberger-Urkunde im Bereich Schule & Verein ausgezeichnet wird. „Wir sind derzeit wie eine Wassermühle, die sich dreht. Es macht unheimlich Spaß“, sprudelt es aus dem Niedersachsen heraus.

Jugend fördert Jugend

„Jugend fördert Jugend“ - mit diesem Slogan hat der Krusenbuscher Sportverein aus Oldenburg ein beeindruckendes und vor allem nachahmenswertes Projekt gestartet, um gerade junge Leute für das ehrenamtliche Mitwirken im Verein zu gewinnen. Denn nachdem der Klub immer mehr Spielerinnen für den Fußball interessieren und gewinnen konnte, ging es schnell darum, ausreichend Übungsleiterinnen und Übungsleiter zu finden.

Begonnen hatte alles 2009, als die große Tochter von Windels auf einem Fußballturnier spielen sollte, aber der Trainer fehlte. Kurzerhand sprang er, der damals noch selbst in der ersten Mannschaft der Krusenbuscher kickte, ein. Alle waren begeistert. „Ratzfatz haben wir eine Schul-AG gestartet“, erinnert er sich. Aber irgendwann war der Punkt erreicht, dass die Mädchen zwar mit Begeisterung in der AG Fußball spielten, doch der Wechsel von der Grundschule auf die weiterführenden Schulen beendete auch das Fußballspielen.

„So kam die Verbindung zum Verein zustande. Der Krusenbuscher Sportverein hatte damals noch keine Mädchenmannschaft“, erinnert sich Windels. Auf einen Schlag wurden also 15 Fußball spielende Mädchen im E-Jugend-Bereich Vereinsmitglied. „Das hatte eine Sogwirkung“, so Windels. Jahr für Jahr wechselten nun bis zu 22 Kids aus der Schul-AG in den Verein. Doch irgendwann wurde der Boom ein Problem, denn es fehlten die Trainerinnen und Trainer.

Interesse am Ehrenamt wecken

Mit der ins Leben gerufenen Initiative sollte das Interesse von Jugendlichen am Ehrenamt geweckt werden, gleichzeitig wurde die Integration von Mädchen mit Migrationshintergrund gefördert. Die Mädchen – ob mit oder ohne Migrationshintergrund – sollten aus dem Stadtteil Krusenbusch über rein fußballerische Themen hinaus ins gesellschaftliche Leben integriert werden. Seit 2011 wird der Übergang von fußballinteressierten Mädchen in den Vereinsfußball durch das Projekt „Mädchen kicken mit“ (MICK) erleichtert. „Durch das im MICK-Projekt gewonnene Vertrauen zu den bekannten Bezugspersonen konnten Vorbehalte seitens etwa muslimischer Familien an einer Mitgliedschaft der Tochter in einem Sportverein frühzeitig abgebaut werden“, berichtet Windels, „dies war insbesondere ein wichtiger Schritt, da gerade aus anderen Kulturkreisen zugezogenen Familien das deutsche Vereinswesen häufig unbekannt ist.“

Begeisterung ist groß

Frühere Teilnehmerinnen helfen bis heute als Übungsleiterinnen. Der Enthusiasmus bei den Mädchen ist riesengroß. „Manchmal hatten wir sechs Spielerinnen, die beim Training assistieren wollten – und das bei 16 zu betreuenden Spielerinnen“, erzählt Windels. Das Wichtige: Sie empfinden das Training mit den Kleinen nicht als Belastung, trotz höherer Anforderungen in der Schule in den Klassen sieben und acht. „Außerdem spielt unsere C-Mädchen-Mannschaft in der Bezirksklasse in Niedersachsen, das ist die höchste Spielklasse für weibliche C-Jugendteams. Wir stehen zurzeit auf dem 2. Platz, spielen noch um die Meisterschaft. Es wird dreimal in der Woche trainiert, außerdem kicken sie noch bei den Jungs mit. Es gibt also fünf Termine in der Woche. Aber das Engagement ist einfach großartig“, berichtet er stolz.

Zwei Spielerinnen des ersten Jahrgangs sind inzwischen 18 Jahre alt. Damit können sie als erwachsene Betreuerinnen und Trainerinnen auch die versicherungstechnische Auflage gewährleisten, dass immer eine erwachsene Person bei den Einheiten dabei ist. „Wir freuen uns, dass unsere Initiative auch von der DFB-Stiftung Sepp Herberger gewürdigt wird“, meint Windels. „Als zuletzt ein Kamerateam bei uns beim Training war, fanden das die Spielerinnen einfach cool.“ Die Auszeichnung durch Deutschlands älteste Fußballstiftung soll helfen, die Motivation weiter hochzuhalten. Damit sich die Krusenbuscher Wassermühle schön weiterdreht.

Ausgezeichnet werden zudem der Saarländische Fußballverband (2. Platz) und der TSV Rudelzhausen 1948 (Bayerischer Fußball-Verband; 3. Platz).


Kontakt
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