Schalkes Fährmann zum Videobeweis: "Die Seele des Fußballs geht ein bisschen flöten"
  • Marco Bode zum Videoassistenten: „Eingreifen auf das absolut Notwendige reduzieren“
  • Bremens Aufsichtsratsvorsitzender weiter: „Bayerns Dominanz wird nachlassen“
  • Sky Experte Matthäus: „Grauzonen hat nicht der Videokeller in Köln zu beurteilen“

    Unterföhring, 26. August 2018
    - In „Wontorra – der Fußball-Talk“ sprachen u.a. Marco Bode, Ralf Fährmann, Dr. Jochen Drees und Lothar Matthäus bei Sky Sport News HD über aktuelle Themen.

    Marco Bode (Aufsichtsratsvorsitzender SV Werder Bremen) ...
    ... zum Videobeweis:
    „Ich war von Anfang an sehr skeptisch, weil eine neue Ebene entsteht: nämlich die Frage, wann greife ich ein? Die Sehnsucht nach Gerechtigkeit führt dazu, dass man zu viel eingreift. Das halte ich für sehr problematisch. Wir müssen schauen, dass man die Umsetzung optimiert. Man muss es auf das absolut Notwendige reduzieren. Nur bei krassen Fehlentscheidungen.“ // „In vielen Fällen haben wir 50:50- oder 70:30-Entscheidungen. Da hat der Videoassistent nicht einzugreifen.“
    ... zu den Ambitionen von SV Werder Bremen: „Wir wissen, dass wir die letzten Jahre nicht zufriedenstellend gespielt haben. Wir haben in den letzten Monaten aber die Erfahrung gemacht, dass wir auf einem guten Weg sind und die Ambition Europa ist entstanden. Wir wissen aber auch, dass da eine Menge passen muss, damit uns das gelingt. Wir brauchen von uns selbst konstante Leistung, aber auch ein, zwei Mannschaften, die vom Potenzial besser aufgestellt sind als wir, die aber nicht so in die Gänge kommen. Wenn das alles passt, können wir es schaffen. Die letzten Jahre war es bis Platz sechs auch nicht so weit. Jetzt sind wir mutig und ambitioniert mit dieser Zielsetzung.“
    ... zum Hannover-Spiel: „Insgesamt waren es zwei verlorene Punkte. Wenn man zu Hause startet, will man gewinnen. Am Ende waren wir nicht ganz zufrieden.“
    … zu Trainer Florian Kohfeldt: „Auch unter Skripnik und Nouri gab es Phasen, wo wir sehr optimistisch waren, wo die Mannschaft gut gespielt hat. Aber wir haben das mit beiden nicht nachhaltig hinbekommen. Ich will keine Vergleiche ziehen, aber Florian bringt vieles mit, um als Bundesliga-Trainer erfolgreich zu sein. Er hat die nötige Fachkompetenz und eine Persönlichkeit, die als Führungskraft sehr wichtig ist, und er ist jemand, der auch in der Kommunikation nach außen ein großes Talent ist.“
    … zu Julian Nagelsmanns Kampfansage an den FC Bayern München: „Er hat die offensive Variante gefehlt. Ich glaube nicht, dass es komplett unrealistisch ist. Ich gehe nicht davon aus, dass die Dominanz der Bayern so anhalten wird, es wird Herausforderer geben, die sie anhalten können. Sie sind natürlich der Topfavorit, aber die Dominanz wird nachlassen.“

    Dr. Jochen Drees (Projektleiter Videoassistent) ...
    … zur Rolle des Videoassistenten:
    „Es sind viele Sachen nicht gut gelaufen. Wir diskutieren intern und sehen Bedarf, weiter ins Detail zu gehen. Wir müssen dahin kommen, die beteiligten Personen darauf zu sensibilisieren, dass es Assistent und nicht Schiedsrichter heißt. Wir waren davon ausgegangen, dass das Rollenverständnis besser aufgenommen wurde. Aber wir haben gesehen, dass wir immer weiterarbeiten müssen. Wir müssen kontinuierlich mit den Assistenten arbeiten.“ // „Der Assistent soll nicht bei den interpretierbaren, grauen Entscheidungen eingreifen, sondern nur bei den glasklaren Entscheidungen. Bei Situationen, die klar aufzulösen sind. Die Assistenten in Köln müssen sich auf diese Sache beschränken. Der Schiri auf dem Feld ist der Chef.“
    … zum Spiel in Wolfsburg: „In beiden Szenen war die Entscheidung auf dem Platz richtig und nachvollziehbar. Letztendlich ist das die Hoheit vom Schiedsrichter, da tat mir Patrick Ittrich tatsächlich etwas leid, weil er eigentlich Entscheidungen, die ich nicht als falsch empfunden habe, korrigieren musste. Man hat es an den Bildern gesehen, dass er sich damit nicht wohlfühlte. Wahrscheinlich hat die Angst davor, Fehler zu übersehen, dazu geführt, dass das in den beiden Szenen nicht gut gelöst worden ist. Ich finde, bei beiden Entscheidungen ist das kein Thema für die Video-Assistenz, sondern das sind Situationen, die der Schiedsrichter zu bewerten hat."
    … auf die Frage, ob es einem Bruch im Spiel gibt durch den Videoassistenten: „Ja, deswegen ist das Ziel, möglichst wenig einzugreifen. Es ist ein Prozess. Wir müssen uns wahrscheinlich daran gewöhnen, dass sich der Charakter des Spiels verändert.“
    … zur Transparenz: „Es ist richtig, dass wir die Informationen deutlicher nach außen transportieren können. Das ist aus technischen Gründen teilweise noch nicht möglich. Das müssen wir als Prozess verstehen, wo wir uns hin entwickeln können. Das Ziel soll sein, dass wir das später im Stadion auf der Leinwand zeigen können und mit den Kommentatoren im Austausch stehen.“

    Ralf Fährmann (Torwart FC Schalke 04) ...
    ... zum Videobeweis:
    „Es gibt immer eine Mannschaft, die profitiert. Heute ist es für uns ein bisschen bitter, darüber zu urteilen. Wir drehen uns da ein bisschen im Kreis, es wird jeden Spieltag diskutiert. Die Schiedsrichter sind immer die Leidtragenden. Momentan geht die Seele des Fußballs ein bisschen flöten.“
    … zum Eingreifen des Videoassistenten im Spiel gegen Wolfsburg: „Es waren keine krassen Fehlentscheidungen. Beide Entscheidungen aus dem Spiel heraus waren vertretbar.“
    ... zum Spiel gegen Wolfsburg: „Der Schiri ist nicht schuld, dass wir verloren haben. Wir hatten viele Möglichkeiten. Es ist sehr bitter gelaufen für uns, aber ich bin guter Dinge, dass das Pech jetzt aufgebraucht ist.“
    … zum Saisonziel: „Die Saison ist wahnsinnig lang. Das ist kein Marathon, das ist ein Ironman. Da müssen viele Phasen überstanden werden. Wir müssen neue Spieler integrieren und Abgänge kompensieren. Wir sind am Anfang und müssen von Spieltag zu Spieltag wachsen. Wir haben uns letzte Saison nicht vorne irgendwo reingeredet, das machen wir auch dieses Jahr nicht.“
    … zur möglichen Verpflichtung von Sebastian Rudy: „Wenn wir noch jemanden verpflichten, dann muss er die Mannschaft stärker machen. Sie müssen mit Qualität den Kader stärken. Rudy wäre dafür ein Kandidat, aber es liegt nicht in meiner Macht, darüber zu urteilen. Der Glaube an uns ist so groß, dass wir sagen, wir brauchen keine Verstärkung. Aber wenn einer kommt, der uns verstärkt, dann wird der mit offenen Armen empfangen.“

    Sky Experte Lothar Matthäus ...
    … zum Videobeweis:
    „Der Schiedsrichter ist mehr unter Druck, weil er ständig unter Beobachtung steht. Ich stelle mir das ein wenig wie bei der Führerscheinprüfung vor. Wenn der Fahrlehrer neben dir sitzt, bist du blockiert. Wenn dir keiner die ganze Zeit über die Schulter guckt, dann fährst du ganz anders. Der Videoassistent ist für mich das größere Problem als der Schiedsrichter auf dem Platz.“
    … zum umstrittenen Eingreifen des Videoassistenten in Wolfsburg: „Das sind Grauzonen, die hat nicht der Videokeller in Köln zu beurteilen. Das macht der Schiedsrichter auf dem Platz. Wenn er total falschliegt, dann muss der Videoassistent einspringen.“
    … zur Frage, ob der FC Bayern München nach der Verletzung von Coman auf dem Transfermarkt tätig werden sollte: „Natürlich ist er ein wichtiger Spieler. Er war in hervorragender Form, er ist ein toller Spieler und ganz sicher ein Verlust für den FC Bayern. Für mich müssen sie aber nicht nachkaufen. Ein Einkauf muss Sinn machen. Coman fällt zwei bis drei Monate aus und Bayern hat Optionen im Kader. Man hat schon gemerkt, was für Probleme auf Kovac bei so einem großen Kader zukommen, wenn alle fit sind.“
    … zu Innenverteidiger-Position beim FC Bayern München: „Ich glaube, dass auch Boateng Schwächen hatte in den letzten Monaten und Jahren und auch bei der Weltmeisterschaft. Der einzige gesetzte Innenverteidiger ist für mich Süle, der jüngste. Das Dabeisein bei der Weltmeisterschaft hat ihm Selbstbewusstsein gegeben. Er ist für mich der, der bei wichtigen Spielen gesetzt ist. Der Nebenmann wird zwischen Boateng und Hummels ermittelt.“
    … zu den Ambitionen von SV Werder Bremen: „Es muss schon vieles passen, wenn es am Ende zu Europa reichen soll. Es wird ein schweres Unterfangen, aber ich finde die Zielsetzung nicht nur mutig, sondern auch gut. Damit gibt man den Spielern keine Ausrede.“
    … zu den Meisterschaftskandidaten: „Leverkusen hat hohes Potenzial. Sie sind noch sehr jung und unerfahren. Wenn sie lernen, damit umzugehen, dann kann das Potenzial die Mannschaft sehr weit bringen. Ich glaube, Leverkusen hat eine große Zukunft von sich, wenn sie diese Mannschaft zusammenhalten können.“

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