• Allofs über Hoeneß: „Was Breitner angeht, ist er einfach zu weit gegangen“
  • Berthold über Causa Ribery: „Das ist des Vereins nicht würdig“
  • Ex-Weltmeister kritisiert Hannover-Präsident Kind: „Blauäugig, naiv, keinen Plan, keine Philosophie“
  • Sky Experte Fjörtoft über Hannover: „Sie sind genau da, wo sie sein sollen“


    Unterföhring, 2. Dezember 2018 -
    In „Wontorra – der Fußball-Talk“ sprachen u.a. Klaus Allofs, Thomas Berthold und Jan Aage Fjörtoft bei Sky Sport News HD über aktuelle Themen.


    Klaus Allofs (ehemaliger Geschäftsführer Werder Bremen und VfL Wolfsburg) ...
    … zur Rückendeckung für Niko Kovac von der Führung des FC Bayern München:
    „Die Aussagen, die die Bayern-Verantwortlichen jetzt auf der Jahreshauptversammlung gemacht haben, sind ja eigentlich nur eine Folge der Aussagen nach dem Düsseldorf-Spiel. Da hat man die Tür ein bisschen aufgemacht, deswegen musste man jetzt handeln. Wenn man die Tür nur einen Spalt aufmacht, dann geht die Diskussion los. Deswegen gibt es immer nur: Bekenntnis zum Trainer, Bekenntnis zum Trainer, Bekenntnis zum Trainer. Ansonsten hat man keine Ruhe und dann fängt es auch bei den Spielern an zu wackeln und eine Lawine kommt ins Rollen.“

    … über die Zielsetzung Bremens, sich für die Europa League zu qualifizieren: „Das war sehr mutig. Das ist immer eine Gratwanderung. Wenn man kein hohes Ziel ausgibt, ist man ängstlich oder hat keine Ambitionen. Ich glaube, Bremen wurde auch von den eigenen Fans ein bisschen dahin getrieben. Die haben gesagt, jetzt muss eigentlich mehr kommen, wir haben uns in den vergangenen Jahren immer ein bisschen gesteigert. Ich finde es auch grundsätzlich nicht verkehrt, dass man die Spieler fordert. Aber bei Werder muss viel zusammenkommen, man darf keine Verletzten haben, mit Philipp Bargfrede ist aber wieder ein wichtiger Spieler verletzt. Vorne sind sie abhängig, ob Max Kruse funktioniert und Tore macht oder vorbereitet. Der Torwart muss so halten wie er das eigentlich zuletzt gemacht hat. Wenn alles zusammenkommt, hat Bremen schon eine gute Chance oben mitzuspielen, aber es kann eben auch eine Serie kommen, in der man drei Spiele hintereinander verliert. Der Zug ist noch nicht abgefahren.“

    … über die Kritik der Mitglieder an Uli Hoeneß auf der Jahreshauptversammlung: „Ich glaube, das war eine große Überraschung für ihn. Ich glaube, er ist im Innersten der Überzeugung, dass alle Bayern-Fans hinter ihm stehen, dass er so viel geleistet hat für den Verein, dass er den Verein irgendwann vorbereitet übergeben wird. Diese Überzeugung hat er. Ich glaube nicht, dass er die Situation so eingeschätzt hat, dass in den vergangenen Wochen und Monaten einige Dinge passiert sind – auch von seiner Seite, die nicht Bayern-like waren. Dadurch hat er ein bisschen seine Unantastbarkeit oder Immunität verloren hat. Dass Leute es dann wagen, ihn so zu kritisieren, dass es so ein Pfeifkonzert gibt, das ist schon außergewöhnlich. Da muss vorher schon etwas passiert sein.“

    … über Mega-Einkäufe bei Bayern München: „Die Topstars wollen eine echte Chance haben, die Champions League zu gewinnen. Das liegt im Moment in weiter Ferne beim FC Bayern. Ich glaube auch, dass 200 Millionen, die sich nach ganz, ganz viel Geld anhören, nicht genug sind, um sich die ersten Drei aus dem Regal zu nehmen und zu sagen, ich möchte den und den und den. Da reichen 200 Millionen nicht aus. Ein gutes Scouting ist gefragt. Man muss sehr intelligent jetzt einkaufen.“

    … über die Verbannung von Paul Breitner von der Münchner Ehrentribüne: „Als Verantwortlicher mag man es natürlich nicht so gern, wenn Querschläger von Ex-Spielern kommen. Auf der anderen Seite muss man auch eine gewisse Toleranz zeigen und ich glaube, was Paul Breitner angeht, ist er einfach zu weit gegangen. Er hat seine Verdiente für den Verein. Da sollte Uli Hoeneß milder sein.“


    Thomas Berthold (Weltmeister 1990 und ehemaliger Bayern-Spieler) ...
    … zur Trainerdiskussion beim FC Bayern München:
    „Die Trainerdiskussion ist bis zur Winterpause beendet. Ich glaube nicht, dass sie noch schauen, wie die Spiele demnächst ausgehen, ob in die eine oder andere Richtung. Dann kannst du im Winter ein kleines Zwischenfazit ziehen. Die ganz großen Trainer – ob es Antonio Conte oder Zinedine Zidane sind – würden in der Winterpause ja gar nicht kommen. Die fangen in der Sommerpause an. Und das ist das nächste Thema: Die kommen meistens mit einem großen Stab. Das wollen sie wieder nicht, weil das auch gewisse Risiken birgt, also wird der Markt schon kleiner. Dann wollen sie auch einen deutschsprachigen Trainer haben, dann wird der Markt nochmal kleiner. Du hast da nicht mehr so viele Optionen und irgendwann musst dich entscheiden. Du musst ja auch planen für die nächste Saison.“

    … zur Kompetenzverteilung bei den Münchnern: „Das große Thema in dem Klub ist ein anderes: Sie geben zu viel Angriffsfläche. Du musst eine klare Kompetenzverteilung definieren, denn wenn die Spieler wissen, du kannst einmal da hin fahren, da einmal einen Kaffee trinken und reden. Mit jedem Gespräch wird der Trainer geschwächt. Das ist ein Thema, das Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge betrifft. Das heißt, sie müssen in sich gehen und sich grundsätzlich die Frage stellen, ist das noch zeitgemäß oder nicht? Ich glaube, es ist nicht mehr zeitgemäß, weil so wird es für jeden Trainer und Sportdirektor schwer, der im Amt ist.“

    … zur Frage, wie abstiegsgefährdet Hannover 96 ist: „Nach dem Spieltag: sehr gefährdet. Klar, es gibt noch Konkurrenten mit Fortuna Düsseldorf und dem FC Nürnberg, die Aufsteiger sind und generell immer als potenzieller Abstiegskandidat gelten. Aber der Gesamtauftritt gestern, da stimmt fast gar nichts in der Mannschaft. Der Trainer gibt die Richtung vor und muss einer Mannschaft ein Gesicht verpassen. Einstellung, Taktik, das sind Dinge, die liegen ganz klar beim Trainer. Das ist für mich nur eine Frage der Zeit, wie lang Martin Kind da noch die Füße still hält – wahrscheinlich nicht mehr lang.“

    … über Hannover 96 und Präsident Martin Kind: „Was mich an dem Projekt Hannover 96 im Zusammenhang mit Martin Kind immer wundert: Auf der einen Seite ist er ein großer Unternehmer, der weiß, wie man eine Firma strukturiert, wie man einen Markt angeht, wie man ein Produkt entwickelt und auf der anderen Seite im Thema Fußball ist er blauäugig, naiv, hat keinen Plan, keine Philosophie, hört auf ein paar Flüsterer – vielleicht die falschen. So kannst du keine Bundesliga-Mannschaft führen.“

    … über die Kritik der Mitglieder an Uli Hoeneß auf der Jahreshauptversammlung: „Die Älteren stehen immer noch zu der Art der Unternehmensführung. Die Jüngeren sehen das differenzierter. Mit ein bisschen Abstand, was im Sommer gelaufen ist, mit dieser Pressekonferenz, war das sehr dilettantisch. Bei so erfahrenen Leuten wir Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge kann ich mir nicht vorstellen, dass sie unvorbereitet in einer Pressekonferenz gehen, dann in diese emotionale Falle tappen und dann explodiert das Ganze und fliegt ihnen um die Ohren. Das war einfach sehr schlecht. Was mir auch noch auf der Zunge lag, die Umgehensweise im Fall Ribery mit dem Journalisten, das ist des Vereins nicht würdig. Sowas geht nicht. Da muss man ganz klare Kante zeigen. Das haben sie auch versäumt. Ich glaube schon, dass das den Uli Hoeneß sehr beschäftigt, das geht nicht an ihm vorbei. Das wird ihm zu denken geben. Wie geht es grundsätzlich weiter? Die beiden werden nicht jünger. Ich fand es auch irritierend, dass er schon jetzt den Namen Oliver Kahn in den Ring wirft – zweieinhalb Jahre vor Amtsantritt. Das ist ungewöhnlich, schon mit Namen zu jonglieren, wenn du keine Ahnung hast, will er das überhaupt.“


    Sky Experte Fjörtoft ...
    … über die Auftritte der Münchner Spieler:
    „Das ist ja auch der Stolz der Spieler. Wir reden immer über das Verhältnis von Uli Hoeneß zum Spieler, vom Trainer zum Spieler, von Hasan Salihamidzic zum Spieler, aber die Spieler reden ja auch miteinander. Diese Spieler im modernen Fußball sind Ich-AGs, die sind Marken, das ist ja peinlich, was da passiert ist. Ein Manuel Neuer, der sieht, dass fast jeder Schuss auf sein Tor ein Tor ist. Jerome Boateng hat angeblich Nein gesagt zu Manchester United, durfte nicht zu Paris Saint-Germain gehen und macht trotzdem einen Fehler nach dem anderen. Das ist für einen Spieler peinlich. Die reden in der Kabine über solche Sachen, und dass es so nicht weitergehen kann.“

    … über Hannover 96: „Hannover versucht immer zu sagen, alles was neben dem Platz passiert, hat mit dem Sportlichen nichts zu tun. Aber was ich bei Hannover so schlecht finde, die Spieler zeigen auf dem Platz: 'We are too good to go down'. Sie glauben, sie sollten weiter oben stehen, die anderen kämpfen wie Löwen und dann schaut man sich die Statistiken an und sieht, das Zweikampfverhalten bei Hannover ist katastrophal. Die Körpersprache beim Spiel gestern: katastrophal. Und dann bist du da unten. Die sind so schlecht wie sie momentan stehen. Sie sind genau da, wo sie sein sollen.“

    … über die Handspiel-Diskussionen nach der Partie Hoffenheim gegen Schalke: „Wir haben gestern stundenlang über diese Handszenen diskutiert. Was ist mit der Handregel passiert? Entweder war es Hand oder es war keine Hand. Was ist denn los? Wir machen den Fußball kaputt! Wie soll man da noch grätschen? Ich verstehe das nicht. Wer ist auf die Idee gekommen, die einfachste Regel der Welt zu ändern?“

    … über Oliver Kahn als möglichen Nachfolger von Karl-Heinz Rummenigge: „Im Sport ist es so: Die Leader sagen immer, bei der nächsten Wahl kommt ein Neuer, bei der nächsten Wahl – und plötzlich sind sie 81. Wenn Oliver Kahn denn irgendwann zu Bayern kommt, schwächt ihn diese Aussage. Er ist plötzlich wie Prinz Charles: Er wartet und wartet bis die Königin stirbt und plötzlich stirbt er vorher. Man kann einem doch nicht sagen, warte zweieinhalb Jahre, dann hast du vielleicht eine Chance.“



    Für Rückfragen:

    O-Ton-Service Sky/eh
    eMail:Sky-Sport-PR@sky.de
    Mehr Informationen unter www.sky.de